Mehrere Gründe, weshalb partielle Feminismuskritik immer wieder scheiterte und scheitern muß

Wenn Sie glauben, zum Glück gäbe es nach 150 Jahren Radikalfeminismus ein Häuflein Männerrechtler, die ihnen aus der Patsche helfen, habt ihr euch zu früh gefreut: Was zu schön ist, um wahr zu sein, ist dem Sprichwort zufolge auch meist nicht wahr. Um das zu bemerken, reicht es, sich die Geschichte der Männerbewegung anzusehen. Bereits in den 1920er Jahren gab es ein versprengtes Häuflein betroffener Männer, die darüber klagten, aufgrund männerfeindlicher Gesetze und Justiz, die Frauen fast alles glaubt, aber Männern fast nichts, ausgeplündert zu werden. Es gab Frauen, die bereit waren, ihre Ehemänner ins Gefängnis oder in die Psychiatrie zu stecken, um an deren Vermögen zu gelangen. Scheidung war schon damals ein lohnendes Geschäft für Frauen, oft der Beginn finanzieller Knechtschaft von Männern. Nach einem Artikel einer britischen Zeitung in Übersee, die in den englischen Kolonien offenbar als einzige berichtete, verschwand dieses Organisatiönchen in der Versenkung.

Jahrzehntelang duldeten und unterstützten Männer Radikalfeminismus. Männliche Opfer blieben unsichtbar, wurden verdrängt und versteckt. Gegründet wurde die neue ‚Männerbewegung’ von einem Vorzeigefeministen, der sich als Unterstützer mit der Radikalfeministin Gloria Steinem ablichten ließ: Warren Farrell.

Diese hübsche Paar ist eine der radikalen Gründerfeministinnen zweiter Welle, Gloria Steinem, mit ihrem Unterstützer Warren Farrell, der eine Hilfsbewegung Männer ins Leben rufen wollte, dann aber bei der Beschäftigung mit Problemen von Männern feststellte, daß er Stück für Stück feministische Positionen revidieren mußte, bis er in Ungnade fiel und von der einst unterstützten Bewegung fallen gelassen wurde. Das ändert jedoch nichts daran, daß sein Denken – wie das der allermeisten ganzer Generationen von Männern, die sich selbst für ‚feminismuskritisch’ und ‚Männerrechtler’ halten, von feministischen Annahmen und Konzepten, wie etwa Gleichheit, geprägt bleibt. So etwas schüttelt sich nicht so leicht ab. Die meisten versuchen nur, die feministische Forderung nach ‚Gleichheit’ auch auf Männer anzuwenden, um ‚Gerechtigkeit’ herzustellen, weil Feminismus so offensichtlich einseitige weibliche Vorteile betreibt. Dabei landete eine ganze Bewegung jedoch in einer logischen Falle: Weil die Geschlechter biologisch ungleich sind, und das weibliche Geschlecht aus evolutionären Gründen dominant ist, kann ‚Gleichheit’ niemals funktionieren; wer das annimmt, steckt noch mitten im feministischen Sumpf von Denkfehlern fest.

Helfen würde nur grundlegende, die falschen Annahmen vollständig abräumende Kritik. Dazu sind aus einer unterschwellig feministischen Gesellschaft stammende Männer jedoch zu befangen. Außerdem hat Feminismus eine oberflächliche Gesellschaft geschaffen, in der es mehr auf Lippenstift und Oberfläche als tiefe Gedanken ankommt. Bereits methodisch sind ihnen daher meine ungewohnten Ansätze suspekt.

Wer nun meint, ich übertreibe oder spinne, sehe sich die Fakten an. Der gute Warren Farrell ist sich nämlich treu geblieben, unterstützte Hillary „Krieg hat vor allem weibliche Opfer: Frauen verlieren Söhne, Gatten und Brüder” Clinton. Ganz egal, wie ihr politisch steht im derzeitigen Riß der Gesellschaft: Parteinahme für Hillary Clinton, die bigotte Feministin, die Krieg und den Tod von Männern als Frauenproblem ausgibt, spricht für sich.

Eins muß man ihm lassen: Der Mann hat Talent, danebenzugreifen.

