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Jan Deichmohle

Denker und Dichter

Schlagwort: Kritik am Feminismus

Ergänzung des Buches „Ideologiekritik am Feminismus”

Ergänzung des Buches „Ideologiekritik am Feminismus”

Meine zentralen Bücher unterscheidet nur eins von Klassikern: daß sie so gut wie nicht gelesen werden. Irgendein psychologischer Block und Übersättigung des Marktes mit vielen Möchtegernautoren im Selbstverlag scheint radikal abzuschrecken, sich mit so ungewohnten Themen und Sichten, wie sie meine Bücher darlegen, zu beschäftigen. Die Bücher sind zu originell, was Zeitgenossen überfordert. Nichts verübeln sie mehr, als wenn sie nicht mehr mitkommen, weil sich jemand in seinem Denken zu weit aus dem geistigen Gefängnis seiner Zeit hinausgeschrieben hat in eine freie Welt, von der die Insassen des geistigen Käfigs keine Ahnung haben.

Das schlimmste, was geschehen kann, ist Überforderung der Leser. Dann werden sie sauer, lasten ihre eigene Unfähigkeit oder innere Blockade dem Verfasser an. Nun mögen sich viele Möchtegernautoren darin sonnen, solch ein Fall zu sein, was aber fast immer eitle Selbstüberschätzung ist. Deswegen reagieren Nichtleser erst recht höhnisch, wenn jemand „wieder mal glaubt”, in einer solchen Lage zu sein. Umso krasser und ungerechter fällt ihre Reaktion aus, wenn es tatsächlich der Fall ist.

Meine Kritik an den vom Feminismus verbreiteten Geschlechterverhältnissen begann in den 1970er Jahren, als ich mit Auswüchsen konfrontiert wurde. Damals entsprachen meine Gedanken noch dem Zeitgeist, wären leicht verständlich gewesen. Das galt im Grund auch noch in den 1980er Jahren, als ich Bücher zu schreiben begann und einen Stil „literarische Avantgarde” entwickelte, der männliche Verlierer beschrieb und gegen die damals sich etablierende Ideologie des Feminismus zu organisieren versuchte. Damals wurde ich ausgelacht mit den Ideen, die jedoch noch verständlich waren. Es wäre die richtige und nötige Zeit für einen Durchbruch gewesen, der jedoch unterdrückt wurde. Feministische und linksgrüne Kräfte empörten sich wütend, schickten mir bösartige Beschimpfungen, weil sie in meinen Argumenten und Schilderung genau das sahen, was sie wütend bekämpften und zerstörten. Bürgerliche reagierten ratlos, sahen Tabus verletzt, oder wiesen mich anhand der Philosophie der Aufklärung ab wie ein Göttinger Verleger, der im übrigen alles, was Männer betrifft, zur Privatsache erklärte. Dieselben Themen galten bei Frauen als legitimes gesellschaftliches Anliegen. Durch diese schiefe Herangehensweise, die tatsächlich seit der Epoche der Aufklärung endemisch ist, wie ich später nachweisen konnte, wuchsen die Probleme ständig weiter.

Meine Argumente, Erkenntnisse und Darstellungsweisen wuchsen gleichzeitig auch. So begann sich die Schere zwischen mir und dem Publikum zu einer gewaltigen Kluft zu öffnen, die schließlich unüberbrückbar wurde. Während das Publikum immer tiefer in feministischem Unsinn, Hysterie, kurz: Pladderschiß versank, entstand in meinen Büchern eine immer umfassendere und klarere neue Philosophie, wissenschaftliche Erkundung der Geschlechterverhältnisse und Argumentation. Jedes Jahr, das der Durchbruch auf dem Buchmarkt wegen Blockade von Gesinnungsverlegern, ängstlichen Verlegern und der ohnehin für unbekannte Autoren schwierigen Lage auf sich warten ließ, schwanden die Verständnismöglichkeiten.

