Jan Deichmohle

Denker und Dichter

Schlagwort: schwafeln

Ergänzung: Hadmut Danisch, wilde Verschwörungstheorien, geschwafelte Speku­lationen

Wegen völligem Ignorieren von Büchern und Argumenten wird der Tonfall verschärft. Folgendes habe ich im Buch „Kurzes“ ergänzt.

Hadmut Danisch, wilde Verschwörungstheorien, geschwafelte Speku­lationen

Jede Epoche hat die Sternchen und Berühmtheiten, die sie verdient. Unsre fe­mi­ni­sti­sche Gesellschaft hofiert Feministinnen heutiger und früherer Zei­ten, die blühenden Unsinn geschrieben haben, dem aber gefühlt zustimmt, weil sich ihre schiefe Wahrnehmung in unsrer Gesellschaft durchgesetzt hat, mit übrigens ziemlich totalitären Methoden. Diese Epoche hat auch eine win­zi­ge, viel zu kleine ‚Männerbewegung’, die allerdings fest innerhalb des fe­mi­ni­sti­schen Weltbildes verankert wird und vielfach Grundsätze jener ihnen feind­li­chen Ideologie für sich zu benutzen sucht.

Echte Feminismuskritik fehlt – nicht, weil es keine gäbe, sondern weil sie sowohl von etablierten Mediën ignoriert wird, als auch von alternativen und außerdem vom Publikum. Sie trifft einfach nicht den Nerv der Zeit. Wer in dieser Ära lebt, ist von Kind an gewisse Vorstellungen gewöhnt, dessen Den­ken und Wahrnehmung hat sich im Rahmen einer Gesellschaft aus­ge­prägt, die stark von extremen Ideologiën geprägt ist. Etliches, das zum Er­ken­nen der Wahrheit nötig wäre, ist jenseits des geistigen und sinnlichen Ho­ri­zon­tes. Manche Wahrheiten stören einfach, wirken radikal, obwohl es tat­säch­lich die Gesellschaft ist, die sich radikal von der Wahrheit, menschlicher Na­tur und Vernunft entfernt hat. Jedenfalls stören und verstören Argumente wie in meinen Büchern. Viele Autoren sind nachweislich mit so etwas un­ter­drückt worden in den letzten 50 Jahren.

Das bedeutet nicht, daß alle Zeitgenossen Feministen wären. Viele stö­ren sich an Verrücktheiten jener Ideologie. Doch selbst die Ablehnung findet in einem ‚politisch korrekten’ oder durch angepaßte Empfindung und Wahr­neh­mung gesteuerten Rahmen ab. Wer sich selbst subjektiv als Kritiker des Fe­mi­nis­mus sieht, mit dessen Dogmatik nichts anfangen kann, hat sich des­halb noch lange nicht aus dem geistigen Gebäude gelöst, das jene Ideologie trägt. Somit gibt es eine oberflächliche Ablehnung, die innerhalb des ab­ge­lehn­ten Systems steckenbleibt. Genau das sind nun aber jene Stimmen, die cha­ris­ma­tisch wirken und gut ankommen, daher ein Massenpublikum er­rei­chen, weil sie gefühlsmäßig und von den Denkgewohnheiten her gut nach­voll­zieh­bar sind. Grund ist, daß eben nicht zu weit über das hinaus gedacht wird, was durchschnittliche, vom Feminismus ohne ihr Wissen un­ter­schwel­lig geprägte Bürger gewöhnt sind. Man feiert Blogs, in denen sich der Durch­schnitts­mensch wiederfindet. Das bedeutet, viele Vorurteile des Durch­schnitts­men­schen zu tei­len. Wer geistig zu viel leistet, gar das Denksystem der Epoche verläßt, wirkt unbequem, schwer verständlich, wenn nicht gar emp­ö­rend, wird mit Mißachtung bestraft. Je seichter die Kritik bleibt, desto grö­ßer die Zahl der Anhänger, die umso begeisterter sind.

So eine typische Stimme ist die von Hadmut Danisch: Gut, daß es ihn gibt, denn ohne ihn gäbe es überhaupt keine kritische Restvernunft. An­der­er­seits lenkt die Anziehungskraft solcher populärer Halbkritik von tie­fer­ge­hen­der, echter Kritik ab. Weshalb schreibe ich das, obwohl es Uneinigkeit öf­fent­lich ausdrückt? Weil vieles falsch ist, unbegründet daherspekuliert wird!

Ein Steckenpferd Danischs ist, den Feminismus auf den Kommunismus zu­rück­zu­füh­ren, als dessen Nebenlinië darzustellen. Nun, das ist zunächst ein­mal Ansichtssache, und in Meinungsdingen ist jede Meinung will­kom­men, damit sich in einer Debatte die besseren Argumente durchsetzen mö­gen. Leider aber zieht hier eine populäre, weil verbreitetem Vorurteil einer auch unterschwellig feministisch geprägten Gesellschaft verhaftete, Sicht alle Auf­merk­sam­keit an, was tiefergehende, echte Kritik verschüttet.

Nicht Kommunismus hat Feminismus losgetreten, sondern dieser wur­zelt in uraltem männerfeindlichem Vorurteil, das besonders stark die Phi­lo­so­phie der Aufklärung und seit der Sattelzeit das gesamte abendländische Den­ken, das für kanonisch gehaltene lexikalische ‚Wissen’ prägte – siehe „Das un­mo­ra­li­sche Geschlecht” (Kucklick). Bemerkungen von Engels, der von an­geb­lich freizügiger Sexualität und Matriarchaten eine falsche, paradiesische Vor­stel­lung hatte, sind nur ein Ausdruck von Fehlurteilen und Vorurteilen, die seit vielen Jahrhunderten ein Kardinalfehler westlichen Denkens sind. Mit Kommunismus haben sie nichts zu tun.

Die erste feministische Welle war keinesfalls kommunistisch geprägt, im Gegenteil, sondern eng verbunden mit den damals aufkommenden Eu­ge­ni­kern; durch Zuchtwahl am Mann wollten sie ‚die Rasse bessern’. Daher ist es folgerichtig, daß in den USA einige Feministinnen erster Welle im Ku Klux Klan aktiv waren; andere arbeiteten später mit den Nazis zusammen.

«John Davis, Frauen des Klans: Grundlagen des modernen Feminismus
Frauen in der Ku Klux Klan Bewegung der 1920er Jahre
Kathleen M. Blee, Feministische Studien, 1991 …
Wie Frauen im KKK wesentlich für seinen Aufstieg waren» (John Davis, Women of the Klan: Foundations of Modern Feminism)

«Women in the 1920s‘ Ku Klux Klan Movement
Kathleen M. Blee
Feminist Studies
Vol. 17, No. 1 (Spring, 1991), pp. 57-77»1

How Women In The KKK Were Instrumental To Its Rise

Laut einer akademischen feministischen Schrift erfanden die Suf­fra­get­ten im 19. Jahrhundert jene Selbststilisierung ihrer Schwesternschaft, die spä­ter von den Faschisten übernommen wurde und heute als „Ästhetik des Fa­schis­mus” gilt. Siehe „Zensiert. Erster Band zur ersten Welle”. Seit jeher gibt es außer einem linken Feminismus auch einen rechten Feminismus; ein­sei­ti­ge Zuordnung zum linken Flügel oder dem Kommunismus ist sachlich ein­fach falsch.

So weit gräbt das oberflächliche Denken eines Danischs aber nicht, der as­so­zi­a­tiv Verbindungen herstellt, so aus dem Bauchgefühl heraus, oft ohne je­den Beweis dafür. Das ist zum einen eine Methodik, die von MSM (eta­blier­ten Mediën) typischerweise ‚Verschwörungstheorie’ genannt wird, zum an­de­ren feministisch ist. Wie in meinem Buch „Ideologiekritik am Fe­mi­nis­mus” nachgewiesen, und zwar anhand anerkannter feministischer ‚wis­sen­schafts­the­o­re­ti­scher’ Grundlagenwerke, die feministische Methodik be­schrei­ben, gründet jene Richtung mitsamt allen verwandten Fächern (Feministische Stu­di­ën, Frauenforschung, Genderstudien, Queer Studies, Ge­schlech­ter­for­schung, sogar die feministisch geprägte Männerforschung) auf an­ti­wis­sen­schaft­li­cher Methodik, darunter Subjektivität (Bauchgefühl). Zu­sam­men­hän­ge werden assoziativ konstruiert. Danisch geht ähnlich vor.

«Titel Thesen Temperamente und die Mondlandung
Hadmut 8.7.2019 0:11

Hmmm.

Vorhin hatte ich noch drüber gebloggt, da kommt jetzt im Ersten TTT – Ti­tel Thesen Temperamente über einen Film über die Mondfahrt, in dem es dar­um geht, daß es ohne den Krieg die Mondfahrt nie gegeben hätte.

Ich bin der Auffassung, daß das noch viel weiter geht, daß es auch den au­to­ma­ti­sier­ten Haushalt und damit die „Befreiung der Frau” sonst nicht ge­ge­ben hätte.

So geht über Umwege, aber im Prinzip doch der Feminismus (hat mir ja noch nie gefallen) auf die Nazis zurück, ist deren Werk. Müßte eigentlich rei­chen, daß Grüne und SPD platzen.»2 (Hadmut Danisch)

Hadmut Danisch hat wieder mal frei assoziiert und findet nun, ohne Krieg gäbe es weder Mondfahrt noch Feminismus. Steile Thesen. Nun brin­gen Kriege zwar Wissenschaft voran, weil alle Beteiligten im verzweifelten Rin­gen viel Geld und Zeit in bessere Waffen stecken, aber die Mondfahrt? Die entstammt eher friedlichem Wettbewerb, den die Sowjetunion mit dem Schock eröffnet hatte, als erste Nation Menschen in Erdumlaufbahn befördert zu haben. US-Präsidenten sahen es danach als unerläßlich für ihr Prestige an, die Sowjetunion im All erst einzuholen, dann zu überrunden. Nun ja, mit frei­er Assoziation ist vieles möglich, ein Feminismus ebenso wie eine ‚jü­di­sche Weltverschwörung’, die unter jedem Zipfel steckt, oder der Krieg als Va­ter der Mondfahrt.