Genau solche Pseudokritik zu verhindern, mit denen das Thema Feminismuskritik verramscht wird und wirkungslos verpufft, schreibe ich seit 30 Jahren Bücher, die tiefer in die Materie eindringen und Feminismus komplett abräumen sollen auf den Misthaufen der Geschichte. Doch ausgerechnet eine selbsternannte ‚Männerbewegung’ im deutschsprachigen Raum hat das hintertrieben. Auch auf die Gefahr hin, mir noch mehr Leute zu verprellen, die mich ohnehin ignorieren, schaut euch doch mal folgendes an, was heute in einem Blog der Szene erschien:

«daß man gegen jede Form der Unterdrückung vorgehen muß, weil ein feministisches Anliegen sein muß, daß Unterdrückung nicht o. k. ist. Damit könnte man natürlich eine Vielzahl anderer Bürgerbewegungen problemlos in den Feminismus einbeziehen. Selbst den Maskulismus.»1 (allesevolution)

Das ist genau derselbe Fehler, den ich Warren Farrell ankreide, und weshalb ich nicht nur ‚politisch inkorrekte’, sondern auch in der sogenannten ‚Männerszene’ aneckende Bücher schreibe. Weil Feminismus in sämtlichen Annahmen, Prämissen, Methoden, Kampagnen falsch, schädlich und hochgradig toxisch ist. Es beginnt schon damit, daß seit jeher für ‚Unterdrückung’ erklärt wird, was eine menschliche Universalië ist, die im übrigen Frauen mehr nützte als Männern, und niemals, zu keiner Zeit, jemals Unterdrückung gewesen ist. Wer diesem Trugschluß aufsitzt, ist bereits rettungslos verloren, verstrickt sich in einem Wust utopistischer Forderungen, die in der Zerstörung menschlicher Natur und des Gleichgewichts der Geschlechter enden.

Das beweisen meine Bücher. Die selbsternannte ‚Männerbewegung’ begreift es nicht und boykottiert meine Bücher, die unbequemes Nachdenken erfordern würden. Doch die Platzhirsche dort haben sich ihre Meinungen bereits gebildet, wollen sich weder der Mühe unterziehen, diese vielleicht ändern zu müssen, noch ihren eigenen Platzhirschstatus aufgeben, indem sie zugeben, andere könnten bessere Argumente haben. So setzen sich schlechtere Argumente durch, die vorhersehbar langfristig genauso scheitern werden wie jene Wiener Männervereinigung der 1920er Jahre, die nicht gegen den Feminismus der ersten Welle ankam.

Doch auch taktisch ist die Männerszene überfordert. Sie hat nämlich keine. Sie fühlt sich genervt vom überbordenden Radikalfeminismus und versucht dagegenzuhalten, die schrägsten Auswüchse einzudämmen. Das ist eine Sisyphosarbeit, die nicht gelingen kann. Denn solange die falschen Annahmen im Raume stehen, werden ständig neue Radikalismen und Hysteriën nachwachsen, wie zuletzt TeddybärenwerferInnen und KlimahüpferInnen. Gelingen kann nur ein entschlossener Einsatz auf festem philosophischen Grund außerhalb des Feminismus. Daran arbeiten meine Bücher.

Doch auch emotional ist die Männerbewegung auf dem falschen Dampfer. Sie verteidigen sich gegen einzelne ungerechte, doppelmoralische und unlogische Zumutungen seitens Feministinnen. Das ist reaktives Verhalten und wird verlieren, aus biologischem Grund. Es gibt laut neuester Erkenntnis bei Tieren zwei Aggressionsformen: proaktiv und reaktiv. Erfolgreiche Männer früherer Zeiten handelten proaktiv. Siegreiche politische Strömungen handelten proaktiv. Feminismus handelt proaktiv. Die Männerbewegung hat aber keine Strategie, kein eigenes Gedankengebäude und greift nicht geplant an wie es Feminismus tut. Das ist reaktives Verhalten. Bei Schimpansen könnte es erfolgreich sein, jedoch nicht beim Menschen.

«Verglichen mit vielen Primaten haben Menschen eine hohe Neigung zu proaktiver Aggression, was sie mit Schimpansen teilen, aber nicht Bonobos. Im Gegensatz dazu haben Menschen eine niedrige Neigung zu reaktiver Gewalt verglichen mit Schimpansen, und in dieser Hinsicht sind Menschen den Bonobo ähnlicher. …

Bei den meisten [anderen] Arten ist proaktive Aggression seltener als reaktive …

Reaktive Aggression zeigt eine andere Verteilung. In diesem Falle zeigen sowohl Schimpansen als auch Bonobo mehr Aggression als Menschen… das heißt, [mindestens] zwei oder drei Größenordnungen weniger als bei Schimpansen und Bonobos (80).