Die Epoche versank unter einer radikalfeministischen Welle nach der anderen, die mit Zeitverzögerung auch sich für ‚konservativ’ oder ‚traditionell’ haltendes Denken zu prägen begannen. Meine Bücher räumten dagegen in Gegenrichtung eine solche ideologische Welle nach der anderen weg aus dem Bewußtsein, auch solche, die vor meiner Zeit erfolgten und daher unser Denken von Kindheit an prägten, ohne daß uns dies bewußt gewesen wäre. Während also die Gesellschaft immer tiefer in feministischem Denken, Fühlen und Wahrnehmen versank, einschließlich jener, die selbst gar keine Feministen, sondern eher dagegen sind, arbeitete ich mich aus diesem Morast immer vollständiger heraus.

Das Ergebnis sind Bücher, die geistig zu frei, fortschrittlich und gut sind, um von Zeitgenossen noch verstanden werden zu können. Sie verstören. Besonders das erste Buch, das jemand von mir liest, verstört, ganz gleich, um welches es sich handelt. Es kostet Arbeit, sich aus zeitgenössischen Irrtümern herauszuarbeiten. Dazu ist es auch nötig, sich mit vielen Themen und daher Büchern zu beschäftigen. Wer ein Buch von mir liest, wird nur einen Schritt tun können. Um den weiten Weg zu schaffen, wäre es nötig, viele Bücher von mir zu lesen. Eins kann ich versprechen: Wer alle Bücher liest, erhält einen umfassenden Überblick; von Buch zu Buch vertieft sich das Verständnis, fällt es leichter und wird es interessanter. Nach dem anfänglichen Schock beginnt dann literarische Schönheit zutage zu treten, ebenso wie ein scharfer, klarer Geist.

Soeben habe ich eins meiner ältesten Bücher ergänzt, im wesentlichen um einen Artikel, der vor einiger Zeit erschien, sowie ein paar kleine Ergänzungen aus meinem Bucharchiv. Es handelt sich um „Ideologiekritik am Feminismus”, das ab sofort als Schwarzweißdruck und eBook, ab 10.2.2020 als Farbdruck bestellbar ist. Bookmundo läßt sich ein wenig Zeit damit, geänderte Bücher wieder freizuschalten. Hier kurze Auszüge aus der heutigen Ergänzung:

Historischer Exkurs

In al­len Eth­ni­en al­ler Zei­ten gab es ei­ne ge­schlecht­li­che Ar­beits­tei­lung, wie auch von ei­ner Grün­der­fi­gur mo­der­ner So­zi­o­lo­gie und Eth­no­lo­gie, Émi­le Durk­heim, er­kannt wur­de. Da­durch er­gab sich ein Tausch zwi­schen bei­den Ge­schlech­tern, der die­se ver­bin­det, sonst feh­len­de Nä­he und Aus­gleich schafft. Zi­vi­li­sa­ti­o­nen setz­ten Er­werbs­ar­beit an Stel­le sol­chen Tau­sches. Doch auch da­für gilt, daß die Ar­beits­tei­lung der Ge­schlech­ter Keim­form der Fa­mi­lie und so­zi­a­ler Ar­beits­tei­lung war, oh­ne die mo­der­ne Tech­nik und Welt un­denk­bar sind.

Zwar ar­bei­te­ten Män­ner ten­den­zi­ell här­ter und län­ger, doch auch die Bei­trä­ge der Frau­en wa­ren wich­tig. Das spä­te­re Haus­frau­en­da­sein ent­stand als Be­vor­zu­gung von Frau­en, die von der Pflicht zur Er­werbs­ar­beit ent­bun­den wur­den, was da­mals von Frau­en und Fe­mi­ni­sten als ‚be­frei­end’ von ei­ner Last emp­fun­den wur­de, die nur noch Män­ner tra­gen muß­ten. An­son­sten galt: Frau­en durf­ten, Män­ner muß­ten, was ein ent­schei­den­der Un­ter­schied ist, letzt­lich der zwi­schen Frei­heit der Wahl und ten­den­zi­ell Skla­ven­tum.