Noch toller wird die nächste Behauptung, die unbegründet einfach als An­sicht Danischs auftaucht, nämlich daß es sonst „‚die Befreiung der Frau’ sonst nicht gegeben hätte”. Hallelulja. Zunächst einmal gab es keine ‚Be­frei­ung der Frau’, weil Frauen nie unterdrückt, sondern immer das biologisch do­mi­nan­te Geschlecht waren, wogegen Männer der Evolution als „Filter für Ge­ne” dienen und daher diskriminiert werden – also genau umgekehrt zur ge­fühl­ten feministischen Unterstellung. Doch das ist bereits schon zu viel boh­ren­de Logik für den trotz Stolz auf sein MINT-Studium und seine IT-Kom­pe­tenz in dieser Hinsicht gefühligen Danisch, der damit dem Muster ei­ner feministisch geprägten gefühligen Epoche folgt, in der mit Ig­no­riert­wer­den bestraft wird, wer zu tief nachdenkt, der oberflächliche Dampfplauderer da­ge­gen in den Bloghimmel gehoben wird.

Noch mutiger ist Danischs fabulieren, Feminismus hätte es ohne Krieg wohl nie gegeben. Im Karneval würde an dieser Stelle ein Tusch geblasen. Tat­säch­lich deuten Indiziën für die Minderheit intelligenter Menschen, die auf­grund unbequemen Verstandes von der Gesellschaft ratlos ausgegrenzt wer­den, in genau gegenteilige Richtung: Die ersten archäologischen Funde, die auf Kriege deuten, weil größere Gruppen von Skeletten gefunden wur­den, bei denen als Todesursache Verletzungen durch Waffen festgestellt wur­den, stammen aus einer Epoche nach dem Abklingen der Eiszeit, aus der eine Viel­zahl weiblicher Figurinen gefunden und die von Feministinnen als eine Zeit radikaler Matriarchate reklamiert wurde. Ich zitierte die Rezeption einer Schrift von Greer durch Radikalfeministinnen, die beschrieb, wie angeblich star­ke Matriarchate so weit gingen, die Zahl der Männer durch Rauswurf oder Töten zu verringern. Es geht hier nicht darum, ob etwas daran ist, oder es wie so oft hanebüchener Unsinn ist. Jedenfalls wird die Zeit für extreme Ma­tri­ar­cha­te reklamiert. Genetiker haben festgestellt, daß es damals weltweit 17 Mütter auf einen Vater gab, was fürwahr auf eine Katastrophe beim Ge­schlech­ter­ver­hält­nis deutet. So völlig unsinnig ist es daher nicht, auf das Be­ste­hen eines Problems und übermäßig starke Frauen, sowie ohn­mäch­ti­ge Män­ner zu schließen. Jedenfalls wurden zeitgleich erste Spuren von Krie­gen ge­fun­den.

Es mag reiner Zufall sein, oder einfach eine Geschichte, die nichts be­deu­tet, wie es sie zu Millionen gibt, aber ein Häuptling Neu Guineas hat Eth­no­lo­gen gegenüber behauptet, der Krieg sei erfunden worden, um die Un­ter­drückung des Mannes durch die Frauen zu überwinden. Man vergleiche die­sen Satz einmal mit dem Geschlechterverhältnis 17 : 1 in der Fortpflanzung und gleichzeitigen ersten Funden von Kriegen. Ich behaupte wohlweislich nicht, daß es ohne (urzeitlichen) Feminismus keinen Krieg gäbe, doch wäre das besser durch Indiziën belegt als die umgekehrte, aus bloßem Gefühl da­her­phan­ta­sier­te Behauptung Danischs, ohne Krieg gäbe es keinen Fe­mi­nis­mus. Danisch scheint ein Talent zu haben, sich unüberlegt um Kopf und Kra­gen zu plaudern, aber gerade solch unüberlegtes Dampfplaudern ist es, was sei­nen Blog bei ähnlich tickenden Zeitgenossen so populär macht, die echte Ana­ly­sen genauso eisig ignorieren wie Feministen es tun.3

Natürlich ist jede Deutung spekulativ, doch ich bin vorsichtig, weiß, was ich tu, unterscheide reine Spekulation von gesicherten Schlüssen, und gehe von Tatsachen aus. Nicht so Danisch. Der phantasiert ohne jede Kennt­nis der Fakten, ohne vorherige solide Recherche, unbegabt aus dem hohlen Bauch heraus, so wie es Feministinnen üblicherweise tun. Er selbst merkt gar nicht, wie ähnlich er denen ist, die er ja eigentlich ablehnt.

Wie wir gesehen hatten, hat die erste feministische Welle im 19. Jahr­hun­dert den Faschismus vorbereitet, mit frühfaschistischer Ästhetik und der Idee eugenischer weiblicher Zuchtwahl am Mann. Danisch behauptet wieder ein­mal das genaue Gegenteil der Tatsachen, nämlich daß Feminismus auf die Na­zis zurückgehe. Dummschwätzerei.

Was Danisch in dem Blogeintrag schrieb, ist wirres Zeug, aber gerade des­we­gen hoch geschätzt von ähnlich wirren Zeitgenossen, die meine Ana­ly­sen verschmähen, weil sie unbequem wirken, nicht ihrem Empfinden und Den­ken entsprechen. Leute wollen etwas lesen, das ‚mutig’ ausspricht, was sie selbst fühlen, sie bestätigt, Gedanken, die sie sofort einleuchtend finden. Dann reagieren sie entweder „Mööönsch, das habe ich doch schon immer ge­dacht. Endlich spricht es mal jemand aus.” oder „Oooh, wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen? Der Gedanke könnte von mir sein!”.

Meine Bücher werden verächtlich übergangen, weil sie verstören. Sie ent­spre­chen einfach zu wenig dem, das allgemein gedacht, gefühlt und ge­glaubt wird. Gerade das, was eine geistige Leistung daran ist, stört das Wohl­be­fin­den der Zeitgenossen, die gar nicht aufgeweckt werden wollen, gar kei­ne Lust haben, den schmerzhaften Prozeß zu durchlaufen, erkennen zu müs­sen, belogen worden zu sein. Also ignoriert man verächtlich den Boten mit der häßlichen, störenden Wahrheit, die ihr bequemes Leben durch­ein­an­der­wir­beln würde.

«Der Trieb, überall Nazis zu sehen und ihnen (und damit jedem weißen Mann) das Selbstverständnis entziehen zu wollen, sogar schon kleine Kinder um­er­zie­hen, ‚dekonstruieren’ zu wollen, ist wahnhaft. Sie leben in dem Wahn, daß alles, was nicht für sie ist, böse Nazis sein müssten. Ein Ver­fol­gungs­wahn. Normale Gespräche sind mit den Leuten nicht mehr möglich. Die sind in ihrer Nazi-Jagd gefangen.

Es gibt keine Gender Studies. Die sind nur die Legende zur Tarnung. Des­halb findet man da auch nur Gefasel, das ständig im Kreis herum ab­ge­schrie­ben und zitiert wird, garniert mit ein paar Dummtussen, die glau­ben, sie würden das studieren. Deshalb kann auch die HU nichts vorlegen, obwohl sie seit 10 Jahren angeblich forscht. Das ganze Fach ist eine Attrappe. Des­halb ist das auch irgendwie mit ‚Antifa’ verflochten.

Nazi Studies sind das, was da abläuft.»4 (Hadmut Danisch)

Gender Studies, die Danisch sonst zu recht als unwissenschaftlich und zen­tra­len Schaden von Hochschulen und Gesellschaft kritisiert, soll es plötz­lich gar nicht geben, nur eine Tarnung sein. Das passiert, wenn jemand in ei­nem populären Rant jahrelang assoziativ daherschwätzt, statt vernünftig nach­zu­den­ken. Das ähnelt sogar feministischem Geschwätz. Schlimm ist auch, daß solches Geschwätz heute beliebt ist, solider Arbeit mit ver­nünf­ti­gem Ergebnis vorgezogen wird.

Es ist schon seltsam, daß Publikum unsrer Ära, mit von vielen Ide­o­lo­gi­en weichgespültem Hirn, ausgerechnet auf Verschwörungstheoretiker her­ein­fal­len, sie begeistert in den Bloghimmel heben, aber solide Kritik verächtlich ignorieren. Hadmut Danisch begreift zwar, wie viele Zeitgenossen, punktuell Lü­gen, die gerade in Mode kommen. Schauen wir uns aber seine Er­klä­rungs­mu­ster an: Zuvor spekulierte er mehrfach, Feminismus und letztlich Fa­schis­mus seien auf den Kommunismus zurückzuführen. Er hat etliche solche Blog­ar­ti­kel geliefert, was ich bereits einmal widerlegt habe. Heute aber tischt er eine andere Erklärung auf, die seiner früheren Deutung widerspricht. Nun soll alles andere nur Legende zur Tarnung einer wahnsinnigen Rache an den Na­zis sein, die alles und jeden weißen Mann nazifiziert. Nun ist es eine durch­aus mögliche Fragestellung, ob es eine solche Besessenheit gibt oder nicht. Das ist jedoch ein heikles Thema. Denn wenn der Vorwurf nicht stimmt, landet eine falsche Vermutung rasch in einem judenfeindlichen (frü­her antisemitisch genannten) Sumpf. Sollte sie stimmen, wäre dagegen be­legt, daß solche Fanatiker einer ‚Rache an Nazis’ tatsächlich gefährlich und ei­ne Bedrohung wären. Den Gedanken führt Danisch nicht zuende, was sehr un­klug ist. Denn sonst würde er merken, daß solch ein Thema hoch­bri­sant ist und besser nicht leichtsinnig ohne Not und ohne Beweise losgetreten wird. So wissenschaftlich sich Danisch gibt, ist sein Denken hier selbst schwam­mig. Er kann von Glück sagen, daß ihn Widersacher der bekämpften Sei­ten nicht ernstnehmen, sonst stünde er mit solch unvorsichtigen Aus­las­sun­gen schlecht da.

Frage an Danisch: Wer soll denn deiner Meinung nach nun schuld sein: Der Kommunismus oder fanatische Nazijäger, die in jedem weißen Mann ei­nen Nazi wittern, wenn der nicht auf ihrer Seite steht? Beides geht nicht. Da­nisch, du widersprichst die genauso selbst wie der Feminismus.

Peinlich ist, wie schwammig Personen der feministischen Ära schon sind. Deshalb folgen sie begeistert Schwätzern, verachten aber, was Substanz hat, ihnen daher fremd ist, weil sie selbst längst keine Substanz mehr haben.