Das unterstreicht, daß die ungewöhnlich niedrige menschliche Neigung zu reaktiver Aggression sich mindestens teilweise durch ein Herunterregeln entwickelt hat, das in der zweiten Hälfte des Pleistozäns stattfand.»2

Wer als Mensch also erfolgreich sein will in Konflikten, muß proaktiv und geplant vorgehen. Reaktives Verhalten wird zuverlässig verlieren. Hier stimmen biologische Instinktausstattung überein mit den geistigen Anforderungen einer Grundsatzdebatte: Wer gewinnen will, darf nicht an einzelnen Erscheinungen herummäkeln, sondern muß die Fundamente der geistigen Festung abreißen. Das ist zum Beispiel die Behauptung struktureller Benachteiligung oder Unterdrückung von Frauen wenigstens in früheren Zeiten – die es niemals gegeben hat, wohl aber Benachteiligung und Unterdrückung von Männern. Wer das nicht zu bieten hat, braucht gar nicht erst antreten, hat schon verloren.

Feministische Männerrechtler haben heute noch nicht verstanden, daß Feminismus aller Wellen auf grundlegendem Irrtum beruht, das weibliche Geschlecht biologisch dominant ist und auch in allen Kulturen und Epochen zusätzlich bevorzugt wurde. Menschliche Natur und eine angeborene Veranlagung zur arbeitsteiliger Ergänzung als Unterdrückung einzustufen war von Anfang an radikaler Quatsch, mit dem gewaltige Schäden angerichtet wurden. Daran ist niemals etwas dran gewesen, zu keinem Zeitpunkt. Wer glaubt, innerhalb solch irriger Ideologie etwas gegen die reale und bereits biologisch nachweisbare, vom Feminismus verschärfte Unterdrückung und Diskriminierung vieler Männer tun zu können, irrt auf groteske Weise. Feminismus gründet auf Leugnung und Bekämpfung dessen, was zum Überwinden ihres eigenen Leids, unsrer kulturellen Entwurzelung und männlicher Nachteile und Unterdrückung nötig wäre. Feminismus gründet auf Männerhaß, kann daher den Empathiemangel gegenüber Männern grundsätzlich nicht beheben, wozu noch kommt, daß die biologischen Ursachen der Empathielücke vom Feminismus radikalisiert werden, wie meine Bücher nachweisen. Denn es gibt einen Ausschlußmechanismus gegenüber als Verlierer wahrgenommenen Männern; Feminismus sorgt dafür, daß eine sehr viel größere Zahl Männer von diesem evolutionären Ausschlußmechanismus betroffen wird, weil Ansehen und Status relativ zu Frauen sinken. Hinzu treten noch die Folgen von Anfeindungen, Umerziehung, Gesetzen u.s.w.

Abträglich ist auch die Ausgrenzung ganzer Kategoriën von Männern, die von Feminismus und ausufernder weiblicher Selektion unterdrückt und gleichzeitig verteufelt werden, weil ihnen gegenüber ein Totalausfall von Empathie eingetreten ist, ein zentraler, unsre Gesellschaft prägender Schaden, der alle Lebensbereiche und Debatte korrumpiert. Der Abwehrreflex, sich von InCel zu distanzieren, um sich gegen falsche Vorwürfe zu schützen, ist schädlich. Es gilt, die Empathieblockade gegenüber männlichen Verlierern, einschließlich InCel und anderen Gruppen Betroffener, zu knacken. Das ist der Schlüssel. Solange Empathie und Problembewußtsein fehlen, kann sich nichts bessern.

Daher gilt es, sämtliche feministischen Annahmen, Denkweisen und Begriffe zu überwinden, die zentrale Emapthielücke bewußt zu machen und einen gänzlich neuen Ansatz für gute Geschlechterbeziehungen vorzustellen.

Fußnoten

1 https://allesevolution.wordpress.com/2019/08/06/sechs-thesen-wie-der-feminismus-von-morgen-sein-muss/

2 «Compared with many primates, humans have a high propensity for proactive aggression, a trait shared with chimpanzees but not bonobos. By contrast, humans have a low propensity for reactive aggression compared with chimpanzees, and in this respect humans are more bonobo-like. …
In most species proactive aggression is rarer than reactive aggression …
Reactive aggression presents a different distribution. In this case chimpanzees and bonobos both show more aggression than humans. … that is, two to three orders of magnitude less than in chimpanzees and bonobos (80).
These points suggest that the unusually low human propensity for reactive aggression results at least partly from an evolved down-regulation that occurred in the second half of the Pleistocene.» (https://www.pnas.org/content/115/2/245)