[Der Mann ver­rich­tet die schwe­re Kno­chen­ar­beit des Pflü­gens; die Frau sät läs­sig die leich­ten Kör­ner.]

«Ehe als öko­no­mi­sche Skla­ve­rei …
Män­ner wur­den ge­zwun­gen – nicht ih­nen er­laubt – zur Er­werbs­ar­beit zu ge­hen, um ih­re Frau zu ver­sor­gen.
Die­ser Un­ter­schied, et­was tun zu dür­fen, und ge­zwun­gen zu sein, es zu tun, ist ent­schei­dend. Es ist der Un­ter­schied zwi­schen Be­schäf­ti­gung und Skla­ve­rei. …

In frü­hen Ag­rar­ge­sell­schaf­ten ar­bei­te­ten Frau­en, in­dem sie 5 Stun­den am Tag Korn zu Mehl mahl­ten, zu­sätz­lich zur Bo­den­be­stel­lung und Ern­te.

So blieb es bis zur In­du­stri­a­li­sie­rung. Ei­ne Un­ter­su­chung von 1350 Ar­bei­ter-Haus­hal­ten im Groß­bri­tan­ni­en des frü­hen 19. Jahr­hun­derts legt na­he, daß der Bei­trag des Ehe­man­nes zum Fa­mi­li­en­ein­kom­men bei nur 55 Pro­zent lag…»1 (B0yp0wer) …

Er­in­nern wir uns, daß so­wohl in ur­al­ten Kul­tu­ren, wie sie Eth­no­lo­gen in Sa­van­nen und Re­gen­wäl­dern be­schrie­ben, ge­schlecht­li­che Ar­beits­tei­lung und Tausch als grund­le­gen­den Zug ih­rer Ge­sell­schaf­ten kann­ten, als auch Zi­vi­li­sa­ti­on bis zur In­du­stri­a­li­sie­rung, wenn­gleich in der ge­än­der­ten Form be­zahl­ter Er­werbs­ar­beit, die an Stel­le so­zi­a­len Tau­sches trat. In­du­stri­a­li­sie­rung und die Phi­lo­so­phie der Auf­klä­rung ha­ben aus Un­wis­sen­heit um die Na­tur der Ge­schlech­ter und evo­lu­ti­o­nä­re Prin­zi­pi­en wie se­xu­el­le Se­lek­ti­on und Be­vor­zu­gung von Frau­en in uns­rer Wahr­neh­mung das Gleich­ge­wicht bei­der Ge­schlech­ter er­schüt­tert und ge­kippt. Fe­mi­ni­sti­sche Wel­len ha­ben den be­reits schie­fen Rest dann völ­lig zer­stört.

Häus­li­che Tä­tig­kei­ten hat­ten ei­nen Groß­teil ih­rer Be­deu­tung und Funk­ti­on ver­lo­ren; der einst viel kunst­vol­le­re kul­tu­rel­le Tausch zwi­schen Mann und Frau war längst ru­di­men­tär, ver­stüm­melt, dys­funk­ti­o­nal ge­wor­den, wo­durch Un­ter­drückung von Män­nern durch ein­sei­ti­ge Pflich­ten ent­stan­den war. Frü­he­re pro­to­fe­mi­ni­sti­sche Frau­en­be­vor­zu­gung und die er­ste fe­mi­ni­sti­sche Wel­le hat­ten die ei­ge­ne Le­bens­grund­la­ge be­schä­digt, wo­zu auch vom Mann er­ar­bei­te­te, gut­ge­mein­te Er­leich­te­run­gen da­mals weib­li­cher Auf­ga­ben wie Haus­halts­ge­rä­te bei­ge­tra­gen hat­ten. Dar­aus folgt aber nicht, daß die Idee des Tauschs und der Ge­gen­sei­tig­keit schlecht sei, son­dern daß die Ver­stüm­me­lung mensch­li­cher Kul­tur ver­kehrt und ein Pro­blem ist!