„Es gibt keine Gender Studies. Die sind nur Legende zur Tarnung.” Das ist die schönste Verschwörungstheorie seit 30 Jahren. Danke, Hadmut. Du stellst Erich von Däniken in den Schatten. Dabei ist es schade. Deine Tirade ha­ben immer wieder einen wahren Kern. Tatsächlich leben die von dir ka­ri­kier­ten Ideologen in einem Wahn, sind normale Gespräche mit ihnen kaum noch möglich. Nur ist es nutzlos, wenn das jemand schreibt, der sich ständig selbst widerspricht und Unsinn verzapft, der wie eine Verschwörungstheorie ge­fühlt, aber nicht sorgsam begründet ist.

Feminismus gibt es seit Jahrhunderten. Die erste Welle wurde im 19. Jahr­hun­dert geprägt und entwickelt viele ideologische Züge von heute. Der Fa­schis­mus hat eine Reihe von Zügen aus dem Feminismus erster Welle über­nom­men. (siehe erster Band der Flaschenpost) Daher ist es unsinnig, Fe­mi­nis­mus als Legende zur Tarnung der Nazijagd zu bezeichnen. Das wi­der­spricht der zeitlichen Reihenfolge. Danisch hat sich beim Assoziieren wieder mal auf die Schnauze gelegt. Seine Anhänger werden es abfeiern. Die sind of­fen­bar genauso schwammig im Hirn wie er selbst. Sein ständiges Reden von Wissenschaft, seiner damals vermasselten Doktorarbeit u.s.w., be­grün­den eben keine Wissenschaftlichkeit, die durch logische Konsistenz und Vor­ge­hen gezeigt wird, in seinen Phantastereien aber fehlt. Jedes Publikum kriegt die Publikumslieblinge, die es verdient. Das heutige Pu­bli­kum hat sich Leu­te wie Danisch erwählt, was viel verrät über die Qualität des Publikums.

«Und man hat die Universitäten, die Professoren, regelrecht zum Fut­ter­trog der Dummen, der Kriminellen, der Ideologenn, und viel schlimmer noch, der Geisteswissenschaftler gemacht5 (Danisch)

Ei­ne weitere Marotte von Hadmut Danisch ist, wiederholt Gei­stes­wis­sen­schaf­ten kollektiv anzugreifen und zu diskreditieren, insbesondere So­zi­o­lo­gie. Das ist unwissenschaftlich, unsachlich und ein rhetorischer Selbs­tmord. Geisteswissenschaften gibt es seit der Antike; sie gehören zur Wis­sen­schaft. Wer sie bekämpft, hat schon verloren. Es ist ein Fehler seiner Pri­vat­ide­o­lo­gie, der ihn bereits disqualifiziert. Dagegen habe ich z.B. den als Grün­der­va­ter der Soziologie geltenden Émile Durkheim zitiert, auch sonst einige gu­te alte soziologische und ethnologische Schriften, wohl aber gegen die seit ei­ni­gen Generationen fortschreitende Ideologisierung und Pervertierung von Gei­stes­wis­sen­schaft, vor allem durch feministische Fächer wie Frauen-, Gen­der- und verwandten Pseudofächern protestiert.

Der Unterschied: Völlig absurde Tiraden gegen Geisteswissenschaft als sol­ches werden hochgejubelt, brachten nach Danischs Aussage kürzlich 1 Mil­li­on Serverzugriffe an einem Tag; meine solide Arbeit ohne unzulässige, vor­ur­teils­be­la­de­nen Verirrungen werden seit Jahrzehnten totalignoriert.

«Und es ging in dem Vortrag – zu meiner Verblüffung, damit hatte ich nicht gerechnet – überhaupt nicht um Feminismus. Nicht um Gender. Nicht um Frauen. Nicht um Gleichstellung. Es wurde zwar ein paarmal am Rande an­ge­spro­chen, wie dankbar man dem Feminismus sein müsse, dass er auf Pro­ble­me hingewiesen und die aufgedeckt habe. Und der Vortrag endete als Play­do­yer für Feminismus als Allheilmittel für generell alle Übel der Welt im All­ge­mei­nen und natürlich jedes jeweilige im Besonderen. Aber inhaltlich ka­men Frauen und Feminismus in dem Vortrag überhaupt nicht vor.

Es war ein Vortrag über Nazis.

Nur über Nazis.

Nazis, Nazis, Nazis, nichts als Nazis. Die dümmsten, dämlichsten, ab­sto­ßend­sten, widerlichsten, ekelhaftesten Nazis, die man in den USA und in Schwe­den finden konnte. …

Der Vortrag hieß aber nicht „Die dümmsten Nazis der Welt”. Er hieß auch nicht „Auch heute gibt es Extrem-Nazis”. Auch nicht „Nazis sind der letz­te Müll”.

Der Vortrag hieß „Angry White Men – American Masculinity at the End of an Era”.

Die Aussage war: Seht her, das sind die Leute, die mit Feminismus und Gleich­stel­lung nicht einverstanden sind. …

Mit Frauen und Feminismus hat es eigentlich gar nichts zu tun (weshalb auch die Begründungslage nicht nur dünn, sondern nichtexistent ist). Fe­mi­nis­mus ist nur das Vehikel, die Masche, die Fassade. Feminismus ist das, wor­auf man stößt, wenn man das Gegenteil, das Komplement von Nazis sucht.»6(Hadmut Danisch)

Wer ständig mit seiner Promotion in Informatik angibt und MINT preist, soll­te logisch denken, skeptisch prüfen und schlußfolgern, aber nicht im fe­mi­ni­sti­schen Stil wilde, unüberlegte Angriffe loslassen. Laut seiner Theorie, die Danisch in diesem Blog-Rant bauchfühlt wie eine Feministin, ist Fe­mi­nis­mus nur ein Vehikel für eine Entnazifizierung und Rache an den Nazis, zu de­nen alles ungenehme Denken erklärt wird. Nicht alle Vorurteile sind ganz falsch, sonst könnten sie nicht Massen verblenden. Derzeit wird von einem zu­sam­men­bre­chen­den Regime die Nazikeule als letzte Zuflucht benutzt, um je­de echte Opposition auszuschalten und sich so ihre Macht zu sichern. Des­we­gen mag so eine Tirade suggestiv wirken. Das verschleiert jedoch, daß Had­mut Danisch blühenden Unsinn fabuliert, weil er keine Ahnung vom The­ma hat, was bei genauso ahnungslosen, weil uninformierten, Lesern be­stens ankommt. ‚Ach, der fühlt ja so wie ich’ heißt es dann.

Wie schon erwähnt, gab es klassische feministische Wellen seit dem 19. Jahr­hun­dert; sie gingen zeitlich dem Faschismus voraus, lieferten diesem Me­tho­den und Hysterie. Danischs Behauptung ist also eklatant falsch. Wenn wir protofeministische Wellen hinzunehmen, können wir die Spur bis in die Ur­zeit zurückverfolgen, in die Steinzeit Neuguineas, wo Frauen eines von ra­di­ka­len Feministinnen bejubelten Stammes jahrzehntelang alle männlichen Kin­der umbrachten und nur noch Töchter großzogen, bis zu einer Ka­ta­stro­phen­zeit vor 8000 Jahren, als auf 17 Mütter laut einer genetischen Studie wohl nur 1 Vater kam, weltweit.

Jetzt kommt der Hammer:

«Und jetzt kommt der Hammer.

Die Frage ist, warum der das macht. Warum ist der auf dem Nazi-Jäger-Trip? Warum tarnt der das so? Und warum redet der unentwegt von „Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit”, obwohl es weder um Geschlechter noch (scheinbar) um Gerechtigkeit geht?

Die Antwort auf diese dort nicht gestellte Frage hat er von sich aus selbst gegeben. Er sagte, er ist Jude. Er sagte es nicht einmal. Und nicht ein­fach nur so. Er sagt es mehrfach, öftes, als es nötig wäre, um die In­for­ma­ti­on mit­zu­tei­len. Er sagt es wie eine Rechtfertigung. Er sagte es mit Wut im Bauch. Er sagte es so, dass klar wurde, dass er das eine nicht vom anderen trennt, sondern daß das seine Motivation ist. …

Das also ist des „Pudels” Kern, um sich des Wortes doppelter Be­deu­tung zu bedienen. Diese ganze Schwulen-, Feminismus-, Gender- und Gleich­stel­lungs­num­mer ist nichts anderes als ein Tarnprogramm für so eine Art Rache an den Nazis, ein Angriff auf deren Ideale. Die gesellschaftliche Ent­wer­tung all ihrer Werte. Den Umbau der Gesellschaft in eine, in der nichts von dem, womit sich Nazis identifizieren, noch etwas wert sein darf, um Nazis das Konstituierende, die Existenzgrundlage zu entziehen. …

Und plötzlich habe ich den konkreten und greifbaren Beleg für das, was ich im April schon vermutet hatte. Ein Leser hatte mich darauf gebracht, dass in der Familie der Extrem-Feministin und Verfassungsrichterin Baer das The­ma Holocaust sehr präsent ist, und der Nachname Baer bei jüdischen Fa­mi­li­en weit verbreitet ist. Da – und wegen anderer Hintergründe – hatte ich schon vermutet, dass der Feminismus und Genderismus nur eine Fassade ist, und es in Wirklichkeit um ein Entnazifizierungsprogramm geht, das von den USA aus gesteuert wird.

Es geht nicht um Frauen. Es geht nicht um Gleichberechtigung. Es geht nicht um Gender. Es geht allein darum, jede Eigenschaft, die man als Nazi-ty­pisch und als Teil deren Selbstverständnisses ansieht, als wertlos und ver­ach­tens­wert anzusehen.»7(Hadmut Danisch)

Jetzt sind wir nicht mehr weit weg von einer modernen Variante der Ver­schwö­rungs­the­o­rie des „Rates der Weisen von Zion”, die einem fiktiven Ro­man entstand, der möglicherweise eine private literarische Rache an einer Per­son war, über die sich der Schriftsteller geärgert hatte; später wurde das Ka­pi­tel ohne Quellenangabe herausgenommen und falsch behauptet, es sei kein Roman, sondern ein wirklicher Plan.

