Jan Deichmohle

Denker und Dichter

Schlagwort: Hadmut

Keine vernünftige Feminismuskritik kommt durch

Keine vernünftige Feminismuskritik kommt durch

Seit 1968 kommt wird vernünftige Feminismuskritik bereits im Ansatz abgewürgt und unterdrückt, so daß meist keine Zensur mehr nötig wird. Das habe ich in Zensurkapiteln aller meiner Sachbücher dokumentiert.

Dazu gehört auch, daß es nur wenige kritische Stimmen gibt, die meist Einzelkämpfer sind. Wer einflußreich wird oder sich dafür hält, wird oftmals unsolidarisch. Wie in früherem Artikel beschrieben, wurde ich von dem ersten Magazin der ‚Szene’ stillheimlich rausgeworfen, nachdem dort einige Platzhirsche ihre Position verteidigte. Der eine hatte sich mit tatsachenwidriger Fehldeutung zum Thema Hypergamie produziert, Einspruch gegen seine Denkfehler einfach wegwitzeln, wegplaudern und mit persönlichen Angriffen (Er hat mich ‚Anne Wizorek’ genannt, eine völlig sinnfreie Beleidigung) abtun wollen. Kurz danach wurde ich rausgeworfen. Damals war die Flüchtlingswelle gerade am Hochkochen, und ein kleiner Gesinnungsdiktator kam dann mit schärferer Kritik an der Masseneinwanderung junger Männer in kriegstauglichem Alter nicht klar, warf mich einfach raus und löschte meinen englischen Blog.

Ähnlich ging es mir mancherorts: sobald alternative Medien bekannter und kommerzieller wurden, warfen sie mich raus. Das Verhalten, über das alternative Medien bei den Etablierten klagen, zeigen mir gegenüber viele selbst.

Auch sonst geschahen seltsame Dinge. Auf Twitter teilten einige fleißig alle Artikel und Beiträge zum Thema, von Danisch wie von anderen, nur meine grundsätzlich nie, und gaben auch keine Antwort auf Rückfragen dazu. Auf Gab.ai darf ich einem dieser Leute nicht folgen, was schon sehr ungewöhnlich ist auf Gab. Auch wenn es um die Bücher geht, merke ich, daß ein großer Teil der Szene geflissentlich ignoriert und bremst.

Vor Jahren hieß es, englische Zitate würden stören, da manche kaum Englisch verstünden. Seitdem übersetze ich grundsätzlich. Doch dann wurden andere Gründe vorgeschoben, nicht zu rezensieren. Sie wollen nicht. Solide und grundsätzliche Feminismuskritik ist unerwünscht. Um so peinlicher ist, daß dieselben Kräfte tägliches Geschwätz hochjubeln, teilen und anerkennend loben, vermutlich auch solche Bücher kaufen, bei dem außer wilder Polemik, persönlich abwertenden und ausfälligen Bezeichnungen wenig solides drin steht. Meist werden persönliche Assoziationen eben mal so schnell getippt und veröffentlicht, ohne sich die Mühe zu machen, das im einzelnen nachzuprüfen und darüber nachzudenken.

Daraus entstehen dann absurde Positionen, wie die Geisteswissenschaften insgesamt anzugreifen, was in der Sache abträglich ist. Feministische Verziehung, Schule und Medien müssen Zeitgenossen matschig im Hirn gemacht haben, weil viele polemisches Assoziieren ganz toll finden, solide Argumente aber genervt ignorieren, weil geordnetes Nachdenken mühsam ist, besonders wenn es jenseits ihres Überzeugungssystems führt.

«Über den Marktwert von Geisteswissenschaftlern und ihren Abschlüssen
Hadmut 14.3.2018 22:02
Wären deren Fakultäten seriöse Firmen, hätten sie längst den Geschäftsbetrieb eingestellt oder Insolvenz angemeldet.»1 (Danisch, 14.3.2018)

Die Herablassung des Informatikers Danisch gegenüber Geisteswissenschaften im allgemeinen ist peinlich und überheblich. Geisteswissenschaftler gibt es seit über 2000 Jahren; schon die Hellenen (Altgriechen) und Römer hatten Historiker. Das erinnert an überschäumende Rechte der 1920er, die wegen der Notlage ihres Landes überreagierten und mit pauschalen Angriffen unnötig Teile der Bevölkerung anfeindeten, was dann eine verhängnisvolle Eigendynamik entwickelte.

«Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Weniger als zehn Prozent der Sozialwissenschaftler arbeiten in ihrem Fachgebiet im engeren Sinne.
Da muß man sich dann mal die Frage stellen, ob das überhaupt ein Studium, das Erlernen von Fähigkeiten ist.» (Danisch, 14.3.2018, a.a.O.)

Das neue Fachgebiet des Bloggers Danisch kann mit einem Wort bezeichnet werden: Motzen. Er motzt, zieht über ganze Gruppen her. Er assoziiert ohne geistige Selbstkontrolle daher. Das entspricht nicht MINT-Standard. Denn in den wirklichen Naturwissenschaften lernt man, gründlich nachzudenken, jeden Gedanken zu prüfen, alle Voraussetzungen zu untersuchen, um dann logische Schlüsse zu ziehen. Nichts dergleichen bei heutigen Journalisten, aber auch nicht bei alternativen Bloggern mit Hang zu Verschwörungstheorien. Da frage ich mal polemisch: Was für einen Sinn soll das Studium der Informatik gehabt haben, wenn Blogger Danisch Denkfehler und unbewiesene persönliche Rundumschläge anhäuft?

Könnte jemand mal Herrn Danisch flüstern, daß es eine Reihe MINT-Fächer gibt, bei denen weniger als zehn Prozent in ihrem Fachgebiet arbeiten? Nenne er mir Mathematiker, die in der reinen Mathematik arbeiten. Außerhalb der Universitäten, wo nur sehr wenige Professoren gebraucht werden, und relativ wenigen Forschungsinstituten, gibt es fast keinen einzigen Arbeitsplatz. Die einzigen, die in der Wirtschaft nachgefragt werden, sind Statistiker; Statistik ist ein Anwendungsfach, das mit dem Rest der Mathematik wenig zu tun hat. Trotzdem wurden reine Mathematiker gern genommen, weil sie ihre Fähigkeiten entwickelt und bewiesen haben. Bevor Informatik als neues Fach entstand, nahm man fast selbstverständlich Mathematiker zum Programmieren, weil man davon ausgehen konnte, daß sie dieses ganz schnell lernen und gut darin sein werden. Nicht viel anders dürfte es bei theoretischer Physik oder Geophysik sein.

Mathematik gilt als schwierigstes Fach, abstrakter und anspruchsvoller als Informatik, als Mutter der Wissenschaften, und daher auch als Schule des Geistes. Doch inhaltlich anwenden werden es nach dem Studium nur sehr wenige. Offensichtlich folgt aus dem Umstand, daß über 90 Prozent später in Bereichen arbeiten, wo sie ihr Studienfach nicht anwenden, keineswegs, das Studium sei wertlos oder lehre keine Fähigkeiten. Fehlschluß. Das kommt davon, wenn man jeden Tag einfach nur rummotzt und sich dabei schludriges Denken angewöhnt: Ein Grundproblem der feministischen Ära.

«Der zentrale Kern meines Grolls gegen diese Meschpoke ist, daß die mit Wissenschaft nichts zu tun haben, völlig anspruchslos sind, frei erfundenem ‚philosophischem’ Phantasiegegacker hinterherrennen und schon an grundlegender Methodik scheitern, etwa Koinzidenz, Korrelation und Kausalität nicht auseinanderhalten können, schlimmer noch, es nicht auseinanderhalten wollen.»2 (Danisch, 11.3.2018)

Wer sich mit solch hohen Ansprüchen an Methodik und die Unterscheidung von Koinzidenz, Korrelation und Kausalität brüstet, darf sich keine Denkfehler leisten wie den Rundumschlag gegen Geisteswissenschaftler mit den falschen Behauptungen, in MINT-Fächern gelernte Inhalte würden im Beruf angewendet, und dies seit der entscheidende Vorteil. Gegenbeispiel: reine Mathematik. Behauptung widerlegt, Aussage von Danisch falsch. Beweisen oder Falsifizieren üben Mathematiker täglich. Vor allem ist dies kein Einzelfall; solche gedanklichen Unschärfen ergeben sich beim polemischen Assoziieren in seinem Blog immer wieder.

Das richtige Argument würde exaktes Denken, das gedanklich oder experimentell überprüft wird, als Vorteil der MINT-Fächer gegenüber manchen Geisteswissenschaften nennen.

Freies Assoziieren ist voller Gefahren: Die eine Gefahr ist, in Zukunft peinliche Behauptungen aufzustellen, die sich als unhaltbar erweisen, die andere, Verschwörungstheorien zu entwickeln, die sich ebenfalls als falsch herausstellen. Daher ist es kein gutes Vorgehen, eine assoziative Vermutung nach der anderen zu äußern, statt sich alles in Ruhe tief zu durchdenken, bevor etwas behauptet wird. Bei vielen Vermutungen geht es sonst vorhersehbar öfter auch schief.

Ein Künstler wie James Joyce mag aus einem Bewußtseinsstrom heraus schreiben (Ulysses); doch wer Sachargumente liefern will, muß mehr leisten.

Eigentlich merkt Danisch selbst, daß er aus Gefühlen heraus schreibt, die ihn täuschen können. Übrigens ist solche Subjektivität von feministischen Wellen in der Gesellschaft verbreitet worden, das nur mal am Rande.

«Hadmut 24.2.2018 13:59
Ich habe gerade unerwartet das erstaunliche Gefühl, alles verstanden zu haben. Alles.
Das Gefühl ist schrecklich.
[Trigger Warning: Harte Kost, nur für rein rational orientierte Menschen, nichts für empfindsame Gemüter.]
Ja, ich habe gerade das Gefühl, alles verstanden zu haben. Naja, nicht wirklich alles, nicht das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

Aber das 20. Jahrhundert. Oder etwas genauer gesagt, die letzten 100 Jahre bis heute. Die Linken. Und die Rechten. Die Presse. ARD und ZDF. Die Tagesthemen und das heute journal. Die Political Correctness und den AStA. Heiko Maas und das Familienministerium. Soziologen und Genderstudies. Das Bundesverfassungsgericht, Susanne Baer und die Ablehnung meiner Verfassungsbeschwerde. Die Zerstörung der Schulen und der Unis. Und der ganze Rest. So im Ganzen. Am Stück.

Vielleicht trügt mich das Gefühl. Wahrscheinlich sogar.

Und ich weiß auch nicht, wie lange das Gefühl anhalten wird. Deshalb möchte ich diesen Blogartikel schreiben, solange das Gefühl anhält.»3 (Danisch, 24.2.2018, Das verbotene Buch)

Hadmut Danisch, hochseriös, kein bißchen subjektiv und völlig ernst zu nehmen, läßt sich nicht von Gefühlen hinreißen, hat alles klar durchdacht und mit Verschwörungstheorien nichts am Hut. Ironie aus.

Das Gefühl, „alles verstanden zu haben”, ist Überheblichkeit, eine Empfindung wie auf Psychedelika. Ihm ist selbst klar, daß dies nicht ganz stimmen dürfte: „Und ich weiß auch nicht, wie lange das Gefühl anhalten wird.” Gefühl statt Ratio war bislang Feministinnen vorbehalten. Nun ist es bei jenen angekommen, die Feminismus eigentlich kritisieren wollen. Solch ein suggestiver Rausch ist gefährlich – heraus kam die falsche Rückführung von Feminismus und Faschismus auf Kommunismus. Nein, Feministinnen haben ihre Ideologie unabhängig, in feministischen Begriffen „in der autonomen Frauenbewegung” entwickelt. Das ist historisch nachweisbar. Danisch ist noch nicht lange genug dabei, das zu wissen. Es ist allerdings peinlich, wenn Leute mit sichtbaren Wissenslücken sich einbilden, alles zu wissen. Sokrates sagte bescheiden: „Ich weiß, daß ich nicht weiß.” Eine andere Weisheit ist: „Si tacuisses, philosophus mansisses.” – „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.” Auch beim Argumentieren ist oft weniger mehr.

Mehr Sachlichkeit und Bescheidenheit wäre hilfreich. Doch das wollen Leser von heute offenbar gar nicht. Sie bejubeln Charismatiker, nicht Denker.

«Nee. Wir, die MINT-ler, wir haben Inhalte. Deshalb ist das bei uns so, daß wir nach dem Studium mehr können als vorher, nämlich ungefähr diese Inhalte, und deshalb sind wir dann keine Generalisten, sondern machen das, was wir gelernt haben.»4 (Danisch, 14.3.2018)

Soso. Also der Mathematiker, der in der Wirtschaft arbeitet, täte das wegen ‚Inhalten’, unterstellt Danisch in einer Polemik, die wohl schneller hingehauen wurde als er denken kann. Das ist wieder eine klar falsche Behauptung. Nicht Inhalte, sondern Methoden und Schulung seines Geistes sind, was Personalleute interessiert. Mir haben Leute beim Bewerben erzählt, für mathematische Fragen hätten sie Spezialisten an der Uni, das interessiere sie nicht. Die wollten weder Inhalte noch Fachkenntnisse, sondern nur den Nachweis der Leistungsfähigkeit und geistigen Schulung, sozusagen ein Siegel der Professoren: „Ja, der kann’s” – egal worum es in der Firma gerade geht. Auch Mathematiker werden gern als Generalisten eingesetzt, weil sie Denken und Konzepte entwickeln gelernt haben, ebenso freilich im technischen Bereich, um sich in Spezialgebiete einzuarbeiten. Ob die Inhalte nun Zahlentheorie, Topologie, Funktionentheorie oder sonst ein nur an Akademien gebrauchter Zweig waren, scherte keine Bohne; was in jenen Gebieten gelernt wurde, kam beruflich nicht zur Anwendung.

Polemik und Verstand sind verschiedene Dinge. Seit der verbalen Karate, mit der die feministische ‚Sisterhood’ in den 1960er und 1970er Jahren siegte, ist Polemik das Maß der Dinge. Sogar Kritik an dieser ‚Sisterhood’ wird nur dann gelesen, wenn sie polemisch genug ist – und zugleich gemeinsame Ansichten bestätigt. Was keine Ansichten ausdrückt, die durchschnittliche Leser insgeheim bereits haben, bleibt chancenlos. Soviel zum allgemeinen Stand der Verdummung.

«Jetzt mal ganz seriös und im Ernst: Heißt das nicht, daß es unverantwortlich ist, Leuten ein Germanistik-Studium anzudrehen?» (Danisch, 14.3.2018)

Danischs Vorurteile gegen Soziologen habe ich in einem früheren Artikel untersucht. Einfach grob auf alle einzuprügeln, Freund wie Feind, um Genderisten zu treffen, ist saudumm. Stichwort: Als ein Gründer der Soziologie gilt Émile Durkheim; auf ihn habe ich mich gerade gegen Gender, Feminismus und den Irrglauben berufen können, Rollen (Arbeitsteilung) der Geschlechter seien unwichtig oder nicht menschlich universell. Laut Durkheim waren sie sogar grundlegend für menschliche Gesellschaft.

Wer so auf weite Berufsfelder einprügelt, handelt wie jemand, der aus Zorn über Ungerechtigkeit Verschwörungstheorien erfindet, und dann gleich noch auf viele Unschuldige eindrischt, die er für vermeintliche Hintermänner hält, seiner Sache so immer mehr Feinde schafft. Wer kollektiv Geisteswissenschaften herabwertet, schafft seiner Sache unnötig viele Feinde. So eine Position wird verlieren oder untergehen – weil sie sich viele unnötige Feinde gemacht hat.