«Die Frau­en un­ter­strei­chen die zwin­gen­de Not­wen­dig­keit, für ih­re Kin­der Gleich­al­tri­gen­kon­tak­te au­ßer­halb der Fa­mi­lie an­ge­bo­ten zu be­kom­men, und be­schrei­ben die mo­ra­li­sche Über­for­de­rung, aber phy­si­sche Un­ter­for­de­rung der Haus­ar­beit. In der Tat hat sich der Ty­pus der Klein­fa­mi­lie mit die­sen Hand­lungs­struk­tu­ren erst nach dem zwei­ten Welt­krieg …. her­aus­ge­bil­det» (Hel­ga Krü­ger, in Mar­lis Krü­ger, Was heißt hier ei­gent­lich fe­mi­ni­stisch?, 1993, S. 69)

Ei­gent­lich wis­sen sie es selbst: Sie re­bel­lie­ren ge­gen et­was, das erst vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten ent­stan­den war. Da­her ist es un­ent­schuld­bar, wenn sie nicht be­grei­fen, daß sich ihr Auf­stand ge­gen ei­ne Fe­mi­nis­mus­fol­ge rich­tet, die mit ver­bis­se­nem Nach­druck durch Frau­en­ver­ei­ne noch kurz vor­her in an­de­ren Län­dern wie Ja­pan ver­brei­tet wor­den war. Statt­des­sen al­les ei­nem er­fun­de­nen my­thi­schen „Pa­tri­ar­chat” in die Schu­he zu schie­ben, zeugt glei­cher­ma­ßen von Ver­blen­dung wie Un­ver­fro­ren­heit.
Fe­mi­ni­sti­sche Be­haup­tun­gen sind pa­ra­dox ‒ sie be­haup­te­ten, Frau­en hät­ten zu­viel ge­ar­bei­tet, und nann­ten zu­gleich als Haupt­grund für das Ent­ste­hen des Neu­en Fe­mi­nis­mus, daß Frau­en zu we­nig zu tun hat­ten. …

Das Mo­dell von Jahr­mil­li­o­nen mensch­li­chen Le­bens be­stand im Tausch von Gü­tern und Ar­beit zwi­schen Män­nern (vor al­lem Jagd, Schwer­ar­beit und Schutz vor Wild­tie­ren und Fein­den) und Frau­en (vor al­lem Sam­meln, Klein­kin­der­be­treu­ung, Haus­halt), nicht in al­lei­ni­ger Be­la­stung und Über­la­stung von Män­nern, aber un­ter­for­der­ten ein­sa­men Lu­xus­da­men zu Hau­se.

Auch die Her­stel­lung von Ge­brauchs­ge­gen­stän­den war sinn­reich zwi­schen den Ge­schlech­tern ge­teilt: ei­ner­seits von Kul­tur zu Kul­tur an­ders, an­de­rer­seits im Gro­ßen und Gan­zen recht ähn­lich auf­ge­teilt. Noch im Mit­tel­al­ter gab es Frau­en­zünf­te. Noch im Be­du­inen­zelt knüpf­ten Frau­en Tep­pi­che.

Sol­che Ar­beit fand ur­sprüng­lich in Ge­schlechts­grup­pen statt, war ei­ne ge­sel­li­ge Tä­tig­keit un­ter Freun­den. Wäh­rend Frau­en mit Freun­din­nen und Nach­ba­rin­nen plau­der­ten, moch­ten sie Klei­dung am Fluß wa­schen, Reis sie­ben, Kör­be flech­ten, Tee trin­ken, ih­ren im Um­kreis spie­len­den Kin­dern zu­schau­en. Es war ein ge­sel­li­ges Le­ben, das sich kaum in Ar­beit, Un­ter­hal­tung und Fa­mi­lië tren­nen läßt, weil es al­les in ei­nem war. Auch männ­li­che Ar­beit fand ur­sprüng­lich in ge­sel­li­gen, so­zi­a­len Grup­pen statt, wenn­gleich meist we­ni­ger idyl­lisch und oh­ne klei­ne Kin­der, weil Jagd und an­de­re Auf­ga­ben ge­fähr­li­cher und här­ter wa­ren, doch im Grun­de galt ähn­li­ches für Män­ner. Un­ter­hal­tung, Hob­by und Ar­beit hat­ten sich noch nicht ge­trennt.