Danisch merkt nicht einmal,wie er sich in wirren Ergüssen verheddert. Jetzt führt er den ganzen Feminismus auf eine „Rache an den Nazis” zurück, und dieses wiederum darauf, daß ein Redner mehr als nötig herausstellt, Jude zu sein, was seine Wut erkläre. Das wälzt Danisch dann weiter aus, indem er spe­ku­liert, die von ihm scharf abgelehnte feministische Verfassungsrichterin ent­stam­me einer Familie, in der das Thema Holocaust sehr präsent sei, und ha­be einen Nachnamen, der bei jüdischen Familien weit verbreitet sei. Das ist eine Kette unbewiesener Assoziationen und Verdächtigungen. Sowohl die As­so­zi­a­ti­on, der Name könne jüdisch sein ist reine Spekulation, als auch die an­geb­li­che Präsenz des Themas Holocaust in der Familie der Ver­fas­sungs­rich­te­rin. Aus diesem Stoff sind Vorurteile. Die manichäische Weltsicht sei­nes Artikels ist die eines Kampfes von Nazijägern gegen den Rest der Welt, wo­mit der Zustand der Welt erklärt werden soll. Es braucht nicht viel Scharf­sinn, um die logische Struktur solcher Denke ziemlich deftig zu cha­rak­te­ri­sie­ren.

Das Problem ist dabei nicht Antisemitismus, den ich ausdrücklich nicht vor­wer­fe; diese Keule zücke ich nicht. Mir ist ziemlich egal, was Danisch schreibt, aber es sollte Sinn und Verstand haben. In einer freien, vernünftigen Ge­sell­schaft darf man jeden kritisieren, wenn es sachlich, reflektiert und gut be­grün­det geschieht, einschließlich Juden und jüdische Organisationen. Doch das ist weder sachlich, reflektiert noch gut begründet, sondern ein Wust wil­der, un­ge­prüf­ter As­so­zi­a­ti­o­nen, mithin genau der Stoff, aus dem Vorurteile zu ent­ste­hen pflegen. Nun geht Danisch wohl nicht in die Richtung von Vor­ur­tei­len gegen Juden; aber sein Stil ist ja sonst genauso, wenn es um andere Per­so­nen­kreise und Themen geht. Sein Stil und seine Vorgehensweise ist vom Niveau unterirdisch, was es schlimm macht, daß ausgerechnet so etwas sich vor wenigen Tagen brüsten konnte, eine Million Serverzugriffe an einem Tag gehabt zu haben.

Andere Themen sind oft genauso leichtfertig und oberflächlich da­hin­ge­hackt. Es ist sein Stil und Erfolgsrezept. Es stimmt etwas mit dieser Ge­sell­schaft nicht, wenn solcher Müll beliebt ist, dagegen solide, tiefe Tabus bre­chen­de Literatur und gut überlegte Argumente völlig ungelesen ignoriert wer­den. Gewiß, ein Arbeitstag ist lang und ermüdend; danach sinken viele dann in einen Sessel, um sich vom Fernsehen belätschern zu lassen, das zu ähn­lich unsachlichem Stil verzieht. Ernsthafte Lektüre mit anstrengenden Ge­dan­ken wären wohl oft zu mühsam nach Feierabend.

Doch zusätzlich jubelt dergleichen eine Pseu­do­män­ner­be­we­gung hoch, die meine derzeit 31 gut durchdachten Bücher ungelesen ignoriert. Jeder sol­che (vorurteilsbeladen geschwafelte) Beitrag wird von einer Pseu­do­män­ner­sze­ne auf Twitter verbreitet, so wie alle meine (solide recherchierten) Bei­trä­ge ignoriert werden. Halleluja. Die Pseudomännerszene wird wegen ihrer Ni­veau­lo­sig­keit jede ernsthafte Auseinandersetzung verlieren.

Wer mir jetzt vorwirft, Streit zu suchen: Der Vorwurf ist falsch. Ich su­che keinen Streit, bin aber gezwungen, auf totale Ausgrenzung und völliges Ig­no­riert­wer­den wesentlicher Argumente in Büchern zu reagieren. Gäbe es kei­ne Ausgrenzung, wäre es mir wurscht, was andere schreiben. Doch wenn po­pu­lä­rer Schwachsinn hochgejubelt wird von Leuten, die wichtige neue An­sät­ze vollständig durch Ignorieren unterdrücken, ist ein Konflikt un­ver­meid­bar. Die Leute, die sich jetzt angegriffen fühlen mögen, haben selbst schuld. Hät­ten sie nicht unsolidarisch totalignoriert, gäbe es solche Konflikte nicht. Wenn Leute, die für benachteiligte Männer einzutreten vorgeben, selbst Männer diskriminieren, und zwar ausgerechnet ihren eigenen stärksten Vertreter, der sich für die von ihnen vernachlässigten diskriminierten männlichen Verlierer einsetzt, dann trifft sie die nötige Kritik zu recht.

Fußnoten

1 https://www.jstor.org/stable/pdf/3178170.pdf?seq=1#page_scan_tab_contents

2 https://www.danisch.de/blog/2019/07/08/titel-thesen-temperamente-und-die-mondlandung/

3 Das läßt sich noch weiter vertiefen. Die Tochter eines Missionars, die einen großen Teil ihrer Kindheit bei einem erst vor kurzem entdeckten Stamm Neu Guineas verbracht hatte, beschrieb ihre Erlebnisse in Büchern. Anderes steht bei Ethnologen: Steinzeitstämme hatten außer geschlechtlicher Arbeitsteilung klare Tabus, die Männer aus weiblichen Gruppen hielten, was übrigens meist stärker erfolgt als umgekehrt, aber auch Frauen aus Männerbünden, insbesondere deren männlichen Zeremoniën. Sie achteten darauf, weil sie sich vor den Folgen einer Übertretung fürchteten. Dann lernten sie von der Missionarsfamilie, daß es auch anders ginge, diese zwar auch Fehler machten, aber dennoch miteinander versöhnten und klarkamen. Daraufhin gewannen sie Zutrauen, gaben die alten Formen und Regeln auf, so wie sie den neuen Glauben annahmen. Wenn wir uns nun anschauen, wie unsre Gesellschaft rasch in eine feministische Diktatur abrutscht, so waren die Warnungen der Steinzeitmenschen offenbar berechtigt. Entweder waren sie eine ritualisierte Erinnerung an die Katastrophe kurz nach Ende der Eiszeit, als 17 Mütter auf 1 Vater kamen, oder sie waren ritualisierte Erfahrung jüngerer Zeit. Jedenfalls könnte der Ausgleich durch Geschlechterergänzung und männliche Rituale auch für uns lebensnotwendig sein, wenn wir nicht in irrationalen Hysteriën und zunehmendem Feminismus untergehen wollen.

4 https://www.danisch.de/blog/2014/06/25/ein-boesartiger-vortrag-eines-boesartigen-professors/

5 https://www.danisch.de/blog/2019/09/22/die-erfolgreich-erfolgte-selbstvergiftung-der-professoren/

6 https://www.danisch.de/blog/2014/06/25/ein-boesartiger-vortrag-eines-boesartigen-professors/

7 https://www.danisch.de/blog/2014/06/25/ein-boesartiger-vortrag-eines-boesartigen-professors/

Deichmohle zu Hadmut Danisch: Der Hang von Zeitgenossen feministischer Ära zu oberflächlicher Polemik

zu Hadmut Danisch: Der Hang von Zeitgenossen feministischer Ära zu oberflächlicher Polemik

Heute antworte ich (bis kurz vor Schluß) Satz für Satz auf einen Blogartikel von Hadmut Danisch, weil es nötig erscheint, eine bislang zu oberfächliche Debatte genau genug zu analysieren, um Denkfehler zu vermeiden.

Obwohl schon lange aktiv, habe ich aus beruflichen und privaten Gründen die Zeit zwischen 2000 und 2014 verpaßt; als ich im Internet wieder auftauchte, waren alle Nischen besetzt, die zuvor starke Stellung verloren.

Konsequente Feminismuskritik ist verschwunden; in der Zwischenzeit haben sich die einen mit dem vermeintlich unvermeidbaren abgefunden, andere sind nicht mehr unter uns, die übrigen mit dem alten Radikalfeminismus aufgewachsen und halten ihn für ‚normal’.

Einher mit diesem Wandel geht der Verlust an Format. Tiefe geistige Durchdringung und seriös begründete Theoriebildung und Argumente zählen nicht mehr. Wer das tut, findet einfach keine Leser, weil es den Leuten zu mühsam ist, sich hineinzudenken. Was heute geht, ist oberflächliche Polemik, Schaumschlägerei bis hin zur Verschwörungstheorie, eine unterhaltsame Verflachung bis an die Grenze von Cartoon oder Komik. Sowas wird gern hochgejubelt und zum Erfolg. Viele finden es wunderbar und teilen in Massen. Wer erfolgreich sein will, paßt sich dem Zeitgeschmack an.

«„Emotionen, Suchtverhalten und Triebe”
Hadmut 11.3.2018 13:32»1 (Hadmut Danisch, „Emotionen, Suchtverhalten und Triebe”, 11.3.2018)

Eine vielversprechende Überschrift. Lesen wir aufmerksam.

«Über Reptiliengehirne, warum man Soziologen den Hintern versohlen sollte und warum Dorothee Bär schon vor Amtsantritt nach Fehlbesetzung riecht.» (a.a.O. Danisch)

„Warum man Soziologen den Hintern versohlen sollte”: Das ist unsachlich und wird persönlich – ein typischer Fehler auch feministischer Argumentation. Zudem ist es eine verbale Drohung und damit ein Teil der allgemeinen Verrohung von Debatten.

„schon vor Amtsantritt nach Fehlbesetzung riecht” – wieder ein typisch schlechtes Argument, mit dem Feminismuskritiker seit 150 Jahren immer wieder verlieren: Etwas im voraus wissen zu wollen, ist ungeschickt. Sollte sie es packen, hätte der Kritiker sich nämlich blamiert. Sowas soll vorkommen. Daher ist es ratsam, erst einmal abzuwarten, Menschen aufgrund ihrer Taten zu beurteilen, aber nicht vorneweg.

Doch oberflächliche Zeitgenossen, die in Polemik und Oberflächlichkeit verliebt scheinen, finden sowas offenbar toll und fliegen solche Tiraden an wie Motten das Kerzenfeuer. Ob sie sich mit solchen ungeschickten Argumentationsweisen immer wieder die Flossen versengen, scheint den Motten egal zu sein.