«Immer mehr Leute müssen wir durchfüttern, die nicht einzahlen: Quotenfrauen, Gleichstellungstanten, Migranten, Geisteswissenschaftler, Bullshitjobber, öffentlicher Frauenförderdienst. Und die dann bedingungsloses Grundeinkommen haben wollen.» (Danisch, 14.3.2018)

Das ist richtig, eine wichtige Erkenntnis. Nur schadet es, statt die Verursacher anzugreifen, große Bevölkerungsteile wie Geisteswissenschaftlern unnötig zu Feinden zu machen. Hier sind untypisch wenige ausfällige Begriffe enthalten wie ‚Bullshitjobber’; dafür macht er persönliche ad hominem Angriffe, die gar nicht nötig sind, weil es so viele gute Argumente gibt.

«Also auf mich wirkt Bär in ihrer primitiven Sichtweise nicht wie „knapp unter 40”, sondern wie eine Chimäre aus kleinem Mädchen und Vorkriegsurgroßmutter.»5 (Danisch, 11.3.2018)

Den wirklichen Hammer, der ein gutes Argument ergäbe, hatte Danisch unkommentiert gelassen, nämlich:

«„Auf Twitter sind ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs. Eigentlich müßte ich jetzt meinen Twitter-Account löschen.”» (Dorothee Bär, a.a.O.)

Das Gegenteil solider Arbeit ist, gute Kritik zu vergessen, stattdessen der Sache mit persönlichen Angriffen ohne sachlichem Argument zu schaden. Das abfällig gemeinte ‚Vorkriegsurgroßmutter’ setzt jene, noch nicht so entwurzelten Mütter früherer Zeiten, unnötig herab. Auch das ist ein billiger polemischer Effekt, der die Falschen trifft und unnötig vor den Kopf stößt. Doch genau dieser Stil scheint Mode zu sein, Leser anzuziehen, ist zum Kennzeichen feministischer Ära geworden. Seit Jahrzehnten werden wir von feministischem Gerede zugeschüttet; nun wollen die Leute sogar bei Kritik die gleiche Stillosigkeit.

«Diese Frauenförder- und Akademisierungskampagne verursacht nicht nur enormen volkswirtschaftlichen Schaden, sondern produziert massenweise gescheiterte Existenzwracks.» (Danisch, 14.3.2018)

Gute Idee. Nur schadet es, gleichzeitig auf Geisteswissenschaftlen im allgemeinen einzudreschen. Auch schadet es guten Ideen, wenn sie mit falscher oder persönlicher Polemik verrührt werden.

«Ist feministischer Männerhaß (böser weißer Mann) eine Fehl- und Überfunktion einer nach abgestorbenem Hippocampus alleinherrschenden Amygdala?»6 (Danisch 15.3.2018)

Fachfremd herumzuspekulieren ist gefährlich. Wer überfachlich aktiv wird, muß aufpassen. Körperliche Ursache für geistige oder politische Strömungen zu suchen ist ein gefährliches Terrain. Man kann sich damit schnell lächerlich machen. Ich frage Sie Herr Danisch, falls Sie sich je bequemen sollten, in meinem Blog zu lesen, sagt Ihnen der Name Möbius etwas? Der hat nämlich vor 120 Jahren ähnlich unvorsichtig mit körperlichen Ursachen spekuliert wie Sie es heute tun. Damit hat er sich unsterblich blamiert, obwohl er in manchen Argumenten recht hatte. Doch der Unterschied zwischen recht behalten oder sich blamieren liegt genau in der nötigen Vorsicht, die kluge Geister haben. Denn bei den vielen körperlichen Ursachen im Hirn, die Sie schon für politische Erscheinungen verantwortlich machen wollten, ist es fast unvermeidlich, daß sich einige Ihrer Ideen als falsch herausstellen – oder viele, weil die Reduktion geistiger auf körperliche Prozesse so kompliziert wäre, daß es unsere Fähigkeiten überstiege.

Die Störungen unserer Gesellschaft hängen mit dem Zerbrechen unserer Kultur zusammen; sie sind geistiger und sozialer Natur. Menschliche Universalien wie die Ergänzung der Geschlechter wurden abgewickelt, wodurch unsere geschlechtliche Identität und die Bezüge zwischen Menschen erschüttert wurden. Das ist – im Gegensatz zu Ihren biologistischen Vermutungen – nachweisbar, sogar in Schriften und Lebensläufen von Feministinnen. Letztlich sagen diese selbst ähnliches, wenn wir ideologische Deutung abziehen und den nüchternen Kern betrachten. Der Zusammenhang von Störung der Rollenergänzung und feministischen Ideen läßt sich mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen (Wollstonecraft). Auch das ist keine wilde Assoziation, sondern von einer Fülle feministischer Literatur bestätigt.

Es gibt auch Stimmen, die Umweltschäden mitverantwortlich machen. Die Betonung liegt auf ‚mit’. Es wäre unzulässiger Biologismus und hochgradig inseriös, wie Danisch es täte, Feminismus als eine Umweltgiftschädigung hinzustellen. Es ist bekannt, daß unsere Umwelt viele Chemiekalien enthalten sind, die weiblichen Geschlechtshormonen, den Östrogenen, ähneln. Dazu gehören Weichmacher. Soja, aber auch Bier sollen solche Stoffe in Spuren enthalten, was bei starken Trinkern langfristig den sprichwörtlichen ‚Bierbauch’ verursache. Ebenso entstehen durch beruflichen Streß vermännlichende Hormone in Frauen. Wissenschaftlich gesichert und plausibel ist, daß eine Störung des Hormonhaushalts die Geschlechtsentwicklung im Mutterleib stören kann. Dabei werden Söhne von Östrogenen geschädigt und verweiblicht, Töchter dagegen von Testosteron oder ähnlichen Substanzen geschädigt und vermännlicht.

Die Ursache ist erklärlich: Die Entwicklung des Geschlechts wird durch Hormone gesteuert. Geringe Mengen weiblicher Geschlechtshormone oder ihnen ähnlicher Stoffe sind für Frauen harmlos, denn sie fallen bei ihnen kaum ins Gewicht. Bei Jungen und Männern jedoch kann eine geringe Menge sehr viel eher stören, weil diese Hormone nicht oder nur in geringen Spuren vorhanden sein sollten. Umgekehrt verhält es sich bei Mädchen und Frauen, die viel stärker von männlichen Hormonen beeinträchtigt werden, die sie etwa bei beruflichem Streß vermehrt bilden. Somit gibt es eine Hormonbelastung, die Töchter vermännlichen und Jungen verweiblichen kann. Dies mag zwar die Probleme der Gesellschaft verstärken, ist jedoch nicht Hauptursache. Feministische Wellen begannen lange, bevor unsere Umwelt solche Stoffe enthielt. Außerdem wird der Mensch stark durch sein Bewußtsein geleitet: zunächst ist das eine Frage des Bewußtseins und der Kultur. Schädigende chemische Einflüsse fördern vielleicht Probleme, sind aber höchstwahrscheinlich weder Auslöser noch Hauptursache gesellschaftlicher Probleme. Wer in dieser Richtung unvorsichtig spekuliert, liefert Verschwörungstheorien.

«Denkt mal daran, was ich vor drei Tagen geschrieben habe: Social Justice als psychische Erkrankung begreifen. Die Leute sind immer aggressiver, nicht mehr zu inhaltlicher Auseinandersetzung fähig. Paßt das nicht exakt zu dieser Betrachtung, daß bei denen die Amygdala das Kommando übernommen hat und durchdreht, die sich in einem übersteigerten Tribalismus befinden?» (Danisch 15.3.2018, a.a.O.)

Es ist gut und richtig, SJW und Feminismus als psychische Erkrankung zu begreifen. Dafür biete ich seit Jahren solide Artikel an wie „Feminismus und Wahnsinn”, die kaum ein Mensch liest. Nun plaudert ein Blogger das als eine unbewiesene Behauptung unter Massen anderer ebenso unbegründeter Behauptungen daher, und erhält offenbar viel Lob und Leser für inseriöses Spekulieren. Nicht mit polemischem, subjektivem Assoziieren, sondern solider Recherche muß das bewiesen werden, was ich im Buch „Abrechnung mit dem Feminismus” unternehme.

Mit Fehlfunktion bestimmter Hirnbereiche zu argumentieren, ist gefährlich: Im Jahre 1900 hat ein Gelehrter, Paul Julius Möbius, mit einigen polemischen Begriffen ungeschickt spekuliert. Vielleicht stammt der heute peinliche Buchtitel vom Verlag, doch dieser alleine beschämt heute. Der Herr Möbius hat durchaus einige gute Gedanken gehabt, die nach dem Absatz zitiert werden, aber eben zwei Kardinalfehler begangen, die typisch für den Blog von Danisch sind: Erstens, auf körperliche Ursachen geistiger Erscheinungen zu spekulieren, ohne dafür Beweise zu haben. Damit hat Möbius sich selbst aufs Kreuz gelegt. Zweitens, polemisch zu formulieren, was später peinlich wurde. Mit mehr Vorsicht hätte er ein Philosoph sein können, der einige zutreffende Vorhersagen machte. So wurde Möbius für viele zur Peinlichkeit, an die man sich ungern erinnert. Prophet oder Peinlichkeit trennt zuweilen nur Haaresbreite. Unweise ist, wer mit oberflächlicher Polemik um sich schlägt, ohne solche oft haarfeinen Probleme zu beachten, erkennen und zu meiden.

«Ich habe auseinandergesetzt, daß, wenn die Wünsche der Feministen erfüllt werden, die Geburtenziffer soweit sinken müsse, daß der Stand oder das Volk sich nicht erhalten kann. …

Die eigentlichen Weiberfeinde sind die ‚Feministen’, die den Unterschied der Geschlechter aufheben möchten. Auch indem ich diese bekämpfe, streite ich nicht gegen die Weiber, denn, wenn diese den Verlockungen folgen und für das ‚neue Weib’ schwärmen, so fehlt ihnen eben die Umsicht, die Urtheilskraft, zu wissen, was sie thun;» (Paul Julius Möbius, 1900)

Heute ist zufällig bei Herrn Danisch die Amygdala dran, vor kurzem wollte er andere Ursachen im Hirn für Fehlfunktionen oder das Verhalten von Feministinnen gefunden haben. Diese Suche nach Ursachen im Hirn ist unrealistisch. Der Mensch wird von seinem Bewußtsein und Lernprozessen geprägt. In früher Kindheit lernt er die Sprache und Kultur seiner Umgebung. Das ist ein angeborenes Programm, wie heute allgemein anerkannt wird. Ursprünglich stammte diese Idee von Chomsky. Wie mächtig solche Einflüsse sind, zeigt ein Vergleich von Menschen in isolierten Stämmen der Wüste, des Regenwaldes, verschiedener Kulturen und Epochen. Mit biologischen Ursachen zu hantieren ist da eher abwegig, auch wenn sich über lange Zeiträume die Erbanlagen der Menschen an ihre Umgebung anzupassen beginnen. Daraus folgt aber keineswegs, daß Menschen beliebig programmierbar wären, wie heutige Ideologen behaupten. Denn Kultur ist wie Sprache eine rational erklärbare Struktur, die freilich unbewußt im Säuglingsalter erlernt wird. Es gibt erstaunliche Gemeinsamkeiten über alle Zeiten und Kulturen hinweg: menschliche Universalien. Mit diesen argumentiere ich. Das ist solide Arbeit. Freies Assoziieren ist es nicht.

Spekulationen körperlicher Ursachen für geistige Prozesse sind ziemlich hoffnungslos. Bei der Vielzahl von Gehirnzellen und Verbindungen je Hirnzelle wäre eine Simulation des Menschen zu komplex, um selbst mit modernster Technik subtile Dinge wie persönliches Erleben und Geschlechtereigenschaften zu simulieren und berechnen.

Schwelgen in Assoziationen bringt nichts brauchbares zustande. Lieber lese ich gleich die Artikel, die Danisch verlinkt. Ihm scheint ja eine Schar helfender Leser oft Funde zu schicken – was mir fast nie passiert, obwohl ich seit den 1980ern als Aktivist und Feminismuskritiker Erfahrungen und Wissen sammle, dabei um solide Begründung bemüht bin.

Doch in dieser Welt zählen nicht gute solide Argumente, sondern Klickzahlen, Leser. Wer plaudert, aber viel gelesen wird, ist einflußreiche Person. Wer solide Inhalte bietet, aber nicht gelesen wird, ist ein Nichts.

«Ich habe mal beschrieben (unter anderem von einer Piratinnenkonferenz), daß die sich wie bei Scientology gegenseitig auditieren und prüfen und jede immer wieder darlegen, erzählen, bekennen muß, von bösen Männern unterdrückt und mißbraucht worden zu sein. Bei #Aufschrei und #MeToo das gleiche, nur über Twitter. Geht es bei diesen Psychomethoden darum, das Trauma aufrechtzuerhalten und zu verstärken (Hausfrauentipp: Fettflecken werden wieder wie neu, wenn man sie von Zeit zu Zeit mit etwas Butter bestreicht.), sprich: Sich gegenseitig auf Amygdala und gegen Hippocampus zu trainieren?» (Danisch 15.3.2018, a.a.O.)

Die ersten anderthalb Sätze sind wieder richtig. Solche Methoden dokumentieren Aktivisten, darunter ich, seit den 1970er Jahren. In der ersten Welle wird es bereits ähnlich gewesen sein, da ähnlich sektenhaft vorgegangen wurde. Das alles ist schön und gut, bis haarsträubend körperliche Erklärungen ins Spiel kommen, wie „ Amygdala und gegen Hippocampus”. Selbst wenn jene Bereiche betroffen sind, sind sie keine taugliche Erklärung für geistige Denkfehler und schiefe Wahrnehmung der Geschlechterverhältnisse, die ich evolutionär in meinen Büchern erkläre, nach Prinzipien, die beim Evolutionsforscher Steve Moxon nachlesbar sind. Das ist solide, wissenschaftlich belegbar. Doch solche Spekulationen führen in die Irre, sind Spinnerei.

«Wie gesagt: Es geht zurück auf die Frankfurter Schule und alle Deppen, die ihnen nachlaufen, die einen neuen Marxismus versuchte, die den Klassenkampf und die Revolution haben wollte, und weil es mit Kapitalismus und Proletariat nicht funktioniert hat, dann mit Frauen, LBQT@?# und eben Rassen versuchen wollten.»7 (Danisch 13.3.2018)

Falsch. Danisch plaudert jeden Tag, was ihm gerade an Assoziationen einfällt, ohne Beweise oder gründliches Durchdenken, und eine Meute oberflächlicher Zeitgenossen findet es toll, weil wilde Polemiken ihre Gefühlslage treffen. Das ist ziemlich feministische Methode, nämlich genauso emotional und unbegründet.

Feminismus ist, wie in meinen Büchern dokumentiert, eine bereits im 19. Jahrhundert oder früher auftauchende neuartige Irrationalität, die anfangs von Liberalen (bei den Angelsachsen Linke) bis Konservativen abgelehnt wurde. Feministische Hysterie entstammt nicht dem Kommunismus, sondern feministischen Schwestern und ihren Schriften. Sie arbeiteten ‚autonom’ auf Konfrontationskurs mit den Gesellschaften ihrer Epoche. Viele wissen das nicht. Das ist nicht schlimm. Abträglich wird es jedoch, wenn unwissend spekuliert und falsches behauptet wird, aber das ist wohl heute üblich und das, was viele Zeitgenossen schätzen.