«An­ders als in den star­ken und aus­ge­dehn­ten Fa­mi­li­en im Süd­osten, wo ich auf­wuchs, wa­ren wir so völ­lig iso­liert. Und ich er­in­ne­re mich an die Ein­sam­keit.»2(Erin Pizzey)

Ver­ein­sa­mung auf­grund des Zer­falls von Groß­fa­mi­li­en und kul­tu­rel­len Er­gän­zungs­struk­tu­ren war das tat­säch­li­che Pro­blem.

Das Mo­dell, ge­gen das die zwei­te fe­mi­ni­sti­sche Wel­le sich em­pört er­hob, war das Er­geb­nis ei­ner frü­he­ren fe­mi­ni­sti­schen Wel­le, die von den USA und an­de­ren west­li­chen Län­dern dem Rest der Welt auf­ge­zwun­gen wor­den war. Da­nach wur­de dann die zwei­te fe­mi­ni­sti­sche Wel­le eben­so in den Rest der Welt ex­por­tiert und dort auf­ge­zwun­gen.

Die Ab­läu­fe wie­der­ho­len sich im­mer wie­der, der­zeit bei der drit­ten Wel­le.

Fußnoten

1 https://b0yp0wer.wordpress.com/2018/07/20/105/#citation-23

2 «Well unlike the families in the Middle East where I grew up, and where strong and extended, we were so totally isolated. And I remember the loneliness» (Erin Pizzey, Interview, https://www.youtube.com/watch?v=dj8883DryKA)

Ignorierte Wahrheit

Ignorierte Wahrheit

Nachweislich wird seit mindestens 1968 Feministinnen unbequeme Wahrheit massiv im Ansatz abgewürgt, oder durch Ignorieren versteckt. Dies weisen meine Bücher seit über 3 Jahrzehnten nach; viele meist männliche Autoren waren davon betroffen, angefangen bei einem Professor Goldberg, der 1968 den interkulturellen Nachweis menschlich universaler Geschlechterrollen fast nicht veröffentlicht bekam; andere Bücher zum Thema verschwanden kurz nach Veröffentlichung, waren dann nicht mehr lieferbar, oder wurden systematisch von Feministen geklaut, damit sie ihr Lesepublikum nicht erreichen.

Meine eigenen Bücher und Zensurnachweise waren über drei Jahrzehnte lang von eben solchen Methoden des Ignorierens, Versteckens und Nichtveröffentlichens betroffen. Doch der zensierte Aktivist gegen Zensur wird heute weiter ignoriert, und zwar von seinen vermeintlich ‚eigenen Kreisen’.

Da tiefer bohrende grundsätzliche Argumente gegen Feminismus keine Chance hatten, ein Publikum zu finden, soweit sie nicht im Vorfeld bereits verhindert wurden, weil ganze Generationen indoktriniert aufwuchsen, unbequeme Gedanken schon im Ansatz aberzogen wurden, entstand eine im Vergleich zum Feminismus lächerlich kleine Szene von Männern, die sich zwar mit männlichen Problemen auseinandersetzen, die Feminismus geschaffen oder verschärft hat, dabei aber letztlich auf feministische Prinzipien berufen: sie sind meist ‚Gleichheitsfeministen’, die fordern, ‚Gleichheit’ auch für Männer zu schaffen. Das kollidiert aber mit Tatsachen der Natur wie Fortpflanzung, sexuelle Selektion und Schwangerschaft, sowie angeborener instinktiver Wahrnehmung, die aufgrund biologisch weiblicher Dominanz schief ist.