«Das ist ja seit Jahren ein Thema hier im Blog: Ich halte Soziologen für weitgehend inkompetente Dampfschwätzer, die in ihrer Unfähigkeit Moden hinterherquatschen und gerne so achtkantig schwafeln, daß man nicht merkt, daß sie entweder nichts sagen oder es falsch ist, und oft sogar beides.» (a.a.O. Danisch)

Halleluja. Wenn das die Elite unsrer Feminismuskritiker ist, dann können wir einpacken. Der Absatz ist selbst, was er Soziologen vorwirft. Man sollte niemals sinnlos pauschalisieren oder gegen einen ganzen Berufsstand herziehen. Das werden nämlich Soziologen (später wird gar allgemein von Geisteswissenschaftlern gesprochen) nicht lustig finden. Was würden wir wohl denken, wenn jemand pauschal über alle Handwerker oder alle Künstler herzieht? Die einzig korrekte Argumentation ist, die starke Durchdringung der Geisteswissenschaft – und keineswegs nur der Soziologen, was eine grundlose Beschränkung darstellt – mit feministischer, linksradikaler, genderistischer und globalistischer Ideologie zu kritisieren. Wer ein ganzes Fachgebiet angreift, ist inseriös, könnte genauso gut laut rufen: „Hallo, ich will gerade Vorurteile gegen einen ganzen Berufsstand verbreiten. Glaubt mir bitte, ich bin ganz ganz seriös.”

«Der zentrale Kern meines Grolls gegen diese Meschpoke ist» (a.a.O. Danisch)

Der Stil in den häufigen Polemiken Danischs ist oft so unsachlich, daß ich mich frage, wieso gerade der so viel gelesen wird. Solche Unsachlichkeit legt nahe, daß nichts vernünftiges zu erwarten sei. Vielleicht tut er das, weil es bei vielen ankommt. Dann spricht es nicht gegen Danisch, der nur tut, was erfolgreich ist, sondern gegen die Oberflächlichkeit zeitgenössischer Leser, die eine Publikumsbeschimpfung verdienen. Immerhin muß ich Danisch hier jetzt verteidigen, denn ich sitze ja als Buchautor und Blogschreiber, der versucht, journalistische Aufgaben zu erfüllen, die von gleichgeschalteten Gesinnungsmedien nicht wahrgenommen werden, im gleichen Boot wie er. Genauso wie Danisch kenne ich den Druck, so zu schreiben, wie es ankommt, damit Blogartikel und Bücher nicht ungelesen vergammeln. Auch meine Sprache ist daher polemischer geworden, wie auch an diesen Sätzen abgelesen werden kann. Somit kann ich nachvollziehen, weshalb er in diese Richtung geht und gehen muß. Doch sollte man dem Geschmack von der feministischen Ära verdorbener und verblödeter Zeitgenossen (ja, ein polemischer persönlicher Angriff, aber eine Publikumsbeschimpfung ist überfällig) nicht so weit folgen, daß man argumentativ schwere Fehler begeht. Die Soziologie als Wissenschaft anzugreifen ist solch ein schwerer Fehler. Ich habe großen Respekt vor Gründern wie Émile Durkheim, auf den ich mich in einem Buch übrigens berufen habe.

«daß die mit Wissenschaft nichts zu tun haben, völlig anspruchslos sind, frei erfundenem „philosophischem” Phantasiegegacker hinterherrennen und schon an grundlegender Methodik scheitern, etwa Koinzidenz, Korrelation und Kausalität nicht auseinanderhalten können, schlimmer noch, es nicht auseinanderhalten wollen.» (a.a.O. Danisch)

Die Beschreibung ist schon treffend, aber nicht für die Soziologie als solche, sondern für feministische Unwissenschaft, wie ich seriös aus grundlegenden feministischen Werken ihrer ‚Wissenschaftstheorie’ nachgewiesen habe. Doch das will keiner lesen. Fakten sind verblödeten Zeitgenossen, die feministisch von klein auf weichgespült und gehirngewaschen worden, zu langweilig und mühsam. Vom Feminismus hervorgebrachte verkorkste Generationen lesen lieber lustige Polemiken, auch wenn noch so grobe Schnitzer drin sind. Ja, dies ist eine Publikumsbeschimpfung! Nicht Danisch, der sich in seinen Analysen des feministischen Filzes als intelligenter Mann zeigt, steht hier am Pranger, sondern Leser oder Nichtleser, denen es an dem Format fehlt, das Männer einst auszeichnete.

Auch linksradikale Soziologen haben Wissenschaft zur Ideologie verdreht, so wie der Marxismus-Leninismus als ‚Studienfach’ im einstigen kommunistischen Ostblock. Es ist jedoch gefährlich daneben geholzt, dies auf ein ganzes Fachgebiet zu verallgemeinern, das einst in Zeiten Durkheims vernünftig war. Dagegen läßt sich beweisen, daß feministische Fächer tatsächlich von Grund auf auf unwissenschaftlicher Methodik gründen und daher vollständig abzulehnen sind. Was Danisch hier tut, ist daher schädlich und gefährlich: Er pauschalisiert unzulässig gegen die Soziologie als solche, was seine Argumentation unglaubwürdig macht. Von weiten Kreisen wird er deswegen schlicht nicht ernstgenommen werden können. Gleichzeitig mißbraucht er so ein an sich gutes und richtiges Argument, denn die feministischen Unwissenschaften sind tatsächlich von Grund auf Unsinn und müssen vollständig als Quatsch abgewickelt werden wie Marxismus-Leninismus oder faschistischer Antisemitismus als Lehrfach. Das wird aber nicht gelingen, wenn Leute in blindem Zorn wie Danisch zuvor die gesamte Soziologie angegriffen haben und damit ihre Argumentation unglaubwürdig machen. Solcher Übereifer gegen die falschen schadet.

«Soziologen sind politisiert, seit etwa 90 Jahren massiv marxistisch ausgerichtet, oft nur noch eine Tarnbezeichnung für Marxismus, haben nicht Wissen, sondern Gesellschaftsveränderung als Ziel, und behaupten – und viele glauben es auch – daß der Mensch ohne biologische, neuronale, hormonelle Eigenschaften auf die Welt käme, daß alles nur anerzogen, ansozialisiert und beliebig umprogrammierbar wäre. Soziologie ist in weiten Teilen nur noch die Propaganda zur Durchsetzung politischer Ziele, und wissenschaftliche Denkfehler werden nicht nur aus Unfähigkeit begangen, sondern als rhetorisches Mittel zur Täuschung eingesetzt. So entstanden die Gender Studies und sind auch immer noch Auswüchse der Soziologie.» (a.a.O. Danisch)

Als Mann, der immer wieder darüber klagt, in seiner akademischen Laufbahn als Informatiker aus zwielichtigen politischen Gründen abgesägt worden zu sein, dürfte Danisch intelligent genug für eine korrekte logische Arbeitsweise sein, wenn er sich nicht so gehen ließe, wie es Feministen aufgebracht und in der Gesellschaft verbreitet haben. Leider hat die Schädigung durch Feminismus Männer von Format aussterben lassen. In seiner Tirade ist dem Herr Danisch die Bedeutung eines wichtigen Wortes entgangen: „noch”. Es impliziert nämlich, daß Soziologie vorher etwas anderes gewesen ist. Das ist entscheidend. Damit fällt nämlich die gesamte Argumentation Danischs logisch in sich zusammen.

Offenbar ist Herr Danisch der Ansicht, Feminismus oder Gender Studien seien aus der Soziologie hervorgegangen, was grober Unsinn ist. Die Idee, Geschlechter und ihre kulturellen Aufgaben seien nur Produkt der Erziehung, des Erlernens oder der Gesellschaft, entstammt nicht der Soziologie, sondern feministischen Wellen. Meine Schriften verfolgen die Spur bis vor 1800 zurück. Offenbar kennt Herr Danisch die Schriften und Grundthesen Émile Durkheims nicht. Das braucht er auch nicht als Informatiker. Doch wenn er die Klappe aufreißt und gegen Soziologen wettert, dann sollte er das wissen und verstehen, verdammt noch mal. Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten? Wo der gewinnt, der mit den besten Kraftausdrücken um sich schmeißt? Wo eine lustige Polemik Sachverstand aus dem Feld schlägt? Gerade jemand mit der Bildung eines Informatikers sollte in der Lage sein, das besser zu machen.

Übrigens, Überraschung: Ich habe mich ausgerechnet zum Thema Geschlechterrollen auf Émile Durckheims Soziologie berufen. Er schreibt nämlich, daß diese natürlich und grundlegend sind für Gesellschaft und Arbeitsteilung überhaupt. Es ist also kompletter Unsinn, wenn ein Herr Danisch, der sich nicht ausreichend informiert hat, über die Soziologie allgemein ablästert, weil diese Geschlechter als reine soziale Erfindung abtue und Gender hervorbringe, wenn der Gründer des Fachgebietes das genaue Gegenteil vertreten hat.

Dumm ist nur, daß solche falsche und oberflächliche Polemik ankommt, viele Leser findet, allgemein beliebt ist, dagegen richtige Analysen zu kompliziert, langweilig oder dem Zeitgeist fern erscheinen und gemieden werden. Schon in meinem ersten Buch „Kultur und Geschlecht” habe ich die Bedeutung und Natürlichkeit der Geschlechter unter anderem auch mit Émile Durkheim, einem Gründer der Soziologie, belegt. Doch das interessiert keinen. Publikumsbeschimpfung nötig! Unsinn wird lieber gelesen als durchdachte Analyse.