Danischs Argument ist falsch, eine Simplifizierung, die Kommunismus, Faschismus und Feminismus zu ein und der selben Sache verrührt und den Ursprung im Kommunismus wittert. Nun gibt es sicher gute Argumente für Gemeinsamkeiten aller drei genannter Ideologien, auf die ich in Schriften schon in den 1990er Jahren hingewiesen habe. Damals schrieb ich: Kommunismus ist Klassenkampf, Faschismus ist Rassenkampf und Feminismus ist Geschlechterkampf.

Wie ich in Bücher nachgewiesen habe, entstammt heute verbreitete Irrationalität und Hysterie den feministischen Wellen; schon die erste Welle lieferte im 19. Jahrhundert starke Beiträge, bevor es einen Faschismus gab, und bevor kommunistische Diktaturen entstanden, die einen Unterdrückungsapparat aufbauten. Feminismus war in allen Wellen ‚autonom’; die zweite Welle sprach nicht ohne Grund von ‚autonomer Frauenbewegung’. Spätere Wellen vertieften das. Faschismus und Kommunismus haben solche Methoden erst später aufgegriffen; sie entstammten historisch der feministischen Schwesternschaft. Danischs spontanes Assoziieren und polemisieren führt mit falschen Analogien zu falschen Schlüssen. Zu behaupten, Feminismus sei von anderen Kräften gesteuert, ist eine Verschwörungstheorie, die den Boden vernünftigen und realitätsbezogenen Denkens verläßt. Dabei ist es gleichgültig, ob jemand wie Danisch derzeit alles auf den Kommunismus zurückführt, oder andere alles mit einem fragwürdigen Zitat erklären wollen, das Nicholas Rockefeller zugeschrieben wird, und immer mal wieder umgeht. Vielleicht ist das Zitat falsch; unabhängig davon entstanden feministische Wellen früher und arbeiteten unter krassem Männerausschluß ‚autonom’; deshalb ist es unsinnig, sie ausgerechnet als von Männern gesteuert anzunehmen. Selbst wenn es einen Nicholas Rockefeller gäbe, der so etwas gesagt hätte, wäre das eine Überschätzung seiner Möglichkeiten.

Es läßt sich nur sagen, daß es in allen Zeiten männliche Gönner gab, die autonome streitbare Schwestern gewähren ließen und mit kleinen Beträgen unterstützten. Vor dem ersten Weltkrieg besagte eine Quelle, daß es einen Skandal gäbe, wenn die Liste der Spender für die Suffragetten veröffentlicht würde, weil hochrangige Persönlichkeiten enthalten waren. Das spricht für die übliche Frauenbevorzugung, die männliche Kavaliershaltung, die wir in allen Zeiten beobachten können. Mit einer Steuerung durch andere Bewegungen hat das rein gar nichts zu tun. Begonnen und getrieben wurden feministische Wellen immer von sich autonom abschottenden Gruppen. Man kann sie fördern und stärken, aber nicht steuern.

«Das Fischblatt DIE ZEIT hat wohl Auflagennot und bewirft mich nicht nur alle vier Wochen mit Einladungen, ich könnte doch mal vier Wochen die ZEIT kostenlos beziehen (bis zum nächsten Angebot), sondern sie machen das jetzt auch Online. Man kann jetzt Artikel der Printausgabe, die Online eigentlich kosten sollten, auch kostenlos lesen – aber nur, wenn man gleich vier Wochen am Stück kostenlos nimmt. Stellt Euch vor, ihr kommt in den Supermarkt, und die sagen Euch, Ihr könnte Euch heute kostenlos bedienen, aber nur, wenn Ihr Euch auch die nächsten vier Wochen lang kostenlos bei ihnen bedient. Ökonomisch betrachtet heißt das, daß wir nach Negativzinsen und negativen Strompreisen auch negative Preise für Journalismus haben, dessen Wert unter Null gefallen ist.»8 (Danisch 11.3.2018)

Falsch. Die Absicht dürfte sein, Leute in ein Abonnement zu locken, indem sie rechtzeitig zu kündigen vergessen und dann was kostenpflichtiges am Hals haben. Solche Angebote erhalte ich in der Fußgängerzone von Städten seit Jahrzehnten. Es ist einfach eine übliche Werbemethode, Abonnenten zu gewinnen, die auch im Internet in den verschiedensten Bereichen gebräuchlich ist, nicht nur bei Medien. Das polemische Assoziieren Danischs greift allzu oft daneben.

Fußnoten

1 http://www.danisch.de/blog/2018/03/14/ueber-den-marktwert-von-geisteswissenschaftlern-und-ihren-abschluessen/

2 http://www.danisch.de/blog/2018/03/11/emotionen-suchtverhalten-und-triebe/

3 http://www.danisch.de/blog/2018/02/24/das-verbotene-buch/

4 http://www.danisch.de/blog/2018/03/14/ueber-den-marktwert-von-geisteswissenschaftlern-und-ihren-abschluessen/

5 http://www.danisch.de/blog/2018/03/11/emotionen-suchtverhalten-und-triebe/

6 http://www.danisch.de/blog/2018/03/15/die-amygdala-der-hummer-und-das-weibliche-schlechthin/

7 http://www.danisch.de/blog/2018/03/13/in-integralrechnung-verrechnet-vorzeichenfehler/#more-22606

8 http://www.danisch.de/blog/2018/03/11/emotionen-suchtverhalten-und-triebe/

Deichmohle zu Hadmut Danisch: Der Hang von Zeitgenossen feministischer Ära zu oberflächlicher Polemik

zu Hadmut Danisch: Der Hang von Zeitgenossen feministischer Ära zu oberflächlicher Polemik

Heute antworte ich (bis kurz vor Schluß) Satz für Satz auf einen Blogartikel von Hadmut Danisch, weil es nötig erscheint, eine bislang zu oberfächliche Debatte genau genug zu analysieren, um Denkfehler zu vermeiden.

Obwohl schon lange aktiv, habe ich aus beruflichen und privaten Gründen die Zeit zwischen 2000 und 2014 verpaßt; als ich im Internet wieder auftauchte, waren alle Nischen besetzt, die zuvor starke Stellung verloren.

Konsequente Feminismuskritik ist verschwunden; in der Zwischenzeit haben sich die einen mit dem vermeintlich unvermeidbaren abgefunden, andere sind nicht mehr unter uns, die übrigen mit dem alten Radikalfeminismus aufgewachsen und halten ihn für ‚normal’.

Einher mit diesem Wandel geht der Verlust an Format. Tiefe geistige Durchdringung und seriös begründete Theoriebildung und Argumente zählen nicht mehr. Wer das tut, findet einfach keine Leser, weil es den Leuten zu mühsam ist, sich hineinzudenken. Was heute geht, ist oberflächliche Polemik, Schaumschlägerei bis hin zur Verschwörungstheorie, eine unterhaltsame Verflachung bis an die Grenze von Cartoon oder Komik. Sowas wird gern hochgejubelt und zum Erfolg. Viele finden es wunderbar und teilen in Massen. Wer erfolgreich sein will, paßt sich dem Zeitgeschmack an.

«„Emotionen, Suchtverhalten und Triebe”
Hadmut 11.3.2018 13:32»1 (Hadmut Danisch, „Emotionen, Suchtverhalten und Triebe”, 11.3.2018)

Eine vielversprechende Überschrift. Lesen wir aufmerksam.

«Über Reptiliengehirne, warum man Soziologen den Hintern versohlen sollte und warum Dorothee Bär schon vor Amtsantritt nach Fehlbesetzung riecht.» (a.a.O. Danisch)

„Warum man Soziologen den Hintern versohlen sollte”: Das ist unsachlich und wird persönlich – ein typischer Fehler auch feministischer Argumentation. Zudem ist es eine verbale Drohung und damit ein Teil der allgemeinen Verrohung von Debatten.

„schon vor Amtsantritt nach Fehlbesetzung riecht” – wieder ein typisch schlechtes Argument, mit dem Feminismuskritiker seit 150 Jahren immer wieder verlieren: Etwas im voraus wissen zu wollen, ist ungeschickt. Sollte sie es packen, hätte der Kritiker sich nämlich blamiert. Sowas soll vorkommen. Daher ist es ratsam, erst einmal abzuwarten, Menschen aufgrund ihrer Taten zu beurteilen, aber nicht vorneweg.

Doch oberflächliche Zeitgenossen, die in Polemik und Oberflächlichkeit verliebt scheinen, finden sowas offenbar toll und fliegen solche Tiraden an wie Motten das Kerzenfeuer. Ob sie sich mit solchen ungeschickten Argumentationsweisen immer wieder die Flossen versengen, scheint den Motten egal zu sein.

«Das ist ja seit Jahren ein Thema hier im Blog: Ich halte Soziologen für weitgehend inkompetente Dampfschwätzer, die in ihrer Unfähigkeit Moden hinterherquatschen und gerne so achtkantig schwafeln, daß man nicht merkt, daß sie entweder nichts sagen oder es falsch ist, und oft sogar beides.» (a.a.O. Danisch)

Halleluja. Wenn das die Elite unsrer Feminismuskritiker ist, dann können wir einpacken. Der Absatz ist selbst, was er Soziologen vorwirft. Man sollte niemals sinnlos pauschalisieren oder gegen einen ganzen Berufsstand herziehen. Das werden nämlich Soziologen (später wird gar allgemein von Geisteswissenschaftlern gesprochen) nicht lustig finden. Was würden wir wohl denken, wenn jemand pauschal über alle Handwerker oder alle Künstler herzieht? Die einzig korrekte Argumentation ist, die starke Durchdringung der Geisteswissenschaft – und keineswegs nur der Soziologen, was eine grundlose Beschränkung darstellt – mit feministischer, linksradikaler, genderistischer und globalistischer Ideologie zu kritisieren. Wer ein ganzes Fachgebiet angreift, ist inseriös, könnte genauso gut laut rufen: „Hallo, ich will gerade Vorurteile gegen einen ganzen Berufsstand verbreiten. Glaubt mir bitte, ich bin ganz ganz seriös.”

«Der zentrale Kern meines Grolls gegen diese Meschpoke ist» (a.a.O. Danisch)

Der Stil in den häufigen Polemiken Danischs ist oft so unsachlich, daß ich mich frage, wieso gerade der so viel gelesen wird. Solche Unsachlichkeit legt nahe, daß nichts vernünftiges zu erwarten sei. Vielleicht tut er das, weil es bei vielen ankommt. Dann spricht es nicht gegen Danisch, der nur tut, was erfolgreich ist, sondern gegen die Oberflächlichkeit zeitgenössischer Leser, die eine Publikumsbeschimpfung verdienen. Immerhin muß ich Danisch hier jetzt verteidigen, denn ich sitze ja als Buchautor und Blogschreiber, der versucht, journalistische Aufgaben zu erfüllen, die von gleichgeschalteten Gesinnungsmedien nicht wahrgenommen werden, im gleichen Boot wie er. Genauso wie Danisch kenne ich den Druck, so zu schreiben, wie es ankommt, damit Blogartikel und Bücher nicht ungelesen vergammeln. Auch meine Sprache ist daher polemischer geworden, wie auch an diesen Sätzen abgelesen werden kann. Somit kann ich nachvollziehen, weshalb er in diese Richtung geht und gehen muß. Doch sollte man dem Geschmack von der feministischen Ära verdorbener und verblödeter Zeitgenossen (ja, ein polemischer persönlicher Angriff, aber eine Publikumsbeschimpfung ist überfällig) nicht so weit folgen, daß man argumentativ schwere Fehler begeht. Die Soziologie als Wissenschaft anzugreifen ist solch ein schwerer Fehler. Ich habe großen Respekt vor Gründern wie Émile Durkheim, auf den ich mich in einem Buch übrigens berufen habe.

«daß die mit Wissenschaft nichts zu tun haben, völlig anspruchslos sind, frei erfundenem „philosophischem” Phantasiegegacker hinterherrennen und schon an grundlegender Methodik scheitern, etwa Koinzidenz, Korrelation und Kausalität nicht auseinanderhalten können, schlimmer noch, es nicht auseinanderhalten wollen.» (a.a.O. Danisch)

Die Beschreibung ist schon treffend, aber nicht für die Soziologie als solche, sondern für feministische Unwissenschaft, wie ich seriös aus grundlegenden feministischen Werken ihrer ‚Wissenschaftstheorie’ nachgewiesen habe. Doch das will keiner lesen. Fakten sind verblödeten Zeitgenossen, die feministisch von klein auf weichgespült und gehirngewaschen worden, zu langweilig und mühsam. Vom Feminismus hervorgebrachte verkorkste Generationen lesen lieber lustige Polemiken, auch wenn noch so grobe Schnitzer drin sind. Ja, dies ist eine Publikumsbeschimpfung! Nicht Danisch, der sich in seinen Analysen des feministischen Filzes als intelligenter Mann zeigt, steht hier am Pranger, sondern Leser oder Nichtleser, denen es an dem Format fehlt, das Männer einst auszeichnete.

Auch linksradikale Soziologen haben Wissenschaft zur Ideologie verdreht, so wie der Marxismus-Leninismus als ‚Studienfach’ im einstigen kommunistischen Ostblock. Es ist jedoch gefährlich daneben geholzt, dies auf ein ganzes Fachgebiet zu verallgemeinern, das einst in Zeiten Durkheims vernünftig war. Dagegen läßt sich beweisen, daß feministische Fächer tatsächlich von Grund auf auf unwissenschaftlicher Methodik gründen und daher vollständig abzulehnen sind. Was Danisch hier tut, ist daher schädlich und gefährlich: Er pauschalisiert unzulässig gegen die Soziologie als solche, was seine Argumentation unglaubwürdig macht. Von weiten Kreisen wird er deswegen schlicht nicht ernstgenommen werden können. Gleichzeitig mißbraucht er so ein an sich gutes und richtiges Argument, denn die feministischen Unwissenschaften sind tatsächlich von Grund auf Unsinn und müssen vollständig als Quatsch abgewickelt werden wie Marxismus-Leninismus oder faschistischer Antisemitismus als Lehrfach. Das wird aber nicht gelingen, wenn Leute in blindem Zorn wie Danisch zuvor die gesamte Soziologie angegriffen haben und damit ihre Argumentation unglaubwürdig machen. Solcher Übereifer gegen die falschen schadet.

«Soziologen sind politisiert, seit etwa 90 Jahren massiv marxistisch ausgerichtet, oft nur noch eine Tarnbezeichnung für Marxismus, haben nicht Wissen, sondern Gesellschaftsveränderung als Ziel, und behaupten – und viele glauben es auch – daß der Mensch ohne biologische, neuronale, hormonelle Eigenschaften auf die Welt käme, daß alles nur anerzogen, ansozialisiert und beliebig umprogrammierbar wäre. Soziologie ist in weiten Teilen nur noch die Propaganda zur Durchsetzung politischer Ziele, und wissenschaftliche Denkfehler werden nicht nur aus Unfähigkeit begangen, sondern als rhetorisches Mittel zur Täuschung eingesetzt. So entstanden die Gender Studies und sind auch immer noch Auswüchse der Soziologie.» (a.a.O. Danisch)

Als Mann, der immer wieder darüber klagt, in seiner akademischen Laufbahn als Informatiker aus zwielichtigen politischen Gründen abgesägt worden zu sein, dürfte Danisch intelligent genug für eine korrekte logische Arbeitsweise sein, wenn er sich nicht so gehen ließe, wie es Feministen aufgebracht und in der Gesellschaft verbreitet haben. Leider hat die Schädigung durch Feminismus Männer von Format aussterben lassen. In seiner Tirade ist dem Herr Danisch die Bedeutung eines wichtigen Wortes entgangen: „noch”. Es impliziert nämlich, daß Soziologie vorher etwas anderes gewesen ist. Das ist entscheidend. Damit fällt nämlich die gesamte Argumentation Danischs logisch in sich zusammen.