Ihre Schwäche als logischer Seitenzweig des Feminismus versucht die kleine Männerszene seit Jahrzehnten wie folgt auszugleichen: Erstens scheut sie tieferes Nachbohren zu Kernfragen, weil sie das sofort mit der logischen und inneren Schwäche ihrer eigenen Sicht und Ansätze konfrontieren würde. Aus gleichem Grunde reagieren sie ähnlich ablehnend wie Feministinnen auf wirkliche, echte und tiefbohrende Kritik und ihre Vertreter wie mich. Zweitens vertuschen sie ihre Schwäche als männerrechtliche Benutzer feministischer Grundsätze durch Verbalradikalität. Dann darf es gern mal ein derber Spruch sein, der von Feministen, aber auch Durchschnittsbevölkerung, leicht als abwertend für Frauen dargestellt werden kann.

Außerdem will in Sachen Frauen jeder als Experte gelten, weil das den Regeln der Balz und des Selbstverständnisses entspricht, ohne die ein Mann weder bei Frauen noch in der Gesellschaft ein gutes Ansehen erhielte. Es ist Teil des evolutionären Spiels, unbequeme Wahrheiten lieber auszublenden, um selbst erfolgreich zu sein. Daher besteht die Männerszene vielfach aus Platzhirschen, die zwar wenig Ahnung haben, weil sie auf letztlich feministischem Grund stehen, sich selbst aber für superklug und unbequeme, tieferbohrende Kritiker für überflüssig, außerdem eine Gefährdung ihres eigenen Platzhirschstatus sehen.

Mein erstes auch von einem Verlag veröffentlichtes Buch war noch sehr vorsichtig, wurde deshalb in der winzigen Männerszene einigermaßen freundlich aufgenommen. Doch je tiefer und stärker Argumente gingen, und umso mehr Erfahrung beim Bücherschreiben hinzutrat, desto heftiger war die Ablehnung: Der feministische Boden, auf dem auch Männerrechtler standen, wurde ihnen unter den Füßen weggezogen, was sie verschreckte; außerdem geriet auch noch ihr Platzhirschstatus ins Wanken.

Zuerst flog ich bei einem Magazin raus, das sich selbst das erste nichtfeministische Magazin nannte. Inzwischen scheint es sich aufzulösen. Als zweites flog ich bei einer Wissensseite raus, die eine Alternative zur feministisch kontrollierten Wikipedia bilden wollte. Beide löschten einen früheren Blog von mir. Doch auch sonst fielen Besprechungen, Artikelerwähnung und Erwähnung überhaupt asymptotisch gegen Null. Die Szene schmort im eigenen Saft; nicht einmal in die Blogroll werden meine Aktivitäten, Argumente und Bücher aufgenommen. Debatten dort bleiben meist fruchtlos.

Eine Nachrichtenseite hatte ursprünglich gerne Artikel von mir veröffentlicht. Später wurde dort ein selbsternannter Maskulist eingestellt und zum Chefredakteur, der inhaltlich wenig beweist, logische Fehler machte und peinlich ausfällige Sprüche abließ, also nach dem üblichen Muster agierte, die Schwäche eigener Logik und Argumente durch Verbalradikalität zu kaschieren.

Solche Ablehnung der einzigen wirklich systematischen und tiefbohrenden Feminismuskritik und Alternative zur Ideologie setzte sich breitflächig fort. Erstmals seit 1968, also seit 50 Jahren, begannen feminismuskritische Töne Mode zu werden. Im Internet mehrten sich von YouTube bis zu Artikeln kritische Stimmen. Doch dort erhalten jene das Wort, die der Generation ‚Schneeflocke’ angehören. Auch jene, die nicht feministisch sein wollen, sind von ähnlichen Prinzipien, Subjektivität und der Neigung geprägt, mehr auf Mode als auf tiefbohrende Analyse zu setzen.