«Ich habe in den letzten Jahren eine Reihe von Blog-Artikel darüber geschrieben, daß ich das ganz anders sehe und daß ich das auch auf eine Vielzahl von Forschungsergebnissen der Biologen, Neurologen, Endokrinologen und Evolutionspsychologen stütze, die inzwischen eine so hohe Dichte angenommen haben, daß man sagen kann und eigentlich auch sagen muß, daß die Gender Studies und weite Teile der Soziologie, und in der Weiterung sogar der Marxismus, die alle zusammen gar keine Belege haben und vorlegen können, als komplett und systematisch falsch erwiesen und widerlegt sind. Im Prinzip sind die nicht nur als „Wissenschaftler” völlig gescheitert, sie sind als Tarnfirma der Geheimdienste und Regierungen aufgeflogen.» (a.a.O. Danisch)

Ja, das meiste stimmt und unterstütze ich. Bei mir sind es sogar Jahrzehnte, in denen ich geschrieben habe, daß ‚Frauenforschung’ in allen Spielarten, einschließlich Genderstudien, Unwissenschaft und Hokuspokus und restlos abzuwickeln sind. Nur sollte man dann nicht ein ursprünglich vernünftiges Fachgebiet mit angreifen, durch Pauschalisierung seine eigene Glaubwürdigkeit beschädigen. Hier spricht Danisch von „weiten Teilen der Soziologie”. Das ist schon besser als die Soziologie insgesamt und diskutierbar. Ungeschickt bleibt es. Denn die Soziologie ist gewiß in weiten Teilen feministisch und marxistisch umgekrempelt und korrumpiert worden, doch es ist ein logischer Unterschied, ob „weite Teile der Soziologie” kritisiert werden oder vielmehr das Umkrempeln und Korrumpieren der „weiten Teile der Soziologie”. Sollte ein Informatiker nicht logisch genug denken, diesen entscheidenden Unterschied zu bemerken?

„daß ich das ganz anders sehe” – zu persönlich! Wie Herr Danisch das sieht, spielt in der Debatte keine Rolle, das ist seine Privatsache und kein Argument gegen den feministischen und marxistischen Filz, den er löblich in seinem Blog angeht. Das ist an sich ja dankenswert.

«Ich bin kein Biologe und kein Hirnforscher. Trotzdem fand ich einige der Aspekte überaus interessant und erhellend, und habe diverse Artikel über Hirnfunktionen, vor allem die Amygdala geschrieben, bei der das fortschreitende Verständnis von deren Funktionen eine völlig andere Sicht und Erklärung der Verhaltensweisen von Menschen liefert, als die Soziologen es behaupten.» (a.a.O. Danisch)

Das wäre völlig richtig, wenn ein Wort gestrichen wird: „die”. Es sind eben nicht alle Soziologen, die das behaupten, und folgt nicht aus der Soziologie. Wer so unzulässig verallgemeinert, glaubt irgendwann auch an Verschwörungstheorien.

«Kennt Ihr das Gefühl, wenn ihr an der Bar ein Glas Milch bestellt und der Barkeeper antwortet, man solle doch gleich eine ganze Kuh nehmen, sei gerade kostenlos im Angebot, und einem gleich das ganz Rindvieh rüberreicht?» (a.a.O. Danisch)

Es liegt wohl am heutigen Publikum (Beschimpfung!), daß lustige Polemik mit Gedankensprüngen mehr zieht als solide Argumentation. Dafür kann Herr Danisch nichts.

«„Schon in den vergangenen Monaten häufte sich die Kritik an Plattformen wie Facebook, Instagram und YouTube. Der ehemalige Facebook-Präsident Sean Parker sagte, das Netzwerk sei konzipiert, ‚Schwächen in der menschlichen Psyche auszunutzen’. Der frühere Facebook-Manager Chamath Palihapitiya warnte vor den ‚kurzen, dopamingetriebenen Feedbackschleifen’, die unser soziales Miteinander veränderten. Der Autor Franklin Foer schreibt in seinem aktuellen Buch von einer ‚Welt ohne Verstand’, und Tristan Harris glaubt, daß die Entwickler von vornehmlich drei Firmen – Facebook, Google und Apple – über die Aufmerksamkeit von Milliarden Menschen verfügen.

Die Suche nach den dunklen Mustern

‚Die Plattformen sprechen einen Teil des menschlichen Gehirns an, der auch Reptiliengehirn genannt wird und für Emotionen, Suchtverhalten und Triebe verantwortlich ist’, sagte die Interface-Designerin Elayne Safir in einem Panel auf dem SXSW. Sie ist Teil einer Gruppe von Designern und Entwicklerinnen, die sich Choice Architects nennt und die Probleme von sozialen Netzwerken, aber auch von Apps und Websites untersucht.

Eines dieser Probleme sind laut Safir sogenannte dark patterns, also dunkle Muster. Dabei handelt es sich um Designentscheidungen, die einzig dazu dienen, die Nutzer unbewußt zu einer Aktion zu bewegen (und damit letztlich Umsatz zu machen). Das bekannteste Beispiel sind etwa Likes, die es in praktisch jedem sozialen Netzwerk gibt.”» (a.a.O. zitiert von Danisch)

Das ist interessant. Jedoch ist es nichts neues. Psychologische Beeinflussung ist seit jeher Ziel moderner Werbung, die bereits in den 1920er Jahren Blüten trieb. Richtig ist auch, daß solche Mittel von Diktaturen jeglicher Richtung systematisch mißbraucht werden.

«Grundsätzlich ist das nicht neu, man kennt es auch als „Nudging”, und Angela Merkel sieht das als Regierungsform an. Orwell läßt schön grüßen.

Das paßt ziemlich gut zu meinen bisherigen Beobachtungen und Schlußfolgerungen.

Und es heißt, daß die einzig befähigten Soziologen eben die Biologen, die Neurologen, die Evolutionspsychologen und die Endokrinologen sind, aber nicht die „Soziologen” und schon gar nicht die Gender-Spinner. Entgegen geisteswissenschaftlicher Auffassung werden wir nicht nur mit einem Körper geboren, sondern auch mit einem Gehirn. Wir sind keine Gespenster, die nur sozialprogrammiert werden.» (a.a.O. Danisch)

Den ersten Sätzen stimme ich zu. Doch dann folgt wieder die unzulässige Verallgemeinerung „die einzig befähigten Soziologen”. Gewiß läßt sich argumentieren, daß exakte Wissenschaften eine Beweisbarkeit haben, die Geisteswissenschaften abgeht. Daher sind nachprüfbare Ergebnisse exakter Wissenschaften aussagekräftiger als Behauptungen, die aus geisteswissenschaftlichen Theorien folgen. Doch hier liegt wieder die in Danischs Artikel übliche Verengung auf ‚Soziologie’ vor: tatsächlich gilt das für alle Geisteswissenschaften. Daraus folgt aber keineswegs, wie Danisch unterstellt, Geisteswissenschaftler seien per se nicht befähigt, wenn sie keine Methodik exakter Wissenschaften benutzen. Das ist eine unsinnige Unterstellung, die Danischs Denken leider zu prägen scheint. Tatsächlich bringen Künstler und Geisteswissenschaftler wertvolle kulturelle Leistungen hervor. Im zweiten Weltkrieg wurde Churchill gefragt, ob sich das ums Überleben kämpfende britische Empire die Ausgaben für Künstler leisten könne. Er soll sinngemäß geantwortet haben: „Wenn wir die Künste aufgeben, wofür kämpfen wir dann?” Das Problem liegt in der feministischen, marxistischen und ideologischen Unterwanderung aller Geisteswissenschaften, und keineswegs nur der Soziologie. Mal pauschalisiert wer, wo es unzulässig ist, mal wird falsch auf die Soziologie eingeengt. Er scheint sich emotional in die Soziologie verbissen zu haben – auch das ist Methodik, wie sie von Feministen aufgebraucht und dann in der Gesellschaft verbreitet wurde.

Völlig richtig ist wieder, daß wir nicht nur sozialprogrammiert werden. Darin stimmen wir völlig überein. Allerdings versuchen machthabende Ideologen das Gehirn, mit dem wir geboren werden, massiv und naturwidrig umzuprogrammieren, worin sie leider aufgrund undemokratischen Machtmißbrauchs ziemlich erfolgreich sind.

«Wissenschaftlichkeit ist im Prinzip das Kennen, Erkennen und Beherrschen solcher Denkfehler.» (a.a.O. Danisch)

Der Satz ist nicht falsch, aber auch nicht richtig. Wissenschaftlichkeit beruht auf den grundlegenden Prinzipien, die Feminismus als ‚patriarchalisch’ zerstört hat: Objektivität, Sachlichkeit, Überprüfung von Annahmen und Ergebnissen durch Experimente u.s.w. Wissenschaft ist eine kritische Methode. Wissenschaftliche Methodik führt zu einer wissenschaftlichen Debatte, aus der heraus Denkfehler und falsche Annahmen erkannt und behoben werden. Ideologie‚wissenschaft’ betreibt das genaue Gegenteil, geht von falschen Annahmen aus, die wie ein Dogma das ganze Gebäude begründen und niemals in Frage gestellt oder überprüft werden.

«Was ich in den letzten 6 Jahren in Geisteswissenschaften und vor allem der Genderei gesehen habe, ist genau das Gegenteil: Die Aufgabe jeder Rationalität und das korrupte Hineinsteigern in diese Denkfehler.» (a.a.O. Danisch)

Völlig richtig. Nur ist mir das zu subjektiv. Ich arbeite seit Jahrzehnten daran und weise nach. Es ist etwas anderes, ob irgendwer etwas sieht: „Was ich … gesehen habe”, oder ob jemand akribisch aus den Quellen nachweist, wie ich das bereits in den 1990er Jahren getan habe. Wichtig ist auch, die Ursache klar zu benennen: Weder Soziologie noch Geisteswissenschaften im allgemeinen, sondern feministische Wellen haben diese Unsachlichkeit, falsche Annahmen und unwissenschaftliche Methodik absichtlich verbreitet. Unabhängig von ihnen haben Marxisten ähnliches getan, aber bei weitem nicht so erfolgreich.

Übrigens habe ich während meines Studiums der Mathematik im Mathematischen Institut, das in den 1930er Jahren erbaut worden war, ein Buch aus der faschistischen Zeit gefunden, in dem ein offenbar glühender Nationalsozialist wütend gegen die Wissenschaft polemisiert hat. Er behauptete, der Gebrauch bestimmter Zahlensysteme habe etwas mit Rassen zu tun, wobei das ‚gute’ Zehnersystem der eigene ‚Rasse’ zugeschrieben wurde, ein anderes, ‚schlechteres’ den ‚Semiten’. Das war völliger Humbug, rassistischer Quatsch, begründet vor allem mit polemischen Ausfällen. Ich finde es gar nicht gut, daß in der heutigen Zeit Polemik wieder dabei ist, Sachlichkeit zu verdrängen. Allerdings besteht ein großer Druck, weil das Publikum sachliches mit Verachtung straft, Polemik dagegen witzig, unterhaltsam und ‚menschlicher’ findet, was eigentlich unsinnig ist. Wichtig ist ein logisch korrektes Argument. Präzise Argumentation ist entscheidend. Polemik darf höchstens eine Ausschmückung sein, ein bedauerlicherweise nötiges Zugeständnis an den Zeitgeist. Sonst entstehen nämlich Denkfehler, und es wäre lächerlich, Denkfehler zu kritisieren, dabei aber selbst welche zu begehen.