Offenbar ist Herr Danisch der Ansicht, Feminismus oder Gender Studien seien aus der Soziologie hervorgegangen, was grober Unsinn ist. Die Idee, Geschlechter und ihre kulturellen Aufgaben seien nur Produkt der Erziehung, des Erlernens oder der Gesellschaft, entstammt nicht der Soziologie, sondern feministischen Wellen. Meine Schriften verfolgen die Spur bis vor 1800 zurück. Offenbar kennt Herr Danisch die Schriften und Grundthesen Émile Durkheims nicht. Das braucht er auch nicht als Informatiker. Doch wenn er die Klappe aufreißt und gegen Soziologen wettert, dann sollte er das wissen und verstehen, verdammt noch mal. Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten? Wo der gewinnt, der mit den besten Kraftausdrücken um sich schmeißt? Wo eine lustige Polemik Sachverstand aus dem Feld schlägt? Gerade jemand mit der Bildung eines Informatikers sollte in der Lage sein, das besser zu machen.

Übrigens, Überraschung: Ich habe mich ausgerechnet zum Thema Geschlechterrollen auf Émile Durckheims Soziologie berufen. Er schreibt nämlich, daß diese natürlich und grundlegend sind für Gesellschaft und Arbeitsteilung überhaupt. Es ist also kompletter Unsinn, wenn ein Herr Danisch, der sich nicht ausreichend informiert hat, über die Soziologie allgemein ablästert, weil diese Geschlechter als reine soziale Erfindung abtue und Gender hervorbringe, wenn der Gründer des Fachgebietes das genaue Gegenteil vertreten hat.

Dumm ist nur, daß solche falsche und oberflächliche Polemik ankommt, viele Leser findet, allgemein beliebt ist, dagegen richtige Analysen zu kompliziert, langweilig oder dem Zeitgeist fern erscheinen und gemieden werden. Schon in meinem ersten Buch „Kultur und Geschlecht” habe ich die Bedeutung und Natürlichkeit der Geschlechter unter anderem auch mit Émile Durkheim, einem Gründer der Soziologie, belegt. Doch das interessiert keinen. Publikumsbeschimpfung nötig! Unsinn wird lieber gelesen als durchdachte Analyse.

«Ich habe in den letzten Jahren eine Reihe von Blog-Artikel darüber geschrieben, daß ich das ganz anders sehe und daß ich das auch auf eine Vielzahl von Forschungsergebnissen der Biologen, Neurologen, Endokrinologen und Evolutionspsychologen stütze, die inzwischen eine so hohe Dichte angenommen haben, daß man sagen kann und eigentlich auch sagen muß, daß die Gender Studies und weite Teile der Soziologie, und in der Weiterung sogar der Marxismus, die alle zusammen gar keine Belege haben und vorlegen können, als komplett und systematisch falsch erwiesen und widerlegt sind. Im Prinzip sind die nicht nur als „Wissenschaftler” völlig gescheitert, sie sind als Tarnfirma der Geheimdienste und Regierungen aufgeflogen.» (a.a.O. Danisch)

Ja, das meiste stimmt und unterstütze ich. Bei mir sind es sogar Jahrzehnte, in denen ich geschrieben habe, daß ‚Frauenforschung’ in allen Spielarten, einschließlich Genderstudien, Unwissenschaft und Hokuspokus und restlos abzuwickeln sind. Nur sollte man dann nicht ein ursprünglich vernünftiges Fachgebiet mit angreifen, durch Pauschalisierung seine eigene Glaubwürdigkeit beschädigen. Hier spricht Danisch von „weiten Teilen der Soziologie”. Das ist schon besser als die Soziologie insgesamt und diskutierbar. Ungeschickt bleibt es. Denn die Soziologie ist gewiß in weiten Teilen feministisch und marxistisch umgekrempelt und korrumpiert worden, doch es ist ein logischer Unterschied, ob „weite Teile der Soziologie” kritisiert werden oder vielmehr das Umkrempeln und Korrumpieren der „weiten Teile der Soziologie”. Sollte ein Informatiker nicht logisch genug denken, diesen entscheidenden Unterschied zu bemerken?

„daß ich das ganz anders sehe” – zu persönlich! Wie Herr Danisch das sieht, spielt in der Debatte keine Rolle, das ist seine Privatsache und kein Argument gegen den feministischen und marxistischen Filz, den er löblich in seinem Blog angeht. Das ist an sich ja dankenswert.

«Ich bin kein Biologe und kein Hirnforscher. Trotzdem fand ich einige der Aspekte überaus interessant und erhellend, und habe diverse Artikel über Hirnfunktionen, vor allem die Amygdala geschrieben, bei der das fortschreitende Verständnis von deren Funktionen eine völlig andere Sicht und Erklärung der Verhaltensweisen von Menschen liefert, als die Soziologen es behaupten.» (a.a.O. Danisch)

Das wäre völlig richtig, wenn ein Wort gestrichen wird: „die”. Es sind eben nicht alle Soziologen, die das behaupten, und folgt nicht aus der Soziologie. Wer so unzulässig verallgemeinert, glaubt irgendwann auch an Verschwörungstheorien.

«Kennt Ihr das Gefühl, wenn ihr an der Bar ein Glas Milch bestellt und der Barkeeper antwortet, man solle doch gleich eine ganze Kuh nehmen, sei gerade kostenlos im Angebot, und einem gleich das ganz Rindvieh rüberreicht?» (a.a.O. Danisch)

Es liegt wohl am heutigen Publikum (Beschimpfung!), daß lustige Polemik mit Gedankensprüngen mehr zieht als solide Argumentation. Dafür kann Herr Danisch nichts.

«„Schon in den vergangenen Monaten häufte sich die Kritik an Plattformen wie Facebook, Instagram und YouTube. Der ehemalige Facebook-Präsident Sean Parker sagte, das Netzwerk sei konzipiert, ‚Schwächen in der menschlichen Psyche auszunutzen’. Der frühere Facebook-Manager Chamath Palihapitiya warnte vor den ‚kurzen, dopamingetriebenen Feedbackschleifen’, die unser soziales Miteinander veränderten. Der Autor Franklin Foer schreibt in seinem aktuellen Buch von einer ‚Welt ohne Verstand’, und Tristan Harris glaubt, daß die Entwickler von vornehmlich drei Firmen – Facebook, Google und Apple – über die Aufmerksamkeit von Milliarden Menschen verfügen.

Die Suche nach den dunklen Mustern

‚Die Plattformen sprechen einen Teil des menschlichen Gehirns an, der auch Reptiliengehirn genannt wird und für Emotionen, Suchtverhalten und Triebe verantwortlich ist’, sagte die Interface-Designerin Elayne Safir in einem Panel auf dem SXSW. Sie ist Teil einer Gruppe von Designern und Entwicklerinnen, die sich Choice Architects nennt und die Probleme von sozialen Netzwerken, aber auch von Apps und Websites untersucht.

Eines dieser Probleme sind laut Safir sogenannte dark patterns, also dunkle Muster. Dabei handelt es sich um Designentscheidungen, die einzig dazu dienen, die Nutzer unbewußt zu einer Aktion zu bewegen (und damit letztlich Umsatz zu machen). Das bekannteste Beispiel sind etwa Likes, die es in praktisch jedem sozialen Netzwerk gibt.”» (a.a.O. zitiert von Danisch)

Das ist interessant. Jedoch ist es nichts neues. Psychologische Beeinflussung ist seit jeher Ziel moderner Werbung, die bereits in den 1920er Jahren Blüten trieb. Richtig ist auch, daß solche Mittel von Diktaturen jeglicher Richtung systematisch mißbraucht werden.

«Grundsätzlich ist das nicht neu, man kennt es auch als „Nudging”, und Angela Merkel sieht das als Regierungsform an. Orwell läßt schön grüßen.

Das paßt ziemlich gut zu meinen bisherigen Beobachtungen und Schlußfolgerungen.

Und es heißt, daß die einzig befähigten Soziologen eben die Biologen, die Neurologen, die Evolutionspsychologen und die Endokrinologen sind, aber nicht die „Soziologen” und schon gar nicht die Gender-Spinner. Entgegen geisteswissenschaftlicher Auffassung werden wir nicht nur mit einem Körper geboren, sondern auch mit einem Gehirn. Wir sind keine Gespenster, die nur sozialprogrammiert werden.» (a.a.O. Danisch)

Den ersten Sätzen stimme ich zu. Doch dann folgt wieder die unzulässige Verallgemeinerung „die einzig befähigten Soziologen”. Gewiß läßt sich argumentieren, daß exakte Wissenschaften eine Beweisbarkeit haben, die Geisteswissenschaften abgeht. Daher sind nachprüfbare Ergebnisse exakter Wissenschaften aussagekräftiger als Behauptungen, die aus geisteswissenschaftlichen Theorien folgen. Doch hier liegt wieder die in Danischs Artikel übliche Verengung auf ‚Soziologie’ vor: tatsächlich gilt das für alle Geisteswissenschaften. Daraus folgt aber keineswegs, wie Danisch unterstellt, Geisteswissenschaftler seien per se nicht befähigt, wenn sie keine Methodik exakter Wissenschaften benutzen. Das ist eine unsinnige Unterstellung, die Danischs Denken leider zu prägen scheint. Tatsächlich bringen Künstler und Geisteswissenschaftler wertvolle kulturelle Leistungen hervor. Im zweiten Weltkrieg wurde Churchill gefragt, ob sich das ums Überleben kämpfende britische Empire die Ausgaben für Künstler leisten könne. Er soll sinngemäß geantwortet haben: „Wenn wir die Künste aufgeben, wofür kämpfen wir dann?” Das Problem liegt in der feministischen, marxistischen und ideologischen Unterwanderung aller Geisteswissenschaften, und keineswegs nur der Soziologie. Mal pauschalisiert wer, wo es unzulässig ist, mal wird falsch auf die Soziologie eingeengt. Er scheint sich emotional in die Soziologie verbissen zu haben – auch das ist Methodik, wie sie von Feministen aufgebraucht und dann in der Gesellschaft verbreitet wurde.

Völlig richtig ist wieder, daß wir nicht nur sozialprogrammiert werden. Darin stimmen wir völlig überein. Allerdings versuchen machthabende Ideologen das Gehirn, mit dem wir geboren werden, massiv und naturwidrig umzuprogrammieren, worin sie leider aufgrund undemokratischen Machtmißbrauchs ziemlich erfolgreich sind.

«Wissenschaftlichkeit ist im Prinzip das Kennen, Erkennen und Beherrschen solcher Denkfehler.» (a.a.O. Danisch)

Der Satz ist nicht falsch, aber auch nicht richtig. Wissenschaftlichkeit beruht auf den grundlegenden Prinzipien, die Feminismus als ‚patriarchalisch’ zerstört hat: Objektivität, Sachlichkeit, Überprüfung von Annahmen und Ergebnissen durch Experimente u.s.w. Wissenschaft ist eine kritische Methode. Wissenschaftliche Methodik führt zu einer wissenschaftlichen Debatte, aus der heraus Denkfehler und falsche Annahmen erkannt und behoben werden. Ideologie‚wissenschaft’ betreibt das genaue Gegenteil, geht von falschen Annahmen aus, die wie ein Dogma das ganze Gebäude begründen und niemals in Frage gestellt oder überprüft werden.

«Was ich in den letzten 6 Jahren in Geisteswissenschaften und vor allem der Genderei gesehen habe, ist genau das Gegenteil: Die Aufgabe jeder Rationalität und das korrupte Hineinsteigern in diese Denkfehler.» (a.a.O. Danisch)

Völlig richtig. Nur ist mir das zu subjektiv. Ich arbeite seit Jahrzehnten daran und weise nach. Es ist etwas anderes, ob irgendwer etwas sieht: „Was ich … gesehen habe”, oder ob jemand akribisch aus den Quellen nachweist, wie ich das bereits in den 1990er Jahren getan habe. Wichtig ist auch, die Ursache klar zu benennen: Weder Soziologie noch Geisteswissenschaften im allgemeinen, sondern feministische Wellen haben diese Unsachlichkeit, falsche Annahmen und unwissenschaftliche Methodik absichtlich verbreitet. Unabhängig von ihnen haben Marxisten ähnliches getan, aber bei weitem nicht so erfolgreich.

Übrigens habe ich während meines Studiums der Mathematik im Mathematischen Institut, das in den 1930er Jahren erbaut worden war, ein Buch aus der faschistischen Zeit gefunden, in dem ein offenbar glühender Nationalsozialist wütend gegen die Wissenschaft polemisiert hat. Er behauptete, der Gebrauch bestimmter Zahlensysteme habe etwas mit Rassen zu tun, wobei das ‚gute’ Zehnersystem der eigene ‚Rasse’ zugeschrieben wurde, ein anderes, ‚schlechteres’ den ‚Semiten’. Das war völliger Humbug, rassistischer Quatsch, begründet vor allem mit polemischen Ausfällen. Ich finde es gar nicht gut, daß in der heutigen Zeit Polemik wieder dabei ist, Sachlichkeit zu verdrängen. Allerdings besteht ein großer Druck, weil das Publikum sachliches mit Verachtung straft, Polemik dagegen witzig, unterhaltsam und ‚menschlicher’ findet, was eigentlich unsinnig ist. Wichtig ist ein logisch korrektes Argument. Präzise Argumentation ist entscheidend. Polemik darf höchstens eine Ausschmückung sein, ein bedauerlicherweise nötiges Zugeständnis an den Zeitgeist. Sonst entstehen nämlich Denkfehler, und es wäre lächerlich, Denkfehler zu kritisieren, dabei aber selbst welche zu begehen.

«So wie der Wert der Presse unter Null ist, ist die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaften unter Null. Kennt Ihr den Witz vom Fahrstuhl, in den drei einsteigen und auf deren anderen Etage fünf rauskommen? Sagt der Mathematiker: Wenn jetzt wieder zwei einsteigen, ist der leer. Würde man Soziologen fünf Jahre ausbilden, kämen sie vielleicht an den Punkt, von Wissenschaft gar keine Ahnung zu haben, weil dann erst mal die gröbsten Denkfehler weg wären. Habe ich schon erwähnt, daß Soziologen und Journalisten eng verwandt sind?» (a.a.O. Danisch)

Erst greift Danisch die gesamten Geisteswissenschaften an, womit er sich heillos übernimmt. Es ist schädlich, einen mehrere Jahrtausende alten Zweig menschlicher Wissenschaft anzugreifen. Historiker gab es bereits in der Antike, bei den Hellenen, und gehören gewiß zu den Geisteswissenschaftlern. Diesen Fehlgriff erweitert er, indem noch Journalisten einbezogen werden. Bei solcher gedanklicher Unschärfe kommen wir nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, wieso denn Journalisten vielfach so tendenziös geworden sind. Solche Unschärfe verdunkelt eigentlich richtige Aussagen.