Auch die rechtspopuläre Szene hat zwar anfangs teilweise vorsichtige Sympathien gehabt mit Kritik an traditionell links geprägtem Feminismus, sich inzwischen aber mehrheitlich einem rechts geprägten Feminismus verschrieben. „Ja La: Feminismus und Identitäre Bewegung1” Echte Feminismuskritik(er) werden auf Dauer überall abserviert und daher faktisch unterdrückt.

Interne Debatten der Szenen gehen an den Kernfragen vorbei, weil sie nicht über die Grundlagen ihres Denkens nachdenken, die nämlich selbst noch der feministischen Ära entspringen. Meine Bücher leisten den Ausbruch aus dem feministischen Denksystem und zeigen auch, wie eine bessere Alternative aufgebaut werden könnte. Doch das ist den bewegten Männern unbequem und egal. Es wäre falsch, das Hintertreiben meiner neuen Ansätze, Feminismuskritik, Zensurbeweise u.s.w. nur in feministischen Kreisen zu sehen, deren Gesinnungsdiktatur, die 50 Jahre uneingeschränkte Macht ausübte, täglich weiter bröckelt. Inzwischen sind es vor allem sich selbst für kritisch haltende, tatsächlich aber ohne ihr eigenes Wissen konform denkende Männer – gerade in ihrem zuweilen verbalradikalen Eifer konform mit feministischen Ansätzen –, die meine Arbeit ignorieren, abschotten, und damit einen Durchbruch zur Öffentlichkeit verhindern. Eine solche Szene hilft nicht, sondern schadet, verhindert das Aufkommen echter Gegenansätze und Opposition.

Kürzlich erhielt ich von einem Magazin des deutschsprachigen Auslands die Bitte, Material für einen Artikel zu liefern, der Gender-, vielleicht auch Feminismus kritisch beleuchten wolle. Gerne schickte ich Material und Auszüge aus meinen Büchern, die auch gut ankamen. Doch weder erhielt ich den Zuschlag, den Artikel zu schreiben, noch wurde, wie anfänglich in Aussicht gestellt, mein Material verwendet. Das Ergebnis war dann ein Artikel, der zwar grelle und aussagekräftige Beispiele zitierte, doch schlecht durchdacht war, logische Fehler enthielt. So wurde einerseits richtig festgestellt, daß es Feminismus gar nicht um ‚Gleichheit’ ginge, wie immer behauptet würde, andererseits ebenso löblich vermerkt, natürliche Geschlechterrollen würden zerstört. Nur paßt beides nicht in eine Argumentationslinie und einen Artikel, sondern bildet einen logischen Widerspruch, genau wie im Feminismus. Was wollen sie denn nun fordern, ‚Gleichheit’ oder (naturgemäß ungleiche) natürliche Geschlechterrollen?

Meine Bücher argumentieren logisch, was aber mehr Nachdenken erfordert. Zeitgenossen der Schneeflockengeneration sind bequem und mögen das Nachdenken nicht. Da loben dann Bequeme (oder Dumme) ebenso bequeme Schreiber mit dummen Ergüssen. Das kommt an, wird geteilt, gelobt, ein Erfolg. Was qualitativ gut ist, landet verachtet und ignoriert in der Ecke. Das ist nicht nur ein Gesinnungsproblem, sondern geht tiefer. Auch wenn die Gesinnung eigentlich aufgeschlossen sein sollte wegen gleicher kritischer Grundrichtung, wird genauso heftig ignoriert, wenn unbequem tief gebohrt wird – genau das ist aber nötig, um logische Fehler zu vermeiden.

Außerdem verrührte der Artikel auch noch munter Feminismus, Gender und Judith Butler, als seien sie austauschbar, was ebenfalls so nicht richtig und eine populäre Vereinfachung ist.