«So wie der Wert der Presse unter Null ist, ist die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaften unter Null. Kennt Ihr den Witz vom Fahrstuhl, in den drei einsteigen und auf deren anderen Etage fünf rauskommen? Sagt der Mathematiker: Wenn jetzt wieder zwei einsteigen, ist der leer. Würde man Soziologen fünf Jahre ausbilden, kämen sie vielleicht an den Punkt, von Wissenschaft gar keine Ahnung zu haben, weil dann erst mal die gröbsten Denkfehler weg wären. Habe ich schon erwähnt, daß Soziologen und Journalisten eng verwandt sind?» (a.a.O. Danisch)

Erst greift Danisch die gesamten Geisteswissenschaften an, womit er sich heillos übernimmt. Es ist schädlich, einen mehrere Jahrtausende alten Zweig menschlicher Wissenschaft anzugreifen. Historiker gab es bereits in der Antike, bei den Hellenen, und gehören gewiß zu den Geisteswissenschaftlern. Diesen Fehlgriff erweitert er, indem noch Journalisten einbezogen werden. Bei solcher gedanklicher Unschärfe kommen wir nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, wieso denn Journalisten vielfach so tendenziös geworden sind. Solche Unschärfe verdunkelt eigentlich richtige Aussagen.

Nach diesem Patzer macht Danisch einen weiteren Schnitzer, der mir vertraut ist, weil mir schon ein sogenannter ‚Männerrechtler’ damit gekommen ist. Ich will keinen Namen nennen, aber es ist ein Buchautor, der sich unsolidarisch weigerte, mir bei der Verlagssuche zu helfen, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen. Der hatte in einer internen Debatte ebenfalls logische Denkfehler produziert, aber nicht eingestehen wollen und Kritik an seinen Trugschlüssen abgewiesen, was letztlich mit meinem Rauswurf aus der Gruppe endete – obwohl es noch mehr Gründe gegeben haben könnte; ich stand wohl einigen im Wege.

Dieser hatte irgendwann einen englischen Artikel gelesen, in dem jemand Hypergamie erklärte. Danach meinte er, die ganze Welt verstanden zu haben, und argumentierte pauschalisierend wie folgt: Feminismus sei falsch, weil Hypergamie angeboren sei. Sofort erhob ich Einspruch, weil das wissenschaftlicher Humbug ist und gleich in mehrfacher Hinsicht schädlich.

1. Die Behauptung, Menschen seien allgemein von Natur aus hypergam, ist falsch. Gewiß dominiert eine weibliche Veranlagung zu Hypergamie, weil das Frauen erhebliche Vorteile einbringt, doch gibt es in der Ethnologie drei logische Modelle:

(i) Hypergamie: Die Frau heiratet hinauf
(ii) Homogamie: Die Frau heiratet ebenbürtige
(iii) Hypogamie: Die Frau heiratet hinab

Letzteres ist selten, aber nicht unmöglich. Nun sind Feminismuskritiker seit vielen Jahrhunderten immer wieder genau deshalb gescheitert, weil sie wie dieser Dampfplauderer, der sich mit seinem Charisma und öffentlichen Debatten brüstet, falsch argumentiert haben. Feministinnen brauchten nämlich nur vorzuführen, daß es anders geht, und schon brach die dumme Argumentation „Das geht nicht” in sich zusammen. Daher ist die Behauptung, Feminismus sei im Irrtum, weil Menschen hypergam seien, ein zum Scheitern verurteiltes Argument, das nur in einem riesigen Desaster, nämlich einer Niederlage enden kann. In meinen Schriften geht es seit jeher darum, wirklich universelle Argumente herauszuarbeiten, die sich nicht aufs Kreuz legen lassen.

Doch der Bursche wollte nichts davon wissen und sich nicht unterbrechen lassen. Selbst hielt er sich nämlich für den großen Platzhirsch, weil er ein bekannter Buchautor in Publikumsverlagen war, mithin von gewissem Einfluß in seiner Szene. Ich dagegen war so gut wie völlig unbekannt, also vom ‚Rang’ her ein Nichts. Darauf kam es an: sich durchzusetzen; das war ein Machtkampf. Argumente spielten keine Rolle. Er hat mich veralbert, angefangen Witze zu erzählen, um das Publikum zu beeindrucken. ‚Seht her, ich habe Charisma’ war seine Botschaft, ‚Ich kann Witze erzählen und Leute hinreißen mit meinen Plauderkünsten’. Das hat bedauerlicherweise funktioniert. Sein schwerwiegender Denkfehler wurde überdeckt von seiner Bekanntheit und seinem Charisma. Es setzte sich nicht das bessere Argument durch, sondern der beliebte Platzhirsch. Kein Wunder, wenn solch eine Szene von ‚Männerrechtlern’ gegen Feministen immer wieder verliert und sich blutige Nasen holt.

2. Bei dem Treffen hatte ich noch mehr gesagt, nämlich: Es ist noch aus einem zweiten Grunde widersinnig, gegen Feminismus zu argumentieren, der Mensch sei hypergam. Es ist nämlich nachweisbar, daß Feminismus den Grad der Hypergamie in westlichen Ländern seit den 1960er Jahren verringert hat! Soziologen (kleiner Zwinker an Herrn Danisch) haben berechnet, daß die stark gestiegenen sozialen Gegensätze damit zusammenhängen. Heute stehen sich nämlich wenige Superreiche vielen Armen gegenüber, wogegen der Mittelstand stark geschrumpft ist.

Begründung der heute geringeren Hypergamie:

(I) Feminismus hat die Geschlechter angeglichen. (Sogar mit massiven staatlichen Zwängen und Umerziehung. Nachweisbar.)

(I.b) Eine auch in Studien erwähnte Tatsache ist, daß für Frauen nach beruflicher Karriere in höhere Posten oft zu wenig unverpaarte Männer über ihnen sind, um einen zum hochheiraten zu finden.

(II) Unabhängig davon hat Feminismus gewaltige Abzockmöglichkeiten geschaffen. Ein reicher Mann, der eine arme Frau heiratet, kann von ihr jederzeit gnadenlos ausgeplündert und in seiner Existenz zerbrochen werden. Daher besteht großer ökonomischer Druck, eine Frau gleichen Vermögens zu ehelichen, um nicht bei einer Scheidung abgezockt zu werden.

(III) Heute heiraten Männer und Frauen am liebsten auf gleichem Niveau und aus ähnlichen Kreisen oder Interessensgebieten. Das ist nicht verwunderlich. Die sozialen Bezüge der Geschlechter sind zerbrochen. Als Ersatz suchen wir Menschen mit ähnlichen Interessen, Hobbies, Ausbildung. Solche Umorientierung von „Gegensätzen, die sich anziehen”, wie ein Sprichwort lautet, hin zur Suche nach „Gemeinsamkeiten, die uns verbinden” ist ebenfalls durch Studien belegt.

In den 1960er Jahren konnte der reiche Unternehmer bedenkenlos seine nette Friseuse oder Sekretärin heiraten. Auf diese Weise glichen sich soziale Gegensätze aus. Die Soziologen berechneten nun, wenn heute wieder so viele Ehen von Reichen und Armen geschlossen würden wie noch in den 1960ern, würden die sozialen Gegensätze auf einen Schlag stark verringert und wieder auf den Stand von 1960 zurückfallen.

Somit hat Feminismus nicht nur die Hypergamie verringert, auf die jener überhebliche, aber zu logisch korrektem Denken unfähige arrivierte Schriftsteller sich berief, sondern damit auch die heute krassen sozialen Gegensätze ermöglicht. Das ist nun wirklich ein gutes Argument gegen Feminismus, und so stand es auch in meinem damals schon veröffentlichten Buch.

Der Platzhirsch begann dann, mich zu beleidigen, indem er mich als völlig grundlos als „Anne Wizorek” bezeichnete. Er verbot mir, ihn zu unterbrechen, plauderte die ganze Zeit auf der Basis seines Denkfehlers weiter, den er wohl bis heute aufrecht erhalten hat. Offenbar ist er lernresistent, nicht willens, zu erkennen, wenn er beim Denken Fehler macht. Sowas geht gar nicht. Das ist peinlich. Damit blamieren wir uns und verlieren gegen den Feminismus, der zwar eine wirre Sammlung falscher Annahmen, unwissenschaftlicher Methodik und Denkfehler ist, aber nicht mit Denkfehlern bekämpft werden kann.

Kurz nach diesem Treffen wurde ich von der Gruppe still heimlich rausgeworfen, erhielt keine Email mehr und keine Artikel wurden mehr von mir veröffentlicht, schließlich mein englischer Blog gelöscht. So geht es nicht. Wenn sich Einfluß haben gegen logisch korrektes Denken durchsetzt, sitzen wir voll in der Schei*e.

«Wir reden gerne von „Datenschutz”, von „Informationeller Selbstbestimmung”, von „frei gewählter Sexualität”. Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit.

Warum haben wir eigentlich noch kein Grundrecht darauf, daß strukturell-evolutionäre Schwächen des Gehirns nicht ausgenutzt werden?

Gender, Facebook und die Tagesschau wären dann erst mal weg vom Fenster.

Insofern müßte man den Aufgabenkreis der Datenschützer weit verschieben und erweitert, quasi eine Art „Digitalpsychologen” einsetzen, den „Propagandawissenschaftler” schaffen.» (a.a.O. Danisch)

Am Grundgedanken ist etwas dran. Allerdings hätte das ungeahnte Weiterungen. Psychologische Kniffe wendet Werbung seit den 1920er Jahren an. Würde das wirklich verboten oder geächtet, wäre das eine gewaltige Revolution unserer Gesellschaft. Ob das überhaupt möglich ist, wäre die nächste Frage. Techniken, die einmal entstanden sind, wird man durch ein Verbot nicht so leicht wieder los. Sinnvoller scheint mir, mit psychologischen Kniffen betriebene Werbung und Propaganda zu ächten, aufzuklären, indem ein Vorbild objektiver und fairer Berichterstattung gegeben wird.