Nach diesem Patzer macht Danisch einen weiteren Schnitzer, der mir vertraut ist, weil mir schon ein sogenannter ‚Männerrechtler’ damit gekommen ist. Ich will keinen Namen nennen, aber es ist ein Buchautor, der sich unsolidarisch weigerte, mir bei der Verlagssuche zu helfen, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen. Der hatte in einer internen Debatte ebenfalls logische Denkfehler produziert, aber nicht eingestehen wollen und Kritik an seinen Trugschlüssen abgewiesen, was letztlich mit meinem Rauswurf aus der Gruppe endete – obwohl es noch mehr Gründe gegeben haben könnte; ich stand wohl einigen im Wege.

Dieser hatte irgendwann einen englischen Artikel gelesen, in dem jemand Hypergamie erklärte. Danach meinte er, die ganze Welt verstanden zu haben, und argumentierte pauschalisierend wie folgt: Feminismus sei falsch, weil Hypergamie angeboren sei. Sofort erhob ich Einspruch, weil das wissenschaftlicher Humbug ist und gleich in mehrfacher Hinsicht schädlich.

1. Die Behauptung, Menschen seien allgemein von Natur aus hypergam, ist falsch. Gewiß dominiert eine weibliche Veranlagung zu Hypergamie, weil das Frauen erhebliche Vorteile einbringt, doch gibt es in der Ethnologie drei logische Modelle:

(i) Hypergamie: Die Frau heiratet hinauf
(ii) Homogamie: Die Frau heiratet ebenbürtige
(iii) Hypogamie: Die Frau heiratet hinab

Letzteres ist selten, aber nicht unmöglich. Nun sind Feminismuskritiker seit vielen Jahrhunderten immer wieder genau deshalb gescheitert, weil sie wie dieser Dampfplauderer, der sich mit seinem Charisma und öffentlichen Debatten brüstet, falsch argumentiert haben. Feministinnen brauchten nämlich nur vorzuführen, daß es anders geht, und schon brach die dumme Argumentation „Das geht nicht” in sich zusammen. Daher ist die Behauptung, Feminismus sei im Irrtum, weil Menschen hypergam seien, ein zum Scheitern verurteiltes Argument, das nur in einem riesigen Desaster, nämlich einer Niederlage enden kann. In meinen Schriften geht es seit jeher darum, wirklich universelle Argumente herauszuarbeiten, die sich nicht aufs Kreuz legen lassen.

Doch der Bursche wollte nichts davon wissen und sich nicht unterbrechen lassen. Selbst hielt er sich nämlich für den großen Platzhirsch, weil er ein bekannter Buchautor in Publikumsverlagen war, mithin von gewissem Einfluß in seiner Szene. Ich dagegen war so gut wie völlig unbekannt, also vom ‚Rang’ her ein Nichts. Darauf kam es an: sich durchzusetzen; das war ein Machtkampf. Argumente spielten keine Rolle. Er hat mich veralbert, angefangen Witze zu erzählen, um das Publikum zu beeindrucken. ‚Seht her, ich habe Charisma’ war seine Botschaft, ‚Ich kann Witze erzählen und Leute hinreißen mit meinen Plauderkünsten’. Das hat bedauerlicherweise funktioniert. Sein schwerwiegender Denkfehler wurde überdeckt von seiner Bekanntheit und seinem Charisma. Es setzte sich nicht das bessere Argument durch, sondern der beliebte Platzhirsch. Kein Wunder, wenn solch eine Szene von ‚Männerrechtlern’ gegen Feministen immer wieder verliert und sich blutige Nasen holt.

2. Bei dem Treffen hatte ich noch mehr gesagt, nämlich: Es ist noch aus einem zweiten Grunde widersinnig, gegen Feminismus zu argumentieren, der Mensch sei hypergam. Es ist nämlich nachweisbar, daß Feminismus den Grad der Hypergamie in westlichen Ländern seit den 1960er Jahren verringert hat! Soziologen (kleiner Zwinker an Herrn Danisch) haben berechnet, daß die stark gestiegenen sozialen Gegensätze damit zusammenhängen. Heute stehen sich nämlich wenige Superreiche vielen Armen gegenüber, wogegen der Mittelstand stark geschrumpft ist.

Begründung der heute geringeren Hypergamie:

(I) Feminismus hat die Geschlechter angeglichen. (Sogar mit massiven staatlichen Zwängen und Umerziehung. Nachweisbar.)

(I.b) Eine auch in Studien erwähnte Tatsache ist, daß für Frauen nach beruflicher Karriere in höhere Posten oft zu wenig unverpaarte Männer über ihnen sind, um einen zum hochheiraten zu finden.

(II) Unabhängig davon hat Feminismus gewaltige Abzockmöglichkeiten geschaffen. Ein reicher Mann, der eine arme Frau heiratet, kann von ihr jederzeit gnadenlos ausgeplündert und in seiner Existenz zerbrochen werden. Daher besteht großer ökonomischer Druck, eine Frau gleichen Vermögens zu ehelichen, um nicht bei einer Scheidung abgezockt zu werden.

(III) Heute heiraten Männer und Frauen am liebsten auf gleichem Niveau und aus ähnlichen Kreisen oder Interessensgebieten. Das ist nicht verwunderlich. Die sozialen Bezüge der Geschlechter sind zerbrochen. Als Ersatz suchen wir Menschen mit ähnlichen Interessen, Hobbies, Ausbildung. Solche Umorientierung von „Gegensätzen, die sich anziehen”, wie ein Sprichwort lautet, hin zur Suche nach „Gemeinsamkeiten, die uns verbinden” ist ebenfalls durch Studien belegt.

In den 1960er Jahren konnte der reiche Unternehmer bedenkenlos seine nette Friseuse oder Sekretärin heiraten. Auf diese Weise glichen sich soziale Gegensätze aus. Die Soziologen berechneten nun, wenn heute wieder so viele Ehen von Reichen und Armen geschlossen würden wie noch in den 1960ern, würden die sozialen Gegensätze auf einen Schlag stark verringert und wieder auf den Stand von 1960 zurückfallen.

Somit hat Feminismus nicht nur die Hypergamie verringert, auf die jener überhebliche, aber zu logisch korrektem Denken unfähige arrivierte Schriftsteller sich berief, sondern damit auch die heute krassen sozialen Gegensätze ermöglicht. Das ist nun wirklich ein gutes Argument gegen Feminismus, und so stand es auch in meinem damals schon veröffentlichten Buch.

Der Platzhirsch begann dann, mich zu beleidigen, indem er mich als völlig grundlos als „Anne Wizorek” bezeichnete. Er verbot mir, ihn zu unterbrechen, plauderte die ganze Zeit auf der Basis seines Denkfehlers weiter, den er wohl bis heute aufrecht erhalten hat. Offenbar ist er lernresistent, nicht willens, zu erkennen, wenn er beim Denken Fehler macht. Sowas geht gar nicht. Das ist peinlich. Damit blamieren wir uns und verlieren gegen den Feminismus, der zwar eine wirre Sammlung falscher Annahmen, unwissenschaftlicher Methodik und Denkfehler ist, aber nicht mit Denkfehlern bekämpft werden kann.

Kurz nach diesem Treffen wurde ich von der Gruppe still heimlich rausgeworfen, erhielt keine Email mehr und keine Artikel wurden mehr von mir veröffentlicht, schließlich mein englischer Blog gelöscht. So geht es nicht. Wenn sich Einfluß haben gegen logisch korrektes Denken durchsetzt, sitzen wir voll in der Schei*e.

«Wir reden gerne von „Datenschutz”, von „Informationeller Selbstbestimmung”, von „frei gewählter Sexualität”. Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit.

Warum haben wir eigentlich noch kein Grundrecht darauf, daß strukturell-evolutionäre Schwächen des Gehirns nicht ausgenutzt werden?

Gender, Facebook und die Tagesschau wären dann erst mal weg vom Fenster.

Insofern müßte man den Aufgabenkreis der Datenschützer weit verschieben und erweitert, quasi eine Art „Digitalpsychologen” einsetzen, den „Propagandawissenschaftler” schaffen.» (a.a.O. Danisch)

Am Grundgedanken ist etwas dran. Allerdings hätte das ungeahnte Weiterungen. Psychologische Kniffe wendet Werbung seit den 1920er Jahren an. Würde das wirklich verboten oder geächtet, wäre das eine gewaltige Revolution unserer Gesellschaft. Ob das überhaupt möglich ist, wäre die nächste Frage. Techniken, die einmal entstanden sind, wird man durch ein Verbot nicht so leicht wieder los. Sinnvoller scheint mir, mit psychologischen Kniffen betriebene Werbung und Propaganda zu ächten, aufzuklären, indem ein Vorbild objektiver und fairer Berichterstattung gegeben wird.

„Gender, Facebook und die Tagesschau” verrührt die verschiedenartigsten Dinge. „Gender” ist ein Teilbereich feministischer Ideologie, Facebook ein Internetmedium unter vielen, das leider nicht mit wertneutraler Einstellung, sondern gewissen Tendenzen benutzt wird, die Tagesschau eine Nachrichtensendung, in der zunehmend mehr Gesinnung und Propaganda verbreitet wird, statt neutral zu informieren. Ideologische Befangenheit von Journalisten läßt sich nicht damit bekämpfen, ihnen bestimmte psychologischen Kniffe zu verbieten, die evolutionäre Schwächen des Gehirns ausnützen. Meine Methode ist, solche evolutionäre Schwächen bewußt zu machen, indem ich sie den Menschen in meinen Büchern und Artikeln zu erklären versuche. Wenn wir unsere Schwächen kennen, sind wir nicht so leicht angreifbar oder können sie vielleicht sogar überwinden.

«Hört sich geisteswissenschaftlich an, dafür sind die aber zu doof.» (a.a.O. Danisch)

Unsachlich. Schädlicher Rundumschlag, der einen erheblichen Teil der Bevölkerung, die geisteswissenschaftlich ausgebildet sind, unnötig vor den Kopf stößt.

«Müßte zwischen Informatik und Psychologie angesiedelt werden und dann irgendwie den Juristen erklärt werden.» (a.a.O. Danisch)

Willkürlich ein paar Fächer genannt, aber kein sinnvoller Plan erkennbar.

«Man müßte beispielsweise ins BGB aufnehmen, daß Verträge, die mit solchen Methoden angebahnt wurden, unwirksam sind (ähnlich sittenwidrig). Und daß solche Methoden von Aufsichtsbehörden im Stil eines Datenschutzbeauftragten abgemahnt werden.» (a.a.O. Danisch)

Solche Kniffe verwendet jede Produktwerbung. Sollen alle Käufe der letzten 100 Jahre ungültig werden? Soll ein übermächtig gewordener Staat auch noch Zulässigkeit psychologischer Kniffe überwachen, obwohl dieser Staat bereits seine jetzigen Rechte gegen die Bürger mißbraucht?

Ziemlich daneben trifft Danischs Kritik an Dorothee Bär, die genug Klopfer gebracht hat, um sie besser treffen zu können.

«Eine Echtzeitleiste. Teenager als Berater. Hört sich an, als würde man Kälber nach ihren Schlachtungswünschen befragen. Und als würde eine „unter 40jährige” finden, daß alle oberhalb des Teenageralters sowieso nicht mehr mit Internet umgehen können (ratet mal, wer’s erfunden und aufgebaut hat…). So rein auf Gefühlsebene.» (a.a.O. Danisch)

Feministinnen gehen ähnlich vor, indem sie gerne ein Strohmannargument benutzen, auf englisch „straw man fallacy”, ein klassischer Logikfehler, den auch Hadmut hier verwendet. Er beruht darauf, etwas zu unterstellen, was gar nicht gesagt wurde, um es dann anzugreifen und so zu tun, als sei die Gegenseite damit erledigt. Auch die Gefühlsebene wurde von Feministinnen aufgebracht und ist hier fehl am Platz.

«„Außerdem wollen die Jüngeren nicht mehr auf einem Forum unterwegs sein, das ihre Eltern und Großeltern cool finden. Facebook wird zu einem Seniorennetzwerk.”» (Dorothee Bär, zitiert von Hadmut Danisch)

Sie sagte im zitierten Text nicht – sollte es anderswo geäußert worden sein, wäre das zu zitieren –, Jugendliche könnten nicht mehr mit dem Internet umgehen, sondern bestimmte Foren seien unmodern geworden, was ich übrigens bestätigen kann. Vor fünf bis zehn Jahren war Facebook große Mode, hatte Bedeutung für das soziale Leben. Heute hat das Smartphone die Rolle eingenommen, die einst Myspace, später Facebook zukam. Dabei hat Dorothee Bär sich einen krassen und verräterischen Spruch geleistet, den Danisch zwar zitierte, aber ignorierte:

«„Auf Twitter sind ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs. Eigentlich müßte ich jetzt meinen Twitter-Account löschen. Das würde mein Leben leichter machen. (lacht)”» (Dorothee Bär, zitiert von Hadmut Danisch)

Das reicht eigentlich, um Dorothee Bär zu entlarven.

«Also auf mich wirkt Bär in ihrer primitiven Sichtweise nicht wie „knapp unter 40”, sondern wie eine Chimäre aus kleinem Mädchen und Vorkriegsurgroßmutter.» (a.a.O. Danisch)

Gleicher Fehler wie bei Feministinnen: ein subjektiver Eindruck „auf mich wirkt Bär” ist kein Argument.

«Ich glaube, die Informatik und Computertechnik wird erst mal keine großartigen neuen Erkenntnisse mehr bringen, weil sich da Evolution und Revolution abwechseln und wir gerade so in einem Evolutionstal sind, Verbesserungen und Weiterentwicklungen ohne große Neuigkeiten – mit Ausnahme der KI. Das dürfte jetzt der Brüller werden.» (a.a.O. Danisch)

Das klingt vernünftig. Alle Technologien sind erst neu und bahnbrechend, durchlaufen dann eine anfangs stürmische Entwicklung, bis sie zu einer klassischen Disziplin werden mit ausgereiftem, sich nur noch langsam veränderndem Bauwerk. Daher ist es tatsächlich gestrig, jetzt von „Digitalisierung” zu sprechen, die ihre große Zeit hinter sich hat.

«Was übrigens wieder mal die Soziologen und Genderasten wiederlegt. Die wettern ja immer so gerne gegen Klischees, Schubladen, Stereotypen. Kapieren aber nicht, daß unsere evolutionär erworbenen Verhaltensweisen stark und zwangsläufig auf einer Kategorisierung beruhen, weil man für intelligentes Verhalten auch Prognosen stellen können muß (man muß halt rennen, bevor einen der Säbelzahntiger frisst, nicht erst hinterher). Auch künstliche Intelligenz beruht heute darauf, daß neuronale Netze auf Muster trainiert werden. Man kann generell sagen, daß Soziologen die Sorte „Wissenschaftler” ist, die ihr Kerngebiet, das menschliche Verhalten, nicht nur so gar nicht, sondern von allen am wenigsten verstanden haben. Soziologie ist die Kunst, aus Inkompetenz ein wenig Geld zu machen und die Inkompetenz an andere weiterzugeben.» (a.a.O. Danisch)

Der Kern ist ein gutes Argument; ich argumentiere seit Jahrzehnten ähnlich. Falsch und schädlich ist jedoch die Pauschalisierung „die Soziologen” und „Soziologie ist die Kunst”. Nein, das wäre nur dann richtig, wenn stattdessen „feministisch oder marxistisch geprägte Fächer” geschrieben wird.