Doch so ging es auch bei früheren Gelegenheiten. Als ich bei der ‚Wissensseite’ rausflog und mein Blog dort gelöscht wurde, hieß es, wir bräuchten keine neuen Bücher, alles wichtige sei schon vor über hundert Jahren geschrieben worden (1900+-). Möbius, ick hör dir tappsen. Vor dem Rauswurf aus dem ‚nichtfeministischen’ Magazin hatte ich mit einem anderen Platzhirsch debattiert, selbst Buchautor und stolz auf seine Fähigkeit, in öffentlichen Debatten aufzutreten. (Als ob ich das nicht könne – ich wurde nur nie eingeladen oder zugelassen.) Der hatte vor Jahren mal einen Artikel zu Hypergamie auf Englisch gelesen, und glaubte nun, die Welt verstanden zu haben. Stolz übersetzte er den Artikel ins Deutsche und brachte nun als Argument gegen Feminismus auf, die Frau sei nun einmal hypergam, weshalb Feminismus nicht funktionieren können. Basta. Oh du heilige Einfalt. Sowas gilt als charismatisch, wird verlegt und zur Stimme der Männer, die bessere Vertreter verdient haben. Tatsächlich gibt es ethnologisch drei theoretische Modelle: Frauen heiraten nach oben, unten, oder auf gleicher Ebene. Zwar ist evolutionär das Modell angelegt, größtmöglichen Nutzen zu ziehen, also so weit wie möglich nach oben zu heiraten, doch es geht auch anders. Man denke an standesgemäße Heiraten in Königsfamilien. (Isogamie) „Bella gerant alii, tu felix Austria nube.” Österreich-Ungarn wurde mehr durch Heiraten als durch Kriege zum einst größten Staat Mittel- und Westeuropas. Sehr selten aber möglich ist auch das nach unten heiraten. (Hypogamie)

Doch es gibt noch ein größeres Problem mit dem Argument des sich selbst überschätzenden Platzhirsches, der sich übrigens weigerte, mir bei der Verlagssuche zu helfen, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen: Feminismus hat das Ausmaß an Hypergamie seit den 1960er Jahren deutlich gesenkt. Als Frauen westlicher, nichtkommunistischer Länder vermehrt in Berufarbeit und Karriëre drängten, fanden sie über sich um so weniger nicht vergebene Männer, je weiter sie aufgestiegen waren. Somit war für die erfolgsreiche Berufsfrau Hypergamie unerreichbar, auch wenn sie gerne einen erfolgreichen, unvergebenen Mann gefunden hätte. Für Männer aber wurde es zum finanziëllen Selbstmordrisiko, ein armes Mädchen zu heiraten, das ihn später gemäß feministischen Gesetzen bei Trennung ausplündern könnte. Daher ist es unsinnig, zu argumentieren, wegen Hypergamie sei Feminismus unmöglich.

Doch das ficht manche Platzhirsche der ‚Männerszene’ nicht an, deren Dünkel und Überheblichkeit genauso schädlich für den Fortschritt echter Feminismuskritik sind wie früher der Feminismus selbst. Sie servieren mich ab, unterdrücken so die echte Feminismuskritik, damit sie ihre wirre Pseudokritik als echte verkaufen können, denn gegen die Konkurrenz meiner echten Feminismuskritik könnten sie nicht bestehen. Der Typ verhöhnte mich noch, hielt mich mit unfairen Mitteln davon ab, in die Debatte einzugreifen und seinen Fehler richtigzustellen.

Übrigens hat bereits mein erstes Buch das richtige Argument gegen Feminismus zum Thema Hypergamie geliefert: Wären Männer wieder in gleichem Maße wie in den 1960ern bereit, auch ein nettes armes Mädchen zu heiraten, wäre die Anzahl Ehen zwischen Superreichen und Armen so groß wie in jener Zeit vor der 2. und folgenden feministischen Wellen, würden die sozialen Gegensätze, die unsere Gesellschaft zu zerreißen drohen, auf einen Schlag abgemildert zum Stand der 1960er.

Doch das richtige Argument gilt in dieser oberflächlichen Zeit nicht als ‚sexy’; lieber jubeln Zeitgenossen Unfug zu, als vernünftige Bücher zu lesen und vernünftige Kritik anzuerkennen.

Fußnote

© 2020 Jan Deichmohle

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