„Gender, Facebook und die Tagesschau” verrührt die verschiedenartigsten Dinge. „Gender” ist ein Teilbereich feministischer Ideologie, Facebook ein Internetmedium unter vielen, das leider nicht mit wertneutraler Einstellung, sondern gewissen Tendenzen benutzt wird, die Tagesschau eine Nachrichtensendung, in der zunehmend mehr Gesinnung und Propaganda verbreitet wird, statt neutral zu informieren. Ideologische Befangenheit von Journalisten läßt sich nicht damit bekämpfen, ihnen bestimmte psychologischen Kniffe zu verbieten, die evolutionäre Schwächen des Gehirns ausnützen. Meine Methode ist, solche evolutionäre Schwächen bewußt zu machen, indem ich sie den Menschen in meinen Büchern und Artikeln zu erklären versuche. Wenn wir unsere Schwächen kennen, sind wir nicht so leicht angreifbar oder können sie vielleicht sogar überwinden.

«Hört sich geisteswissenschaftlich an, dafür sind die aber zu doof.» (a.a.O. Danisch)

Unsachlich. Schädlicher Rundumschlag, der einen erheblichen Teil der Bevölkerung, die geisteswissenschaftlich ausgebildet sind, unnötig vor den Kopf stößt.

«Müßte zwischen Informatik und Psychologie angesiedelt werden und dann irgendwie den Juristen erklärt werden.» (a.a.O. Danisch)

Willkürlich ein paar Fächer genannt, aber kein sinnvoller Plan erkennbar.

«Man müßte beispielsweise ins BGB aufnehmen, daß Verträge, die mit solchen Methoden angebahnt wurden, unwirksam sind (ähnlich sittenwidrig). Und daß solche Methoden von Aufsichtsbehörden im Stil eines Datenschutzbeauftragten abgemahnt werden.» (a.a.O. Danisch)

Solche Kniffe verwendet jede Produktwerbung. Sollen alle Käufe der letzten 100 Jahre ungültig werden? Soll ein übermächtig gewordener Staat auch noch Zulässigkeit psychologischer Kniffe überwachen, obwohl dieser Staat bereits seine jetzigen Rechte gegen die Bürger mißbraucht?

Ziemlich daneben trifft Danischs Kritik an Dorothee Bär, die genug Klopfer gebracht hat, um sie besser treffen zu können.

«Eine Echtzeitleiste. Teenager als Berater. Hört sich an, als würde man Kälber nach ihren Schlachtungswünschen befragen. Und als würde eine „unter 40jährige” finden, daß alle oberhalb des Teenageralters sowieso nicht mehr mit Internet umgehen können (ratet mal, wer’s erfunden und aufgebaut hat…). So rein auf Gefühlsebene.» (a.a.O. Danisch)

Feministinnen gehen ähnlich vor, indem sie gerne ein Strohmannargument benutzen, auf englisch „straw man fallacy”, ein klassischer Logikfehler, den auch Hadmut hier verwendet. Er beruht darauf, etwas zu unterstellen, was gar nicht gesagt wurde, um es dann anzugreifen und so zu tun, als sei die Gegenseite damit erledigt. Auch die Gefühlsebene wurde von Feministinnen aufgebracht und ist hier fehl am Platz.

«„Außerdem wollen die Jüngeren nicht mehr auf einem Forum unterwegs sein, das ihre Eltern und Großeltern cool finden. Facebook wird zu einem Seniorennetzwerk.”» (Dorothee Bär, zitiert von Hadmut Danisch)

Sie sagte im zitierten Text nicht – sollte es anderswo geäußert worden sein, wäre das zu zitieren –, Jugendliche könnten nicht mehr mit dem Internet umgehen, sondern bestimmte Foren seien unmodern geworden, was ich übrigens bestätigen kann. Vor fünf bis zehn Jahren war Facebook große Mode, hatte Bedeutung für das soziale Leben. Heute hat das Smartphone die Rolle eingenommen, die einst Myspace, später Facebook zukam. Dabei hat Dorothee Bär sich einen krassen und verräterischen Spruch geleistet, den Danisch zwar zitierte, aber ignorierte:

«„Auf Twitter sind ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs. Eigentlich müßte ich jetzt meinen Twitter-Account löschen. Das würde mein Leben leichter machen. (lacht)”» (Dorothee Bär, zitiert von Hadmut Danisch)

Das reicht eigentlich, um Dorothee Bär zu entlarven.

«Also auf mich wirkt Bär in ihrer primitiven Sichtweise nicht wie „knapp unter 40”, sondern wie eine Chimäre aus kleinem Mädchen und Vorkriegsurgroßmutter.» (a.a.O. Danisch)

Gleicher Fehler wie bei Feministinnen: ein subjektiver Eindruck „auf mich wirkt Bär” ist kein Argument.

«Ich glaube, die Informatik und Computertechnik wird erst mal keine großartigen neuen Erkenntnisse mehr bringen, weil sich da Evolution und Revolution abwechseln und wir gerade so in einem Evolutionstal sind, Verbesserungen und Weiterentwicklungen ohne große Neuigkeiten – mit Ausnahme der KI. Das dürfte jetzt der Brüller werden.» (a.a.O. Danisch)

Das klingt vernünftig. Alle Technologien sind erst neu und bahnbrechend, durchlaufen dann eine anfangs stürmische Entwicklung, bis sie zu einer klassischen Disziplin werden mit ausgereiftem, sich nur noch langsam veränderndem Bauwerk. Daher ist es tatsächlich gestrig, jetzt von „Digitalisierung” zu sprechen, die ihre große Zeit hinter sich hat.

«Was übrigens wieder mal die Soziologen und Genderasten wiederlegt. Die wettern ja immer so gerne gegen Klischees, Schubladen, Stereotypen. Kapieren aber nicht, daß unsere evolutionär erworbenen Verhaltensweisen stark und zwangsläufig auf einer Kategorisierung beruhen, weil man für intelligentes Verhalten auch Prognosen stellen können muß (man muß halt rennen, bevor einen der Säbelzahntiger frisst, nicht erst hinterher). Auch künstliche Intelligenz beruht heute darauf, daß neuronale Netze auf Muster trainiert werden. Man kann generell sagen, daß Soziologen die Sorte „Wissenschaftler” ist, die ihr Kerngebiet, das menschliche Verhalten, nicht nur so gar nicht, sondern von allen am wenigsten verstanden haben. Soziologie ist die Kunst, aus Inkompetenz ein wenig Geld zu machen und die Inkompetenz an andere weiterzugeben.» (a.a.O. Danisch)

Der Kern ist ein gutes Argument; ich argumentiere seit Jahrzehnten ähnlich. Falsch und schädlich ist jedoch die Pauschalisierung „die Soziologen” und „Soziologie ist die Kunst”. Nein, das wäre nur dann richtig, wenn stattdessen „feministisch oder marxistisch geprägte Fächer” geschrieben wird.

«Deshalb ist es vielen Leuten auch so wichtig, Äußerlichkeiten herauszustellen, ob nun auf seriös, Macker, Weibchen oder was auch immer zu machen. Es ist das Bedienen der Mustererkennung.» (a.a.O. Danisch)

Guter Gedanke. Es geht aber noch tiefer als das. Wie in meinen Bücher dargelegt, hat es etwas mit Sprache zu tun, mit Zeichenbildung. Ein fluides Spektrum beliebiger Laute kann keinen Sinnträger bilden. Erst ‚binäre’ Unterschiede (Vokal-Konsonant, stimmhaft, nicht stimmhaft u.s.w.) ermöglichen, sprachliche Laute zu unterscheiden und daraus eine Sprache zu formen, mit der man sich verständigen kann. Ähnlich verhält es sich mit den Geschlechtern. Beide Geschlechter lernen bereits im frühen Säuglingsalter sprachliche Laute und die Geschlechter zu unterscheiden. Beides geht ähnlich tief und ist von gleich wichtiger Bedeutung. So habe ich es in Büchern detailliert begründet. „Mustererkennung” ist zwar richtig, aber nur ein Nebenaspekt, denn wesentlich ist die Sprache, die aus den erkannten Mustern von Phonemen, Buchstaben oder geschlechtlichen Identitäten entsteht.

«Wer will, daß der andere ihn als etwas Bestimmtes erkennt, der muß dessen schnellem Mustererkenner auch eindeutige Merkmale liefern, damit der nach ein paar Millisekunden zum richtigen Ergebnis kommt. Deshalb irritiert es uns, wenn wir an einer Person das Geschlecht nicht erkennen oder einen Mann in Frauenkleidern sehen. Wir werden auch seekrank, wenn Auge und Gleichgewichtssinn unterschiedliche Wertungen abliefern.

Ich glaube, daß uns dieser ganze Sozio- und Gendermist wissenschaftlich und im Selbstschutz um Jahrzehnte zurückgeworfen hat (negativer Wert), und daß wir mit solchen Prinzessinnen wie Dorothee Bär kaum eine Chance haben, da noch irgendwas aufzuholen. Vor allem ist es ein Fehler, Social Media mit dem Internet gleichzusetzen. Vor 10 Jahren haben wir noch über Knallchargen wie Ursula von der Leyen gelacht, die Internet und Webseiten für das gleiche hielten. Heute haben wir welche, die Internet und Social Media für das gleiche halten. Nicht besser, nur jetzt „unter 40”.» (a.a.O. Danisch)

Da ist etwas dran, bis auf Verallgemeinerungen (Sozio-mist) und Unschärfen, die aus der Subjektivität folgen.

«Wir brauchen da zwei getrennte Disziplinen. Die einen, die sich um technische Infrastruktur, Verfügbarkeit, Sicherheit usw. kümmern. Informatiker.

Und die anderen, die sich um diese Propagandamethodik und – wie bei Drogen und Spielsucht – deren Auswirkung auf das Gehirn, namentlich Dinge wie Amygdala, Reptiliengehirn usw., kümmern und Schutzanforderungen formulieren. Das wäre Aufgabe eines Staates.» (a.a.O. Danisch)

Ein Staat, der seine Mittel masssiv zur Propaganda mißbraucht, wird nicht ernstlich genau jene Propagandamethodik sachlich erforschen und (sich selbst) überwachen. Nicht der Staat, sondern Aufklärung kann helfen, den Menschen bewußt zu machen, wie sie manipuliert werden. Genau dazu dienen meine Bücher auf den Gebieten Feminismus und Massenmigration.

Fußnote

1 http://www.danisch.de/blog/2018/03/11/emotionen-suchtverhalten-und-triebe/

© 2019 Jan Deichmohle

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