«Deshalb ist es vielen Leuten auch so wichtig, Äußerlichkeiten herauszustellen, ob nun auf seriös, Macker, Weibchen oder was auch immer zu machen. Es ist das Bedienen der Mustererkennung.» (a.a.O. Danisch)

Guter Gedanke. Es geht aber noch tiefer als das. Wie in meinen Bücher dargelegt, hat es etwas mit Sprache zu tun, mit Zeichenbildung. Ein fluides Spektrum beliebiger Laute kann keinen Sinnträger bilden. Erst ‚binäre’ Unterschiede (Vokal-Konsonant, stimmhaft, nicht stimmhaft u.s.w.) ermöglichen, sprachliche Laute zu unterscheiden und daraus eine Sprache zu formen, mit der man sich verständigen kann. Ähnlich verhält es sich mit den Geschlechtern. Beide Geschlechter lernen bereits im frühen Säuglingsalter sprachliche Laute und die Geschlechter zu unterscheiden. Beides geht ähnlich tief und ist von gleich wichtiger Bedeutung. So habe ich es in Büchern detailliert begründet. „Mustererkennung” ist zwar richtig, aber nur ein Nebenaspekt, denn wesentlich ist die Sprache, die aus den erkannten Mustern von Phonemen, Buchstaben oder geschlechtlichen Identitäten entsteht.

«Wer will, daß der andere ihn als etwas Bestimmtes erkennt, der muß dessen schnellem Mustererkenner auch eindeutige Merkmale liefern, damit der nach ein paar Millisekunden zum richtigen Ergebnis kommt. Deshalb irritiert es uns, wenn wir an einer Person das Geschlecht nicht erkennen oder einen Mann in Frauenkleidern sehen. Wir werden auch seekrank, wenn Auge und Gleichgewichtssinn unterschiedliche Wertungen abliefern.

Ich glaube, daß uns dieser ganze Sozio- und Gendermist wissenschaftlich und im Selbstschutz um Jahrzehnte zurückgeworfen hat (negativer Wert), und daß wir mit solchen Prinzessinnen wie Dorothee Bär kaum eine Chance haben, da noch irgendwas aufzuholen. Vor allem ist es ein Fehler, Social Media mit dem Internet gleichzusetzen. Vor 10 Jahren haben wir noch über Knallchargen wie Ursula von der Leyen gelacht, die Internet und Webseiten für das gleiche hielten. Heute haben wir welche, die Internet und Social Media für das gleiche halten. Nicht besser, nur jetzt „unter 40”.» (a.a.O. Danisch)

Da ist etwas dran, bis auf Verallgemeinerungen (Sozio-mist) und Unschärfen, die aus der Subjektivität folgen.

«Wir brauchen da zwei getrennte Disziplinen. Die einen, die sich um technische Infrastruktur, Verfügbarkeit, Sicherheit usw. kümmern. Informatiker.

Und die anderen, die sich um diese Propagandamethodik und – wie bei Drogen und Spielsucht – deren Auswirkung auf das Gehirn, namentlich Dinge wie Amygdala, Reptiliengehirn usw., kümmern und Schutzanforderungen formulieren. Das wäre Aufgabe eines Staates.» (a.a.O. Danisch)

Ein Staat, der seine Mittel masssiv zur Propaganda mißbraucht, wird nicht ernstlich genau jene Propagandamethodik sachlich erforschen und (sich selbst) überwachen. Nicht der Staat, sondern Aufklärung kann helfen, den Menschen bewußt zu machen, wie sie manipuliert werden. Genau dazu dienen meine Bücher auf den Gebieten Feminismus und Massenmigration.

Fußnote

1 http://www.danisch.de/blog/2018/03/11/emotionen-suchtverhalten-und-triebe/

Unterschiede zwischen politischer Zensur und politischer Korrektheit

Unterschiede zwischen politischer Zensur und politischer Korrektheit

Politische Zensur ist der Versuch von Machthabern, die Machtergreifung anderer zu verhindern. Ihre Frühformen sind religiös. Das Christentum übernahm in der Antike das Römische Reich, das bis dahin eine Religionspolitik betrieben hatte, die an unsere heutige bunte ‚Toleranzpolitik’ erinnert. Es gab nicht nur die römischen Gottheiten, sondern ebenso waren die griechischen Götter bekannt und wurden verehrt, außerdem ägyptische u.v.a. Nicht nur Menschen, sondern Kulte aus dem ganzen Römischen Imperium drangen nach Italien. Von dem einst als rothaarig beschriebenen Menschenschlag der Etrusker und Latiner blieb auch vom äußerlichen her nichts übrig; heute sind Italiener von mediterranem Typ. Nicht nur Massen von Menschen strömten herein, manche davon als Sklaven, sondern auch deren Kulte, Kulturen und Schriften. Die alten Kulte begannen ebenso wie die alte Kultur rasch zu verblassen, an Bindekraft zu verlieren, woran das Römische Reich letztlich untergegangen ist. Vor diesem Untergang wurde es jedoch für einige Jahrhunderte noch einmal durch einen neuen Kult stabilisiert, der zur neuen Religion wurde: dem Christentum.

Das antike Rom hatte eine Toleranzpolitik betrieben, die alle Kulte akzeptierte. Man baute den verschiedensten Göttern aus fernen Ländern des Imperiums Tempel. Es wird berichtet einer Stadt, der nachgerühmt wurde, Hundert oder Tausend (das habe ich vergessen) Tempel für ebenso viele Götter zu haben. Man fürchtete sich davor, einen Gott vergessen zu haben, der sich ob seiner Schmach an ihnen rächen könnte. Daher hatte man in der Stadt einen zusätzlichen Tempel für „den unbekannten Gott” gebaut, von dem sie nichts wußten, damit auch ein vergessener Gott sich nicht über sie erzürne.

Nun zerfiel allerdings die Gesellschaft von innen. Der Zusammenhang beider Geschlechter bröckelte ebenso wie die Sitten, weshalb die Bibel das alte Rom als Sündenpfuhl beschreibt. Die Gesellschaft des alten Roms war kaputt und hatte fertig. Das Entgleiten der Frauen im heutigen Feminismus spiegelt sich ebenso im Sittenverfall Roms wieder wie der Untergang der Kultur und Zivilisation an der Masseneinwanderung inkompatibler Menschen. Mit dem Staatsvolk erlosch auch das Römische Reich.

Bevor es jedoch soweit war, kam aus den Grenzgebieten zur Wüste ähnlich wie heute der Islam eine neue Religion, die übrigens anfangs als radikal angesehen wurde: die Urchristen, die sich weigerten, die tragenden ‚heidnischen’ Rituale und Bräuche mitzutragen, auf denen die antike Welt beruhte. Dieser Umstand war übrigens der Grund dafür, weshalb es zeitweise zu Christenverfolgungen kam, obwohl die Religionspolitik Roms sonst eher an heutige Toleranzbesoffenheit erinnert.

Christliche Prediger gingen nun in den Tempel „für den unbekannten Gott”, predigten dort und beanspruchten, gerade jenen vergessenen Gott zu verehren. Man ließ sie gewähren. Zu diesem Zweck war jener Tempel ja gebaut worden. Dann jedoch, einmal etabliert, begannen die Urchristen sich keineswegs tolerant gegenüber Nichtchristen zu benehmen, die sie ‚Heiden’ nannten. Auch das trug, mit dem Verweigern antiker Riten und Sitten, zu einer Abwehrreaktion bei, den blutigen Christenverfolgungen. Man kann diese Zeit kontrovers beschreiben; es gibt die christliche Sicht von Märtyrern ihres Glaubens, und die heidnische Sicht. Die heidnische Sicht überlebte jedoch nicht. Ein Herr Celsus hatte, als einer der letzten gebildeten einflußreichen Heiden, ein Buch „Wider die Christen” geschrieben, ein Kassenknüller oder Erfolgsbuch der Antike, das jedoch in keinem einzigen Exemplar erhalten ist. Wieso nicht? Weil die Christen inzwischen an die Macht gekommen waren. Was sich erhalten hat, ist lediglich eine zeitgenössische ‚Widerlegung’ seines Buches aus der Hand eines Christen, der die Argumente des Celsus zu entkräften versuchte. Vor ein bis zwei Jahrhunderten hat sich dann ein Anhänger antiken Denkens den Spaß gemacht, die Zitate aus der Gegenschrift zu kopieren, und zu versuchen, einen Zusammenhang zu rekonstruieren, um einen Eindruck von dem zu geben, was Celsus einst geschrieben hatte.

Ähnlich erging es den Manichäern, die einst eine zahlenstarke und einflußreiche Neureligion Roms waren und eine starke Konkurrenz für die Urchristen. Auch von ihnen blieb keine ihrer Schriften erhalten. Mit religiösem Eifer waren diese im anbrechenden Mittelalter ausgelöscht worden. Allerdings scheint man in den letzten Dekaden einen antiken Pergamentknäuel gefunden zu haben, in dem Wissenschaftler als Zufallsfund einige Fragmente des heiligen Buches der Manichäer fanden. Ansonsten ist von ihnen nur der Begriff Manichäismus geblieben.

In einem alten Buch las ich, daß Karl der Große den Auftrag gab, Sagen, Mythen und religiöse Bräuche der Germanen zu sammeln und in ein Buch zu schreiben. Ein Mönch tat widerwillig, wie ihm geheißen, doch nach dem Tode Karls verschwand das Buch auf Nimmerwiedersehen.

Im Unterschied zum heutigen Islam wandelte sich das frühe Christentum nach dem Mittelalter in Richtung der heutigen freiheitlichen Gesellschaft; der Islam blieb unverändert die Eroberungsreligion seiner Anfangszeit. Europa blühte wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell und technisch auf seit der Renaissance, die das Mittelalter überwand. Gleichzeitig fiel der Islam in den einstigen wissenschaftlichen und technischen Blütezentren der Antike, in Ostrom oder Byzanz, stetig aus einstigem (erobertem) Vorsprung in geistige und wissenschaftliche Bedeutungslosigkeit ab.

Die ältesten Spuren von Zensur scheinen somit spätantiker und frühmittelalterlicher Bekehrungswut zu entstammen. Zwar sind aus der Antike ein paar Fälschungen bekannt – so ließ ein späterer Pharao seinen Namen in eine ältere Triumphbotschaft einmeißeln, um eine Tat seines Vorgängers als eigene Leistung auszugeben – doch größere Probleme tauchten offenbar erst mit Monotheismen auf. Es gibt dazu auch Funde aus Persien: Ein im Geiste der alten Religion mit vielen Göttern aufgewachsener König will Juden Geld gegeben haben, damit sie ihren zerstörten Tempel wieder aufbauen konnten, und ebenso anderen Religionen, um sich mit allen Glaubensrichtungen und Göttern gutzustellen. Ein Zoroaster dagegen brüstete sich in einer Inschrift, Brahmanen, Nazarener (Christen) und Juden getötet oder verjagt und deren Tempel zerstört zu haben. Ironischerweise haben muslimische Eroberer – die sich anschicken, heute in Europa die Rolle des Christentums in Rom zu übernehmen, allerdings wesentlich gewaltsamer als die friedlich missionierenden Christen – später die meisten Zoroaster verjagt, so daß diese in Indien Schutz suchten, bei den Hindus, die sie nach ihrer Herkunft ‚Perser’ oder ‚Parsen’ nannten. Bei den einst von ihnen verfolgten Brahmanen, die der geistliche Stand des Hinduismus waren, überlebte die Religion der Parsen bis heute.

Es ist also falsch, wenn Danisch in seinem Blog zu belegen versucht, Zensur und politische Korrektheit entstamme dem Kommunismus, oder einem Kampf zwischen Aristokratie mit dem Volk. Der Kampf um Glauben und Denken ist wesentlich älter als Kommunismus oder unsere Aristokratie. Die heutige Irrationalität, daß einige Gruppen der Gesellschaft anderen vorschreiben wollen, wie sie denken, wahrnehmen und handeln dürfen, entstammt anderen Quellen.

Seit der Französischen Revolution kennen wir politischen Terror, der damals mit der Guillotine verübt wurde. Von solchen akuten Konflikten abgesehen, wo es um religiöse Macht der eigenen Religion oder die politische Macht eines Regenten oder einer revolutionären Clique ging, gab es in der Gesellschaft eine erstaunliche Toleranz.

Wenn jemand abweichende Ideen hatte, mochten sie absonderlich, im Widerspruch mit Erfahrung oder menschlicher Natur wirken, so wurden diese deswegen nicht unterdrückt, sondern ganz normal veröffentlicht und bis heute bewahrt. Das gilt besonders für männliche Regenten und Kreise gegenüber Frauen. Von einer Unterdrückung unbequemer Sichten gab es keine Spur. Im Gegenteil. Diese finden sich schon in früher Zeit, wurden verbreitet und gelesen. Obwohl eine breite Mehrheit ihre Ansichten nicht teilte, wird von freundschaftlichen Beziehungen berichtet:

«Ein frühes Beispiel einer von einer Frau entwickelten utopi­schen Vision macht Liebertz-Grün in der Minnekultur des zwölften Jahrhunderts aus: die Autorin, Marie de France …

„Hier belehrt das Exempel viele Menschen, diejenigen, welche schlechte Herren über sich haben, sie sollen sie nicht unter­stützen, sie sollen ihnen weder durch ihren Geist noch durch ihr Gut Bei­hilfe leisten, auf daß sie nicht noch stärker wer­den, vielmehr sol­len sie sie nach Kräften schwächen.”»1 (Marie de France, Äsop, zitiert nach Liebertz-Grün 1989, 4. Geschichte feministischer Utopien)

«Marie de France, Äsop
Christine de Pizan, Stadt der Frauen, 1405 …» (Liste weiblicher oder als frühfeministisch gedeuteter Utopien)

«Schon im Jahre 1540 machte sie ernst mit ihrer Idee, den Frauen durch Korporation in einer Frauenbewegung ein, weiblichen Bedürfnissen angemessenes, religiöses Eigenleben in der Kirche zu verschaffen. In ihrem Brief an Marguerite d’Angoulême trägt sie der Königin von Navarra die Führungsrolle in ihrer religiösen Frauenbewegung an: … In herzlicher Freundschaft stand Vittoria Colonna Gasparo Contarini, dem venezianischen Kirchenfürsten, nahe.» (Maria Dr. Musiol, Shakespeares verschollene Schwester, Vittoria Colonna 1492-1547)

Offenbar hatte sie gute Beziehungen und Freundschaften in erzkonservativen Kreisen von Männern. Gestört hat sich offensichtlich niemand an Autorinnen und ihren Schriften, die noch heute von Feministinnen als Vorläufer beansprucht werden, also für ihre Zeit ähnlich provokativ gemeint waren wie heute feministische Literatur.

Dem können wir zweierlei entnehmen: Erstens waren die Verhältnisse nicht die ‚Machtverhältnisse’, die Feministen hineindeuten. Das Spiel zwischen Mann und Frau ist anders; die weibliche Seite hat biologische Dominanz. Wir mißdeuten männliche Balz und Hierarchie zwischen Männern fälschlich als Dominanz über Frauen, obwohl es biologisch keine solche Dominanz gibt, männliches Bemühen um Macht über Männer eher eine soziale Form der Balz ist, dem Werben um Frauen – was sich übrigens auch in der Minne des Mittelalters in überspitzter Form ausdrückt.

Zweitens kümmerte es Männer wenig, welcher Ansicht andere waren, solange keine religiösen oder politischen Hitzköpfe aufwiegelten. Privatleben war privat; erst später drängte sich der Staat immer mehr den Bürgern auf, ihr Privatleben zu reglementieren, Familie und Bürger zu entmündigen, um selbst die Hoheit zu erringen. Dabei kam totalitären Bestrebungen eine Neuerfindung feministischer Wellen zugute: Moralisieren, Hysterie und moralisierende Hysterie, politische Hysterie.

Bereits präfeministische Wellen wie die Tugendbewegung versuchten sich an der Umerziehung von Männern. Solche Antriebe sind der Keim kulturrevolutionärer Bestrebungen. Klassische Machthaber begnügten sich damit, ihre Macht zu erhalten. Revolutionen mochten das revolutionäre Denken verbreiten wollen. Doch daß Bevölkerungsgruppen anderen Meinungen vorschreiben, und ihnen ungenehme verdrängen wollten, hat eine neue Qualität.

Es waren nicht Kommunisten, die Druck im 19. Jahrhundert ausgeübt hätten: „Du darfst keinen Wagner hören. Der ist politisch bäh! Du darfst diesen Schriftsteller nicht lesen oder drucken, jenes Bild nicht ausstellen oder ansehen. Das ist bäh!” Kommunisten hätten eher dafür gekämpft, selbst einen bezahlbaren Platz in der Oper zu haben, das Buch selbst gelesen. Es liefen auch keine Kommunisten des 19. Jahrhunderts in die Gemäldergalerie, um mißliebige Bilder aufzuschlitzen. Das war Suffragetten vorbehalten. Die verübten nicht nur auf Menschen Attentate, sondern schlitzten auch Bilder auf, die ihnen zu freizügig oder anstößig waren – heute werden solche Bilder immer noch angefeindet.

«1914 nahm die Suffragette Mary Richardson ein Fleischerbeil zum 1647-1651 entstandenen Werk des spanischen Künstlers in die Londoner Nationalgalerie. Sie schlitzte es siebenfach auf»2 (bbc)

Die Suffragette zerschlitzte siebenmal das berühmte Werk Rokeby Venus von Velazquez. Vorhergegangen war massive Anschlagsgefahr über längere Zeit, die Galerien zu ähnlichen Sicherheitsvorkehrungen genötigt zu haben scheinen, wie sie aufgrund meist islamistischer Terroristen heute bei Flugreisen nötig sind. Messer- und Beilangriffe waren vor den Suffragetten und der von Feministen geförderten Masseneinwanderung bei uns nicht gebräuchlich.

«Als die Suffragetten 1913 ihre Kampagne verschärften, wurden Museen und Galerien vor Militanten gewarnt, die ihre Kunstwerke verunstalten oder zerstören wollen. Im Januar empfahl die Polizei, Ohrenschützer und Pakete sollten wie Regenschirme am Eingang abgegeben werden, womit sie andeuteten, diese könnten als Waffe mißbraucht werden.»3 (npg.org.uk)

Die Anschläge in London wiederholten sich.

«Die Galerie öffnete am 25. März 1914 wieder, aber es gab weitere Vorfälle. … Von einem zweiten Vorfall in der Nationalgalerie am 22. Mai sagte er, ‚Es ist ein Jammer, daß die N.G. keine Barriere errichtete. Fünf Bellinis auf einen Schlag» (bbc)4

Offenbar handelte es sich nicht um ‚Einzelfälle’, doch kein ‚Vorfall’ – Achtung, Wortwahl! – ist mir bekannt, bei dem damals linksradikale oder rechtsradikale Kräfte verantwortlich gewesen wären.

«„Der Ostflügel schloß 11.30 zeitweilig. Suffragetten-Greueltat, Porträt des Carlyle von Millais mit Metzgerbeil beschädigt; der Name der Täterin sei Anne Hunt. Der Ostflügel wurde 12 Uhr wieder eröffnet. Die Galerie wurde offengehalten.” (Turnstile Geschäftsbucheintrag 17. Juli 1914)»5 (bbc, a.a.O.)

Kürzlich wurde auf feministischen Druck ein Bild entfernt, das Nymphen im Wasser zeigte, die barbusig einen Jüngling in den Teich locken wollten, wo er der Sage nach ertrank. Feministinnen war das traurige Schicksal des Jünglings nicht düster genug; sie protestierten ob des vermeintlich ‚patriarchalischen’ Werkes. Sollten wir nicht eher die männerfeindliche Verlockung in den Tod ‚hinterfragen’ als eine womöglich tiefsitzende misandrische Sicht? Seltsam, daß die feministisch geprägten Kräfte der Aktion nicht auf diese Idee gekommen sind!

Hylas and the Nymphs, John William Waterhouse, 1896 WHA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY !ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCHÆTZT! Copyright: WHA UnitedArchives0126548Hylas and The nymphs John William Waterhouse 1896 Wha PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Regard date estimated Copyright Wha UnitedArchives0126548

«Das Abhängen sei Teil einer eigenständigen Kunstperformance in der vergangenen Woche gewesen und teilweise von den derzeitigen Debatten über Sexismus, wie unter dem Schlagwort #MeToo, inspiriert gewesen.»6 (Spiegel)

Es liegen mir aus dem 19. Jahrhundert auch keine Klagen vor, Kommunisten hätten Druck auf bürgerliche Verleger ausgeübt, auf keinen Fall Ansichten von ‚Klassenfeinden’ zu veröffentlichen. Später an der Macht haben sie diese befestigt, indem sie Gegner verfolgten. Doch Druck, abweichendes Denken in bürgerlichen, konservativen, liberalen Zeitungen zu verhindern, hysterisches Umherrennen, bis niemand mehr etwas schreibt, das ihnen nicht gefällt, ist mir nicht bekannt. Wohl aber liegen Zeugnisse vor, daß bereits die Feministen erster Welle sich so verhielten. Politische Korrektheit und private Gesinnungszensur sind daher ihr Werk.

Der Unterschied zwischen politischen oder religiösen Konflikten und feministischen Wellen ist eben der, daß es nicht rational um Sicherung eines Systems geht, sondern um Nichthaushaltenkönnen, daß es in der Welt andere Sichten gibt als die ihre. Heute nennt man das ‚Schneeflocken’; im 19. Jahrhundert nannte man es ‚hysterisch’. Die feministische irrationale Repression und Hysterie dringt sehr viel tiefer in das Seelenleben und Privatleben von Menschen ein als ein trotz Härten oder Grausamkeit immerhin rationaler politischer Machtkampf.

Wenn überhaupt, würden despotische Revolutionäre gewisse Aussagen verbieten. Doch für die feministische Hysterie ist etwas anderes typisch. Gewiß hören sie meine Aussage und Beweise nicht gerne, daß nicht Frauen, sondern Männer diskriminiert und benachteiligt seien. Doch ist es auch nicht verboten, das zu sagen. Im Kern noch rationale Unterdrücker würde mich wegen solch einer Aussage belangen wollen, weil sie gefährlich für sie ist, nämlich ihre moralische Rechtfertigung zerstört, aus der heraus sie das Unterdrücken von Männern und Andersdenkenden begründen.

Stattdessen regen sie sich viel mehr über alles auf, was sie subjektiv als anstößig, unangenehm empfinden. Sie fühlen sich verletzt, ‚unterdrückt’ oder schlecht, weil die Realität nicht ihrem utopischen Wahngebilde entspricht, oder sie Widerspruch erhalten, den Schneeflocken nicht ertragen können. Wie Kleinkinder ziehen sie sich dann inzwischen in ‚sichere Räume’ zurück. Darin drückt sich auch ein ständiger Kampf gegen menschliche Natur aus; ein weiterer Grund, es psychotisch zu nennen und von anderem Kaliber als im Kern noch ein wenig rationale Machtkämpfe.

Politische Korrektheit beruht vielfach darauf, bestimmte Reizbegriffe zu vermeiden, oder durch Wörter mit ihnen genehmer Tendenz zu ersetzen. Letztlich steht im Kern der Austausch von Wörtern, die Verbreitung von Euphemismen, Beschönigung oder Diffamierung. Frauen reagierten nicht ‚überempfindlich’, sondern seien ‚besonders sensibel’. Aggressive Eindringlinge werden ‚Schutzsuchende’, Täter ‚Traumatisierte’. Während eine Seite euphemistisch aufgewertet werden muß, wird die andere durch negative Darstellung zwingend entwürdigt. So wird aus dem Kritiker ein ‚Populist’, ein schlagfertiges Argument zu einer ‚Haßäußerung’, der eigene unqualifizierte Haß aber zu ‚aufrechter Haltung’.

Solches emotionales Verdrehen und Umdeuten ist Kern politischer Korrektheit, und ebenso feministischer Wellen. Klassische politische Meinungsunterschiede waren bei aller zeitweiligen Schärfe rationaler.

Fußnoten

1 https://www.agneswitte.de/teil-4-geschichte-feministischer-utopien/

2 «In 1914, suffragette Mary Richardson took a meat cleaver to the Spanish artist’s 1647-1651 creation at London’s National Gallery. She slashed it seven times» (http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-19869154)

3 «As the suffragettes accelerated their campaign of direct action in 1913, museums and galleries were warned of militants targeting artworks to deface or destroy. In January police recommended muffs and parcels be left at entrances like umbrellas, implying such accessories could be weaponised.» (https://www.npg.org.uk/whatson/firstworldwarcentenary/explore/gallery-stories/suffragette-action)

4 «The Gallery reopened to the public on 25th March 1914 but further incidents occurred. … Of a second attack at the National Gallery on 22nd May he stated, ‘It is a pity the N.G. did not put up a barrier. Five Bellinis at a blow» (>http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-19869154)

5 «‘East Wing closed at 11.30 temporarily. Suffragette outrage, Portrait of Carlyle by Millais damaged by butcher’s cleaver; name given as Anne Hunt. Reopened East Wing at 12 noon to the public. Gallery kept open.’ (Turnstile Account Book entry, 17th July 1914)» (bbc, a.a.O.)

6 http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/john-william-waterhouse-hylas-und-die-nymphen-in-manchester-abgehaengt-a-1190996.html

Planlosigkeit + Verwirrung = hochgejubelt: Wie Pseudokritik am Feminismus scheitert

Planlosigkeit + Verwirrung = hochgejubelt: Wie Pseudokritik am Feminismus scheitert

In Sachen Feminismus scheint eine ganze indoktrinierte Generationen Männer kapituliert und sich von der Gestaltung der Welt verabschiedet zu haben. Sie haben eine Aversion gegen Nachdenken über unbequeme Fragen entwickeln, lassen sich daher auf dem Ozean feministischer Strömungen steuerlos treiben.

«Aber mal im Ernst: Der Feminismus hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, indem sie sich von jeder Wissenschaftlichkeit verabschiedet und rein auf das Prinzip des Keifens, der Ideologie und der Beschimpfung mit Schmährhetorik verlegt haben.»1 (Danisch)

Nein. Feminismus war von Anfang an antiwissenschaftlich. Frühere Wellen waren genauso radikal wie die Genderwelle. Wer so argumentiert, verleiht dem Feminismus eine Berechtigung und Kredit, den diese Ideologie niemals verdient hat. Es ist die übliche Argumentation nach dem Muster: „Ja, früher hatten die ja mal Recht, aber dann haben sie angefangen zu übertreiben und den Verstand zu verlieren.” Nach gleichem Muster wurde übrigens von Altnazis argumentiert: „Ja, die hatten Ideale. Wenn nur später nicht der Krieg gekommen wäre…”

Es besteht eine massive Aversion dagegen, unbequeme Aufarbeitung und Denkarbeit zu betreiben, Feminismus früherer Wellen aufzuarbeiten, Irrtümer, Fehler und Zerstörungen nachzuweisen und zu dokumentieren, an die sich zeitgenössische Nichtdenker längst gewöhnt haben. Sogar die Erinnerung an selbst erlebte radikale Militanz und extremen Männerhaß der zweiten feministischen Welle verblaßt. Das Ergebnis ist folgende Selbsterkenntnis:

«Und ich finde das bemerkenswert, dass ausgerechnet EMMA jetzt gegen Gender Studies im Prinzip die gleiche Kritik äußert, die ich seit 2012 schreibe.»2 (Danisch)

Es wäre fatal, sich auf männerhassende Radikalfeministinnen gegen Genderismus der dritten oder vierten Welle zu berufen. Methodik und Grundirrtümer der Genderisten entstammen dem Feminismus Alice Schwarzers und ihrer Vorläuferinnen erster und zweiter Welle. Diese Verirrungen waren genauso radikal, männerhassend und zerstörerisch, haben Gender Mainstreaming hervorgebracht, und das bereits in den 1980er Jahren, wie ich seit damals dokumentiere.

Meine Bücher weisen seit den 1990ern die Unwissenschaftlichkeit des Feminismus insgesamt nach, also aller Wellen. Siehe „Ideologiekritik am Feminismus”, dessen erstes Kapitel im wesentlichen aus den 1990ern stammt, hier ein Zitat als Auszug:

«Um dies zu erreichen, ist es notwendig, daß Frauen, die im Sinne unserer Ausgangshypothese zu forschen beginnen, ihre verdrängte, unbewußte, subjektive Betroffenheit … bewußt in den Forschungsprozeß einbeziehen. …

1. Das Postulat der Wertfreiheit, der Neutralität und Indifferenz gegenüber den Forschungsobjekten – bisher wichtigster Maßstab für Objektivität – wird ersetzt durch bewußte Parteilichkeit. Bewußte Parteilichkeit wird erreicht durch eine teilweise Identifikation mit den ‚Foschrungsobjekten’. …

3. Die kontempative, un-involvierte „Zuschauerforschung” (spectator kowledge, Maslow), wird ersetzt durch aktive Teilnahme an emanzipatorischen Aktionen und die Integration von Forschung in diese Aktionen. … Dieses Konzept wurde erstmals formuliert von Mao-Tse-Tung in seinen Schriften über Widerspruch und Praxis. … Nach diesem Ansatz besteht das Wahrheitskriterium einer Theorie nicht in der Befolgung bestimmter methodischer Verfahren und Prinzipien, sondern in ihrem Potential, die konkreten Praxisprozesse in die Richtung fortschreitender Emanzipation und Humanisierung voranzutreiben. …

Aus diesem Grunde müssen Sozialwissenschaftlerinnen, wenn sie … Frauenunterdrückung insgesamt aufheben wollen, ihre Suche nach neuen Methoden aus dem Elfenbeinturm hinaus verlegen und selbst an den Kämpfen und Aktionen zur Frauenbefreiung teilnehmen. …

4. Teilnahme an Aktionen und Integration von Forschung in Aktionen bedeutet ferner, daß die Veränderung des Status Quo als Ausgangspunkt wissenschaftlicher Erkenntnis angesehen wird.» (Maria Mies / Vandana Shiva, Ökofeminismus, 1993)

Meine Bücher beweisen, daß alle feministische Wellen auf unwissenschaftlichen, ja antiwissenschaftlichen Methoden und durchgehend falschen Annahmen beruhten. Siehe auch „Flaschenpost in die Zukunft: Erster Band zur ersten Welle”.

Daraus ergibt sich eine Fundamentalopposition gegen jede Welle und Form feministischer Ideologie, außerdem konstruktiv eine eigene, unabhängige Position, Ziele, Strategie. Damit läßt sich arbeiten, Orientierung gewinnen, die Welt gestalten.

Doch konzeptionelle Arbeit wird von einer rückgratlosen Generation mit Verachtung und absolutem Ignorieren gestraft. Sie wollen nichts davon wissen, interessieren sich nicht für das, was einst Aufgabe von Männern war, nämlich konzeptionell nachdenken und langfristig überdenken. Zeitgenossen haben ihr Scheitern bereits verinnerlicht. Sie haben gar nicht mehr das Format, sich auch nur sinnvoll wehren zu können.

Meine Bücher, Argumente und Ansätze gehen unter, weil das Interesse in der Gesamtgesellschaft, und sogar bei Männerrechtlern, asymptotisch gegen Null geht. Dagegen wird oberflächliches Gemotze hochgejubelt. Allein die Sprache bei Danisch ist provokativ, verbalradikal, provozierend; er stellt eine emotionale Behauptung nach der anderen auf, ohne sie zu begründen. Das ist mehr Kabarett als sachliche Argumentation. Nicht verwundern kann es, wenn das von Außenstehenden als schrill oder emotional aufgebracht empfunden wird.

«Man könnte meinen, dass die anderen Richter sie da einfach mal haben machen lassen, damit sie endlich auch mal was hat und dann Ruhe gibt, und sie mit dem Thema sowieso nichts zu tun haben wollen, und sich gedacht haben, wen kümmert schon, was in diesem dämlichen Personenstandsregister steht, ist doch völlig egal. Lasst sie halt machen, und dann ist Ruhe. So wirkt das auf mich.»3 (Danisch)

„So wirkt das auf mich” ist subjektiv, unterscheidet sich wenig von feministischer Subjektivität. Bereits im Tonfall sind Zeitgenossen vom Feminismus angesteckt. Sie reagieren emotional und lästern. Sie sind, ohne es zu merken, vom feministischen Zeitgeist geprägt, der einst als unsachlich, emotional und weiblich abgelehnt wurde – was längst vergessen scheint. Zu kritisieren ist also nicht nur die argumentative Nähe zum Radikalfeminismus zweiter Welle Alice Schwarzers, geprägt von radikalem Männerhaß, der in meinen Sachbüchern dokumentiert wurde. Auch die Form von Sprache und Argumentation ist angesteckt.

Doch genau diese zeitgeistige Bequemlichkeit, die es vermeidet, über Grundlagen tiefer nachzudenken, findet Gefallen. Täglich scheint Danisch Hinweise von Lesern zu erhalten, die dann zu neuen Blogartikeln werden. Mir ist noch niemals dergleichen geschickt worden, was er täglich erhält, und ich erarbeite seit Jahrzehnten echte Feminismuskritik. Solche verirrten und planlosen Positionen haben eine Vielzahl Leser, große Bekanntheit, werden vielfach in sozialen Medien geteilt bis in zu alternativen Politikern und Journalisten. So massiv, wie das hochgejubelt wird, ist das Schweigen und Ignorieren zu meinem Blog und meinen Büchern. Systemkonformer, pseudokritischer Karneval statt echter Kritik, mehr Büttenrede als solide Begründung.

«Feminismus hat Dummheit und Aggressivität zum Kult und zur Methode erhoben, und fühlt sich jetzt gebissen von jemandem, der noch dümmer und noch aggressiver ist. Heißt im Klartext: Der Feminismus sucht beim weißen, heterosexuellen Mann um Hilfe.

Heißt aber auch: Die Gender Studies können nicht mal selbst mehr sagen, was sie – außer Geld – eigentlich noch wollen.»4 (Danisch)

Das sind lustig klingende satirische Sätze, die aber an der Oberfläche bleiben. Es ist keine grundlegende Widerlegung, sondern begnügt sich damit, einige heute gerade aufgedrängte Verirrungen zu bekämpfen. Gegen alle feministischen Wellen wurden regelmäßig in gleicher Weise argumentiert und verloren. Immer wurde in einem Abwehrreflex verulkt, was Feministen gerade als neueste Kampagne durchs Dorf trieben, wobei gleichzeitig frühere Kampagnen stillschweigend akzeptiert, oder gar als Grundlage der Argumentation gegen die neueste ‚Torheit’ genommen wurden.

So verloren Zeitgenossen seit dem 19. Jahrhundert regelmäßig gegen alle Kampagnen aller Wellen, weil es niemals andauernden, systematischen und konzeptionellen Widerstand und dauerhafte eigene Positionen gab. Solches kopfloses Vorgehen führte dazu, daß sich die Mehrheiten immer an die einst als schrill und zerstörerisch abgelehnte feministische Forderung gewöhnten, sie im Staat als Vorschrift verankerten und künftige Generationen im Glauben aufzogen, dies sei selbstverständlich und jede andere Sicht ‚umoralisch’.

Obwohl jeder Widerstand gegen jede feministische Kampagne regelmäßig wie ein Uhrwerk immer wieder scheiterte, sich die Zeitgenossen von Kampagne zu Kampagne immer weiter über den Tisch ziehen ließen, bemerkten sie nie, was mit ihnen geschah, begriffen niemals die Kurzsichtigkeit ihres eigenen Vorgehens.

Daher wirkt es wie ein Hohn, wenn solche kurzsichtigen Nichtdenker dann auch noch für ihre vermeintliche ‚Intelligenz’ von vielen Seiten gelobt werden. Nun mag ein Herr Danisch ja bei einem IQ-Test gut abschneiden, doch formale Fähigkeit, auf übliche Standardfragen und Standardprobleme die von den Herstellern des IQ-Tests erwartete Antwort zu geben, hilft hier wenig. IQ-Tests sind teilweise fragwürdig. Werden zum Beispiel Vervollständigungen von Zahlenreihen verlangt, so weiß ein Mathematiker, daß jede beliebige Antwort richtig ist. Es gibt für jede willkürliche Zahlenreihe mathematische Modelle, die sie erzeugen. Die erwartete Zahl wird nur deswegen als ‚richtig’ angesehen, weil es ein ‚schönes’, ‚einfaches’ mathematisches Konzept gibt, das jene gesuchte Zahl als nächstes Element der Folge generiert. Ob aber jemand, der genauso denkt wie erwartet, deswegen intelligenter ist als jemand, der eine unerwartete Lösung findet, sei dahingestellt.

Zeitgenossen mag oberflächliches Lästern blenden und beeindrucken, was aber viel über die mangelnde Reflexion der Zeitgenossen aussagt. Hier jedoch kommt es gerade nicht darauf an, wie erwartet zu denken, weil das erwartete Denken seit der Kindheit feministisch geprägt und beeinflußt wurde. Hier kommt es darauf an, alle feministischen Annahmen als Irrtümer zu erkennen und vollständig abzuräumen. Dazu ist konzeptionelle Arbeit nötig, die im ersten Moment unbequem wirkt und deshalb von rückgratlosen Zeitgenossen ignoriert wird. Es ist ja bequemer, nicht zu denken, stattdessen nur über das zu lästern, was ungewohnt ist, intuitiv gerade ärgert.

Dabei kommen dann schädliche Positionen heraus, die den Feministen die Arbeit abnehmen, also genau das selbst durchsetzen, was Feministen seit etlichen Wellen und Generationen ansteuern. Es ist sozusagen ein „merkeln” der Feminismuskritik, die genauso rückgratlos zum Zwecke des Machterhalts abgebaut wird, wie Angela Merkel alle konservativen Grundsätze der CDU über Bord warf, um bei Grünen, SPD und Linksradikalen um Stimmen zu fischen. So verwirklichte Angela Merkel eine den einstigen Grundsätzen und dem Parteiprogramm der CDU strikt widersprechende Politik, die Grüne, SPD oder Linksradikale nicht durchsetzen konnten. Mit anderen Worten: Die CDU hat linke Politik ermöglicht, die linken Parteien nicht gelungen wäre.

Ähnlich verhält es sich mit Leuten wie Danisch und Feminismuskritik: Solche für vermeintliche Intelligenz gerühmte, tatsächlich aber über Grundfragen nicht nachdenkende und daher konzeptlose Leute ermöglichen Feminismus, der dem Feminismus selbst ohne solchen Beistand gar nicht glücken könnte.

Hadmut Danisch schreibt, daß er ähnlich, nämlich für Abschaffung des Geschlechts entschieden hätte.

«Wäre ich jetzt Verfassungsrichter gewesen, hätte ich in der Tendenz vielleicht grob ähnlich entschieden …

Ich habe oben geschrieben, dass ich – wäre ich Verfassungsrichter – durchaus nicht unbedingt gegenteilig entschieden hätte, sondern der Beschwerde durchaus wohl stattgegeben hätte. Aber ganz anders.

Wenn man schon darauf eingeht, dass der Beschwerdeführer sich an diese Einteilung nicht halten will, dann hätte die einzig richtige Konsequenz lauten müssen, dass der Gesetzgeber gar nicht an das Geschlecht anknüpfen darf, damit keine Rechtsfolgen verbinden darf, und deshalb auch keine Rechtsgrundlage haben kann, das Geschlecht überhaupt zu erheben.»5 (Danisch)

Wer solche ‚Feminismuskritiker’ hat, braucht keine Feministen mehr. Denn das gewünschte Ergebnis, die Abschaffung des Geschlechts als gesellschaftlicher oder geistiger Begriff, wird den Feministen von ihren vermeintlichen Kritikern abgenommen. So läßt sich aber weder Familie, noch Gesellschaft, noch ein Geschlechterbezug aufbauen. Wie sollen denn Gefühle und Bezüge zwischen beiden Geschlechtern entstehen und reifen, wenn es diese gar nicht gibt?

Die Position von Danisch ist bequem; sie enthebt ihn der großen Mühe, etwas zu verteidigen, zu retten oder wiederherzustellen, was nach dem feministischen Zeitgeist und von ihnen geprägten Gesetzen und Vorschriften kaum noch zu retten ist. Das zu tun ist harte Arbeit, kostet viel Mühe, ist undankbar, erbringt jahrzehntelange Verachtung, wie ich selbst bei dieser Arbeit erlebt habe. Doch genau diese undankbare, mühsame Arbeit ist echte Feminismuskritik, ergibt eine eigene und tragfähige Position, räumt Feminismus insgesamt ab, statt der Ideologie auf den Leim zu gehen.

Danischs Schachzug entspräche im Schach nicht ein Damen-, sondern ein Königsopfer, wodurch das Spiel verloren ist.

Das ist zwar bequem für den Augenblick, doch bricht damit die gesamte Natur des Menschen, und die gesamte Kultur weg, die auf zwei Geschlechtern und ihrer Ergänzung in Familie und Gesellschaft beruht. Was dabei herauskäme, wäre der Sieg des Gleichheitsfeminismus, die faktische Abschaffung der Geschlechter, die Erfüllung feministischer Utopie. Darauf ließe sich nichts mehr begründen, weder Familie noch sonst eine grundlegende Lebensfrage. Da die Geschlechter tatsächlich stark verschieden sind, bei Fortpflanzung, sexueller Selektion, aber auch Frauen angeboren bevorzugender Wahrnehmung, wäre eine solche billige Lösung außer Zerstörung menschlicher Natur auch eine dauerhafte Benachteiligung von Männern. Denn nur weil ein Herr Danisch aus formaljuristischen Gründen so will, hört die Biologie des Menschen nicht auf zu bestehen.

Was Danisch geschickt und kundig tut, ist eine legalistische Argumentation, die nachweist, wie wirr und geradezu kriminell Feminismus vorgeht, die Gewaltenteilung ebenso aufhebt wie Objektivität.

«Von wegen Gewaltenteilung: Als Professorin ist sie in der Exekutive, berät die Legislative und entscheidet in selbiger Person als Iudikative darüber. Und die Schwesig scheint das alles eingefädelt zu haben, deshalb erwähnen die in der Entscheidung wohl auch, dass die Kolation den Koalitionsvertrag nicht umgesetzt hat, deshalb also auf dem Sonderweg nachgeholfen werden muss, man hat ja seine Leute im Bundesverfassungsgericht. …

Das stinkt gewaltig danach, dass das Ding von vorne bis hinten inszeniert ist und da Richter, Staat, Kläger alle miteinander kungeln und den Streit nur vorgetäuscht haben, um da nach Gutdünken politisch durchzusetzen, was sie gerade wollen. …

Nachtrag: Und die Presse und das öffentlich-rechtliche Fernsehen bejubeln und publizieren den ganzen Schwindel wie auf Bestellung.

Besagtes Gutachten/Studie stammt vom „Deutsches Institut für Menschenrechte”, und die nun wieder haben ein Jubelinterview mit Susanne Baer geführt.

Die hängen alle eng zusammen, und die kommen beim Bundesverfassungsgericht nicht auf den Gedanken, dass Baer wegen Befangenheit da nicht teilnehmen könnte.»6 (Danisch)

 

«Update 1: Ein Leser weist mich auf diesen Artikel auf VK hin. Darin heißt es

Die eng mit Verfassungsrichtx Susanne Baer verbundene “Humboldt Law Clinic Grund- und Menschenrechte” kämpft seit Jahren für die gnostisch-humanitärjuristische Agenda der Aufweichung und Abschaffung aller Kategorien und Unterschiede… Bei ihrem “Thementag Inter*geschlechtlichkeit” am 27. November feiert sie den angekündigten Sieg vor dem Bundesverfassungsgericht als ein Beispiel für “strategische Prozessführung”. Angekündigt hat Prof. Friederike Wapler, die Baer in Berlin vertritt, ihren Sieg bereits am 26. Oktober.

Noch etwas Links findet man in diesem verlinkten Text, dreht sich aber etwas selbstreferenziell im Kreis.

Wenn das so stimmt (woran ich nicht zweifle, weil es exakt in deren Agenda passt, aber der konkrete Nachweis in Form von Schrift oder Zeugen fehlt mir da noch), dann steckt die von Baer selbst gegründete „Humboldt Law Clinic” tief mit drin und jubelt über „stragische Prozessführung”, was erneut darauf hindeutet, dass Baers eigener Laden hinter der Beschwerde steckt, und damit Baer selbst. Das heißt, die Suppe rund um Baer steckt in mehreren Positionen mit drin:

Richter
Kläger/Antragsteller
Sachverständige

Hier taucht auch die Formulierung im Präsens auf, dass Wapler Baer vertrete.»7 (Danisch)

Es ist löblich, den Filz aufzuzeigen, damit Filz und Feministen von der Macht entfernt werden können. Das ist jedoch ein augenblickliches Ringen mit einzelnen Gegnern, keine konzeptionelle Arbeit. Es ist eben gerade keine grundsätzliche Denkarbeit. Solches Zurückkämpfen einiger feministischer Ideologen ist auch wichtig, doch was dabei zum Einsatz kommt, ist keine Planung, wie sie ein Stab vornähme, sondern eine Rangelei in der vordersten Linie. Wer so weit vorne steht, ist zu dicht am Geschehen dran, um einen Überblick zu gewinnen. Das entspräche in der Analogie dem körperlichen Nahkampf, nicht aber strategischem Denken.

Lest zur Vertiefung die Sachbuchreihe, oder das neueste Buch NEIN!.

Fußnoten

1 http://www.danisch.de/blog/2017/11/10/ein-freundeskreis-des-bundesverfassungsgerichts/

2 http://www.danisch.de/blog/2017/11/10/ein-freundeskreis-des-bundesverfassungsgerichts/

3 http://www.danisch.de/blog/2017/11/08/verfassungsgericht-strohdoof/

4 http://www.danisch.de/blog/2017/11/10/ein-freundeskreis-des-bundesverfassungsgerichts/

5 http://www.danisch.de/blog/2017/11/08/verfassungsgericht-strohdoof/

6 http://www.danisch.de/blog/2017/11/09/das-bundesverfassungsgericht-und-die-dritte-option/

7 http://www.danisch.de/blog/2017/11/09/spuren-einer-wellness-verfassungsgerichtsentscheidung/

© 2019 Jan Deichmohle

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